Zur Zu­rech­nung des Wis­sens, das ein so­ge­nann­ter Wis­sens­ver­tre­ter ei­ner GmbH & Co. KG beim An­kauf ei­nes Fahr­zeugs er­langt hat­te, wenn die KG we­gen arg­lis­ti­gen Ver­hal­tens beim Wei­ter­ver­kauf des Fahr­zeugs in An­spruch ge­nom­men wird.

BGH, Ur­teil vom 31.01.1996 – VI­II ZR 297/94

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt die Wan­de­lung ei­nes Pkw-Kauf­ver­trags.

Auf der Grund­la­ge ei­ner Be­stel­lung des Klä­gers vom 21.12.1991 ver­kauf­te ihm die Be­klag­te ei­nen ge­brauch­ten Pkw Opel Ome­ga, der dem Klä­ger am 14.01.1992 über­ge­ben wur­de. Un­ter dem 16.01.1992 über­mit­tel­te die Be­klag­te dem Klä­ger ei­ne – zwi­schen­zeit­lich be­gli­che­ne – Rech­nung über 19.000 DM.

Die Ver­hand­lun­gen mit dem Klä­ger führ­te für die Be­klag­te de­ren An­ge­stell­ter R, der in der Ge­braucht­wa­gen­ab­tei­lung tä­tig war und im Rah­men der vor­ge­ge­be­nen Preis­kal­ku­la­ti­on selbst­stän­dig han­del­te. In dem Be­stell­for­mu­lar ist in den Ru­bri­ken „Ge­samt­fahr­leis­tung laut Vor­be­sit­zer“ und „Stand des km-Zäh­lers“ an­ge­ge­ben: „37.000 km“.

Im Ok­to­ber 1992 er­litt das Fahr­zeug ei­nen Mo­tor­scha­den. Der Klä­ger ließ das Fahr­zeug ab­schlep­pen und nach sei­ner Be­haup­tung für ei­ne täg­li­che Stand­ge­bühr von 7 DM ab­stel­len. Das Fahr­zeug hat der Klä­ger ab­ge­mel­det. Er hat mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vom 10.11.1992 die Wan­de­lung des Kauf­ver­tra­ges be­gehrt und am 01.02.1993 mit der Kla­ge gel­tend ge­macht.

Der Klä­ger hat be­haup­tet, der Ver­käu­fer R der Be­klag­ten ha­be ihn arg­lis­tig ge­täuscht; er ha­be ei­ne Ge­samt­lauf­leis­tung von 37.000 km zu­ge­si­chert, ob­wohl die tat­säch­li­che Ge­samt­lauf­leis­tung 100.000 km be­tra­gen ha­be, was an­hand des Zu­stan­des des Fahr­zeugs er­kenn­bar ge­we­sen sei. Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten hat die­se den Pkw von dem Vor­ei­gen­tü­mer G in Zah­lung ge­nom­men, wo­bei die­ser dem für die Be­klag­te han­deln­den, nicht zum Ver­trags­ab­schluss be­voll­mäch­tig­ten An­ge­stell­ten K mit­ge­teilt ha­be, dass die Ge­samt­lauf­leis­tung des Wa­gens ent­ge­gen der An­zei­ge des Ki­lo­me­ter­zäh­lers in Wirk­lich­keit rund 53.000 km be­tra­ge. Die­se An­ga­ben ha­be der An­ge­stell­te K der Dis­po­si­ti­ons­ab­tei­lung der Be­klag­ten wei­ter­ge­ge­ben, wor­auf­hin die­ses Da­tum in ih­rem Com­pu­ter ge­spei­chert wor­den sei. Für die Ge­braucht­wa­gen­ab­tei­lung der Be­klag­ten ha­be K – ent­ge­gen sons­ti­gen Ge­pflo­gen­hei­ten im Be­trieb der Be­klag­ten nicht un­mit­tel­bar bei Her­ein­nah­me des Fahr­zeugs, son­dern erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt – zum Zwe­cke des Ver­kaufs ei­ne „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ aus­ge­füllt. Zu die­sem Zeit­punkt sei ihm die Mit­tei­lung des G über den wah­ren Ki­lo­me­ter­stand des Fahr­zeugs nicht mehr er­in­ner­lich ge­we­sen, wes­halb er den Ki­lo­me­ter­zäh­ler-Stand von 37.000##km in die „Ver­ein­ba­rung“ ein­ge­tra­gen ha­be. Der für die Be­klag­te beim Wie­der­ver­kauf des Fahr­zeugs han­deln­de An­ge­stell­te R ha­be die­se An­ga­be für zu­tref­fend ge­hal­ten.

