1. Zur Ab­gren­zung von Kauf­ver­trag und Werk­lie­fe­rungs­ver­trag (hier: Lie­fe­rung von Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten in ei­nem be­stimm­ten Farb­ton durch ei­nen Fach­groß­händ­ler für Bau­be­darf).
  2. Beim Kauf­ver­trag ist der vom Ver­käu­fer ein­ge­schal­te­te Her­stel­ler der Kauf­sa­che nicht Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Ver­käu­fers; glei­ches gilt ge­mäß § 651 Satz 1 BGB beim Werk­lie­fe­rungs­ver­trag, wenn der Lie­fe­rant ei­nen Drit­ten mit der Be­ar­bei­tung der Sa­che be­traut (Be­stä­ti­gung von BGHZ 48, 121).

BGH, Ur­teil vom 02.04.2014 – VI­II ZR 46/13

Sach­ver­halt: Der Klä­ger stellt in sei­ner Schrei­ne­rei Holz­fens­ter mit ei­ner Alu­mi­ni­um­ver­blen­dung her. Die Be­klag­te be­treibt ei­nen Fach­groß­han­del für Bau­be­darf (Bau­be­schlä­ge, Werk­zeu­ge, Ma­schi­nen, Bau­ele­men­te, Holz, Glas, Far­ben, Ta­pe­ten und Tep­pich­bö­den). Die Par­tei­en ste­hen in lau­fen­der Ge­schäfts­be­zie­hung mit­ein­an­der.

Im Jahr 2005 er­hielt der Klä­ger ei­nen Auf­trag zur Lie­fe­rung und zum Ein­bau von Alu­mi­ni­um-Holz-Fens­tern für den Neu­bau ei­nes Wohn­hau­ses der Fa­mi­lie F in S. (im Fol­gen­den: Bau­her­ren). Er be­stell­te bei der Be­klag­ten die in ei­ner Lis­te der Be­klag­ten an­ge­bo­te­nen, für die Her­stel­lung der Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len be­nö­tig­ten Pro­fil­leis­ten im Farb­ton RAL 9007 (grau-me­tal­lic). Die Be­klag­te be­auf­trag­te die Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin, die ein Pul­ver­be­schich­tungs­werk be­treibt, mit der Be­schich­tung der – von der Be­klag­ten als Stan­gen­wa­re zur Ver­fü­gung ge­stell­ten – Pro­fil­leis­ten und lie­fer­te die Halb­zeu­ge an den Klä­ger. Der Klä­ger füg­te die von ihm zu­ge­schnit­te­nen Alu­mi­ni­um­pro­fi­le zu ei­nem Rah­men zu­sam­men und mon­tier­te sie auf die Holz­fens­ter.

Nach dem Ein­bau der Fens­ter rüg­ten die Bau­her­ren Lack­ab­plat­zun­gen an den Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len ge­gen­über dem Klä­ger. Ur­sa­che für die man­geln­de Haf­tung der Be­schich­tung ist ei­ne nicht fach­ge­rech­te Vor­be­hand­lung der Pro­fil­leis­ten wäh­rend des Be­schich­tungs­pro­zes­ses sei­tens der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin. Ei­ne Nach­be­hand­lung der Au­ßen­scha­len an den ein­ge­bau­ten Fens­tern ist nicht mög­lich.

Der Ar­chi­tekt der Bau­her­ren ver­lang­te in de­ren Auf­trag vom Klä­ger Man­gel­be­sei­ti­gung durch Er­neue­rung der Au­ßen­scha­len an al­len 19 Fens­tern und schätz­te die Kos­ten für den Aus­tausch der Au­ßen­scha­len, die da­für not­wen­di­ge teil­wei­se Ent­fer­nung und Wie­der­her­stel­lung des Wär­me­dämm­sys­tems, die Er­neue­rung des ge­sam­ten Put­zes und wei­te­re not­wen­di­ge Ar­bei­ten auf 43.209,46 €.

Der Klä­ger hat von der Be­klag­ten – un­ter Be­rück­sich­ti­gung ei­ner von ihr auf­grund ei­nes rechts­kräf­ti­gen Ur­teils des LG Gie­ßen vom 12.03 2008 ge­leis­te­ten Teil­zah­lung von 20.000 € – zu­nächst die Zah­lung wei­te­rer 23.209,46 € so­wie vor­pro­zes­sua­ler Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von 911,80 €, je­weils nebst Zin­sen, be­gehrt. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge – un­ter Re­du­zie­rung der Haupt­for­de­rung auf 22.209,46 € – statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten – nach ent­spre­chen­der Um