Das Land­ge­richt hat das Wan­de­lungs­be­geh­ren für ge­recht­fer­tigt ge­hal­ten und der auf Zah­lung von 19.395,80 DM Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs ge­rich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat le­dig­lich zur Er­mä­ßi­gung der Ur­teils­sum­me auf 16.993, 39 DM – un­ter Ab­zug ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die von dem Klä­ger mit dem Fahr­zeug zu­rück­ge­leg­ten Ki­lo­me­ter und un­ter Her­ab­set­zung der gel­tend ge­mach­ten Stand­kos­ten – ge­führt. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten, die da­mit wei­ter­hin die (voll­stän­di­ge) Ab­wei­sung der Kla­ge er­rei­chen woll­te, wur­de das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sa­che an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­ge­wie­sen.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat aus­ge­führt: Die Auf­nah­me der „Ge­samt­lauf­leis­tung laut Vor­be­sit­zer“ von 37.000 km in die vom Klä­ger un­ter­zeich­ne­te „ver­bind­li­che Be­stel­lung ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs“ stel­le die ver­bind­li­che Zu­si­che­rung dar, dass der Vor­be­sit­zer an­ge­ge­ben ha­be, die nach Ki­lo­me­tern be­zif­fer­te Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs ent­spre­che im We­sent­li­chen der wirk­li­chen Lauf­leis­tung. Den in der tat­säch­lich hö­he­ren Lauf­leis­tung lie­gen­den Man­gel ha­be die Be­klag­te dem Klä­ger arg­lis­tig ver­schwie­gen, so­dass der Ge­währ­leis­tungs­an­spruch nicht ge­mäß § 477 I 1 BGB& ver­jährt sei. Zwar ha­be nicht der An­ge­stell­te R arg­lis­tig ge­han­delt, weil sich nicht fest­stel­len las­se, dass R bis zur Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs am 14.01.1992 Kennt­nis von der rich­ti­gen Lauf­leis­tung er­langt oder die­se Kennt­nis zu­vor schon be­ses­sen ha­be. Der An­ge­stell­te K der Be­klag­ten ha­be zwar die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs ge­kannt, es sei aber nicht fest­zu­stel­len, dass die­ser mit dem Ver­kauf des Wa­gens an den Klä­ger be­fasst ge­we­sen sei. Ge­mäß den Zu­rech­nungs­re­ge­lun­gen der § 123 II 1 BGB, § 166 I und II 1 BGB so­wie § 278 Satz 1 BGB sei es aber für die­sen Fall der so­ge­nann­ten „ge­spal­te­nen Arg­list“ ge­recht­fer­tigt, der Be­klag­ten als ju­ris­ti­scher Per­son so­wohl die ob­jek­tiv täu­schen­de Hand­lung des Ver­käu­fers R als auch das Wis­sen des nicht han­deln­den Ver­käu­fers K in ih­rer Zu­sam­men­wir­kung zu­zu­rech­nen und sie da­für ein­ste­hen zu las­sen. Zu­dem kom­me in Be­tracht, dass schuld­haft das Wis­sen der Ein­kaufs­ab­tei­lung nicht an die Ver­kaufs­ab­tei­lung wei­ter­ge­lei­tet wor­den sei. Dies sei bei der Grö­ße des Un­ter­neh­mens der Be­klag­ten und der An­zahl der für sie tä­ti­gen Ein­käu­fer und Ver­käu­fer aber zu er­war­ten ge­we­sen. Das Wis­sen ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Or­gan­mit­glie­der sei in wer­ten­der Be­ur­tei­lung dem Or­gan zu­zu­rech­nen, um ei­ne an­ge­mes­se­ne Ri­si­ko­ver­tei­lung zwi­schen der ju­ris­ti­schen Per­son und der mit ihr kon­tra­hie­ren­den Ein­zel­per­son zu er­rei­chen. Zwar sei­en kei­ne Or­ga­ne der Be­klag­ten, wohl aber Per­so­nen tä­tig ge­wor­den, die im Rah­men der ih­nen vor­ge­ge­be­nen Kal­ku­la­ti­ons­maß­stä­be ei­gen­ver­ant­wort­lich den frag­li­chen Pkw ein­ge­kauft und so­dann wie­der ver­kauft hät­ten. Dem­nach er­schei­ne es an­ge­bracht, de­ren Ver­hal­ten und Wis­sen der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen und die­se so zu be­han­deln, als hät­te sie bei dem Ver­kauf des Pkw zu­gleich ge­wusst oder doch mit der Mög­lich­keit ge­rech­net und sie bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, dass der Klä­ger die Lauf­leis­tung nicht ge­kannt ha­be und bei Of­fen­ba­rung den Ver­trag nicht oder nicht mit dem ver­ein­bar­ten In­halt ab­ge­schlos­sen hät­te.

II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten ei­ner recht­li­chen Nach­prü­fung nicht in vol­lem Um­fang stand.

1. Zu Recht ist das Be­ru­fungs­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, der Ver­trag sei mit dem In­halt zu­stan­de ge­kom­men, dass als Soll­be­schaf­fen­heit des Fahr­zeugs ei­ne Lauf­leis­tung von rund 37.000 km ver­ein­bart wur­de. Wei­ter­hin zu Recht hat es an­ge­nom­men, die Ge­samt­lauf­leis­tung des Fahr­zeugs von je­den­falls 53.000 km, wie sie die Be­klag­te ein­räumt, stel­le ei­nen Man­gel dar. Da der Klä­ger al­lein Wan­de­lung gel­tend macht, kommt es auf die in den Vor­in­stan­zen er­ör­ter­te Fra­ge, ob die nied­ri­ge­re Lauf­leis­tung i. S. von § 459 II BGB zu­ge­si­chert wur­de, nicht an.

2. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann je­doch dem Klä­ger ein An­spruch auf Wan­de­lung nicht zu­ge­bil­ligt wer­den. Nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen ist ei­ne Ver­jäh­rung die­ses An­spruchs ge­mäß § 477 I 1 BGB ein­ge­tre­ten. Un­strei­tig wur­de das Fahr­zeug am 14.01.1992 ab­ge­lie­fert und Wan­de­lung erst mit Schrei­ben vom 10.11.1992 er­klärt. Zu die­sem Zeit­punkt war die Sechs­mo­nats­frist des § 477 BGB be­reits ab­ge­lau­fen. Dar­über hin­aus ha­ben die Par­tei­en in Nr. VII der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten wirk­sam ei­nen Aus­schluss der Ge­währ­leis­tung ver­ein­bart. Die Kla­ge kann da­her nur un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Arg­list der Be­klag­ten Er­folg ha­ben (vgl. §§ 476, 477 I 1 BGB). Ein et­wai­ges auf Fahr­läs­sig­keit be­ru­hen­des Ver­schul­den der Be­klag­ten bei Ver­trags­schluss schei­det als Grund­la­ge des Kla­ge­an­spruchs we­gen des Vor­rangs der Sach­män­gel­ge­währ­leis­tungs­vor­schrif­ten aus (Se­nat, Urt. v. 16.01.1991 – VI­II ZR 335/89, WM 1991, 589 un­ter II 3 a aa).

a) Arg­list setzt vor­aus, dass der Ver­käu­fer den Man­gel der Kauf­sa­che kennt, da­mit rech­net oder weiß, dass der Käu­fer die­sen Man­gel nicht kennt, und er die Vor­stel­lung hat, der Käu­fer wür­de bei Kennt­nis des Man­gels den Ver­trag nicht oder nicht mit dem ver­ein­bar­ten In­halt ab­schlie­ßen (BGH, Urt. v. 22.11.1991 – V ZR 215/90, NJW-RR 1992, 333 un­ter II 2).

b) Bei der Be­klag­ten, ei­ner GmbH & Co. KG, han­delt es sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts nicht um ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son; für sie han­delt in Form der Kom­ple­men­tär-GmbH le­dig­lich ei­ne sol­che (§§ 161 II, 125 HGB). Für die Fra­ge, ob bei der be­klag­ten Kom­man­dit­ge­sell­schaft das für ei­ne Arg­list er­for­der­li­che Tat­be­stands­merk­mal der Kennt­nis des Sach­man­gels vor­liegt, ist auf die Kennt­nis ih­res ein­zi­gen ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaf­ters ab­zu­stel­len, al­so auf die Kom­ple­men­tär-GmbH.

aa) Ein in­so­weit in Be­tracht kom­men­des Wis­sen des Ge­schäfts­füh­rers der Kom­ple­men­tär-GmbH, die die­ses Wis­sen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ver­mit­teln wür­de (BGH, Urt. v. 19.12.1989 – VI ZR 57/89, VersR 1990, 497 un­ter II 2 b), stellt das Be­ru­fungs­ge­richt nicht fest.

bb) Zu­zu­rech­nen ist der GmbH al­ler­dings das Wis­sen des An­ge­stell­ten K in der Ein­kaufs­ab­tei­lung des Un­ter­neh­mens. Die­sem war die Di­ver­genz zwi­schen der Ki­lo­me­ter­zäh­ler­an­ga­be und der tat­säch­li­chen Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs, so­mit der Sach­man­gel, be­kannt. Ei­ne Zu­rech­nung die­ser Kennt­nis des An­ge­stell­ten K schei­tert nicht schon dar­an, dass er nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts nicht Stell­ver­tre­ter der Be­klag­ten oder ih­rer Kom­ple­men­tär-GmbH i. S. der §§ 164 ff. BGB war. Denn er war er­mäch­tigt, für die Be­klag­te im Rah­men der vor­ge­ge­be­nen Preis­kal­ku­la­ti­on selbst­stän­dig bei der In­zah­lung­nah­me von Ge­braucht­wa­gen tä­tig zu wer­den. Er war dem­nach da­mit be­traut, nach au­ßen ei­gen­stän­dig Auf­ga­ben zu er­le­di­gen, In­for­ma­tio­nen zur Kennt­nis zu neh­men und sie wei­ter­zu­lei­ten. Auf ihn fin­det des­halb als so­ge­nann­ten „Wis­sens­ver­tre­ter“ die Vor­schrift des § 166 BGB ent­spre­chen­de An­wen­dung (st. Rspr., vgl. BGH, Urt. v. 24.01.1992 – V ZR 262/90, BGHZ 117, 104, 106 f.), mit der Fol­ge, dass sein Wis­sen als sol­ches der GmbH, näm­lich ih­res Ge­schäfts­füh­rers, zu be­trach­ten ist. Hier­bei ist un­schäd­lich, daß der An­ge­stell­te K in der Ein­kaufs­ab­tei­lung der Be­klag­ten be­schäf­tigt war und so­mit mit dem Ver­kauf an den Klä­ger, bei des­sen Vor­be­rei­tung für die Be­klag­te der An­ge­stell­te R tä­tig wur­de, nicht be­fasst war. Zum ei­nen soll­te näm­lich der Ein­kauf des män­gel­be­haf­te­ten Fahr­zeugs aus­schließ­lich zum Zwe­cke des Wie­der­ver­kaufs er­fol­gen; zum an­de­ren war es ge­ra­de Auf­ga­be des An­ge­stell­ten K, In­for­ma­tio­nen über das Fahr­zeug ent­ge­gen­zu­neh­men und an die Ver­kaufs­ab­tei­lung – näm­lich über das Aus­fül­len der so­ge­nann­ten „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ – wei­ter­zu­lei­ten (vgl. zur Zu­sam­men­rech­nung des Wis­sens von Mit­ar­bei­tern ei­ner Groß­bank BGH, Urt. v. 01.06.1989 – III ZR 261/87, WM 1989, 1364 un­ter II 3 b).

c) Im Er­geb­nis mit Recht rügt die Re­vi­si­on in­des­sen, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be un­be­rück­sich­tigt ge­las­sen, dass der An­ge­stell­te K – nach dem bis­her nicht wi­der­leg­ten und da­her für die Re­vi­si­ons­in­stanz als zu­tref­fend zu un­ter­stel­len­den Vor­trag der Be­klag­ten – zu dem Zeit­punkt, als er die „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ an­fer­tig­te, die tat­säch­li­che Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs be­reits ver­ges­sen hat­te. Nach der Recht­spre­chung des BGH muss sich die ju­ris­ti­sche Per­son, im vor­lie­gen­den Fal­le dem­nach die Kom­ple­men­tär-GmbH der Be­klag­ten, das Wis­sen al­ler ih­rer ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Or­gan­wal­ter zu­rech­nen las­sen, selbst wenn das „wis­sen­de“ Or­gan­mit­glied an dem be­tref­fen­den Rechts­ge­schäft nicht selbst mit­ge­wirkt oder nichts da­von ge­wusst hat­te. Auch das Aus­schei­den aus dem Amt oder der Tod des Or­gan­ver­tre­ters steht da­nach der fort­dau­ern­den Wis­sens­zu­rech­nung nicht ent­ge­gen (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 17.05.1995 – VI­II ZR 70/94, WM 1995, 1145 un­ter II 2 b aa m. w. Nachw. auch zur Ge­gen­an­sicht). Ob hier­an un­ein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten ist (vgl. da­zu BGH, Urt. v. 08.12.1989 – V ZR 246/87, BGHZ 109, 327, 331), be­darf für den vor­lie­gen­den Fall eben­so we­nig der Ver­tie­fung wie die Fra­ge, ob ein (nur) über so­ge­nann­te „Wis­sens­ver­tre­ter“ dem Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH und so­mit die­ser ver­mit­tel­tes Wis­sen über­haupt als nicht mehr ver­lier­ba­res Wis­sen ei­nes Or­gan­mit­glieds im Sin­ne der ge­nann­ten Recht­spre­chung zu be­trach­ten ist und ob das von der Be­klag­ten be­haup­te­te Ver­ges­sen der maß­geb­li­chen Tat­sa­che dem Aus­schei­den des wis­sen­den Or­gan­ver­tre­ters aus dem Amt gleich­zu­ach­ten ist. Ent­schei­dend ist in die­sem Zu­sam­men­hang, dass die GmbH nicht selbst Ver­trags­part­ne­rin des Klä­gers ge­wor­den, son­dern le­dig­lich als Kom­ple­men­tä­rin der Be­klag­ten (KG) auf­ge­tre­ten ist. Für die­sen Fall hat aber der er­ken­nen­de Se­nat be­reits ent­schie­den (Urt. v. 17.05.1995 – VI­II ZR 70/94, WM 1995, 1145 un­ter II 2 b cc), dass die Fort­dau­er der Wis­sens­zu­rech­nung da­von ab­hängt, ob es sich bei den frag­li­chen Tat­sa­chen um „ty­pi­scher­wei­se ak­ten­mä­ßig fest­ge­hal­te­nes Wis­sen“ han­delt. Da­nach kann auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ne Arg­list der Be­klag­ten nicht be­jaht wer­den.

aa) Zwar ist im Aus­gangs­punkt ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zu be­ja­hen, die Ab­wei­chung zwi­schen der auf dem Ki­lo­me­ter­zäh­ler aus­ge­wie­se­nen und der tat­säch­li­chen, we­sent­lich hö­he­ren Fahr­leis­tung des Fahr­zeugs so zu do­ku­men­tie­ren, dass auch bei der Auf­spal­tung der in­ner­be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on zwi­schen Ein­kaufs- und Ver­kaufs­ab­tei­lung die In­for­ma­ti­on über die­sen Um­stand nicht „ver­lo­ren­geht“. Dies liegt an­ge­sichts der be­son­de­ren Be­deu­tung, die der Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens ge­ra­de des­sen Ki­lo­me­ter­leis­tung bei­misst, auf der Hand.

bb) Die ihr ob­lie­gen­de Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht hat die Be­klag­te in­des­sen da­durch hin­rei­chend er­füllt, dass sie in Ge­stalt der „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ or­ga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen ge­trof­fen hat, um für ei­nen et­wai­gen Käu­fer re­le­van­te In­for­ma­tio­nen schon beim Ein­kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens schrift­lich fest­zu­hal­ten und an die Ver­kaufs­ab­tei­lung wei­ter­zu­lei­ten. Dass der An­ge­stell­te K pflicht­wid­rig die­se schrift­li­che „Ver­ein­ba­rung“ nicht so­gleich bei der Her­ein­nah­me des Fahr­zeugs aus­ge­füllt und bei der Nach­ho­lung ei­ne un­zu­tref­fen­de Lauf­leis­tung ein­ge­tra­gen hat, weil er – nach dem Vor­trag der Be­klag­ten – die rich­ti­ge Zahl ver­ges­sen hat­te, be­grün­det le­dig­lich ei­nen Fahr­läs­sig­keits­vor­wurf ge­gen­über dem An­ge­stell­ten K und so­mit ge­gen­über der Be­klag­ten, nicht aber den Kennt­nis vor­aus­set­zen­den Arg­list­vor­wurf (z. B. So­er­gel/Hu­ber, BGB, 12. Aufl., § 476 Rn. 24). Es ver­hält sich nicht an­ders als bei dem Ver­ges­sen re­le­van­ter Tat­sa­chen durch ei­ne na­tür­li­che Per­son oder als in dem Fall, dass der An­ge­stell­te K nicht nur bei der Her­ein­nah­me des Fahr­zeugs in der Neu­wa­gen­ab­tei­lung, son­dern auch beim Ver­kauf in der Ge­braucht­wa­gen­ab­tei­lung der Be­klag­ten tä­tig ge­wor­den, ihm der frag­li­che Um­stand aber zwi­schen­zeit­lich ent­fal­len wä­re.

cc) Auf die Spei­che­rung der Fahr­zeug­da­ten ein­schließ­lich der nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten rich­ti­gen Lauf­leis­tung von 53.000 km in dem Com­pu­ter der Dis­po­si­ti­ons­ab­tei­lung und den Um­stand, dass die Ge­schäfts­lei­tung der Be­klag­ten von die­ser In­for­ma­ti­ons­mög­lich­keit of­fen­bar kei­nen Ge­brauch ge­macht hat, be­vor sie durch Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs am 14.01.1992 den Ver­trags­schluss her­bei­führ­te, kommt es da­nach nicht mehr an. Die Spei­che­rung im Com­pu­ter der Dis­po­si­ti­ons­ab­tei­lung war of­fen­kun­dig nur zum „haus­in­ter­nen“ Ge­brauch, ins­be­son­de­re zur Er­stel­lung der ab­schlie­ßen­den Rech­nung ge­dacht. Für die Zwe­cke des Ver­kaufs hin­ge­gen war der an­de­re Do­ku­men­ta­ti­ons­weg, näm­lich die Er­stel­lung der so­ge­nann­ten „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“, ge­schaf­fen wor­den. Dass die Be­klag­te mit der com­pu­ter­mä­ßi­gen Er­fas­sung der Da­ten ei­ne zu­sätz­li­che In­for­ma­ti­ons­quel­le ge­schaf­fen hat, kann ihr nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, wenn sie – aus hier nicht nä­her auf­ge­klär­ten Grün­den – von die­ser Quel­le kei­nen Ge­brauch macht.

III. Ei­ne ei­ge­ne Sach­ent­schei­dung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt (§ 565 III ZPO) kam nicht in Be­tracht. Denn der Klä­ger hat in den Vor­in­stan­zen das Vor­brin­gen der Be­klag­ten, ihr An­ge­stell­ter K ha­be die frag­li­che Ab­wei­chung der Lauf­leis­tung bei der Er­stel­lung der „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ ver­ges­sen ge­habt, be­strit­ten und da­mit zu­gleich ein wis­sent­lich fal­sches Aus­fül­len der „Ge­braucht­wa­gen-Ver­ein­ba­rung“ durch den An­ge­stell­ten K und so­mit ein Arg­list be­grün­den­des vor­sätz­li­ches Han­deln auf der Be­klag­ten­sei­te be­haup­tet. Hier­bei steht dem Klä­ger zwar kei­ne die Be­weis­last um­keh­ren­de Ver­mu­tung zur Sei­te, dass ein ein­mal vor­han­de­nes tat­säch­li­ches Wis­sen bei dem An­ge­stell­ten K – et­wa bis zum Aus­fül­len der Ver­ein­ba­rung – fort­be­stan­den ha­be (BGH, Urt. v. 10.07.1987 – V ZR 152/86, NJW-RR 1987, 1415 un­ter II 3; Urt. v. 22.11.1991 – V ZR 215/90, NJW-RR 1992, 333 un­ter II 2 a. E.). Die Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils und die Zu­rück­ver­wei­sung gibt dem Klä­ger – der in den bei­den Vor­in­stan­zen im We­sent­li­chen er­folg­reich ge­blie­ben ist, oh­ne auf die Not­wen­dig­keit ei­nes Be­weis­an­tritts hin­ge­wie­sen zu wor­den sein – je­doch Ge­le­gen­heit, Be­weis da­für an­zu­bie­ten, dass der An­ge­stell­te K zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt die Ab­wei­chung der tat­säch­li­chen Lauf­leis­tung von dem auf dem Ki­lo­me­ter­zäh­ler an­ge­zeig­ten Stand nicht ver­ges­sen hat­te. Da­bei wird das Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen­falls zu be­ach­ten ha­ben, dass der Klä­ger ei­ne in­ne­re Tat­sa­che im Be­triebs­be­reich der Be­klag­ten zu be­wei­sen hat und des­halb kei­ne un­er­füll­ba­ren Be­weis­an­for­de­run­gen ge­stellt wer­den dür­fen (vgl. BGH, Urt. v. 14.01.1993 – IX ZR 238/91, BGHR ZPO § 286 I – Be­weis­maß 1).

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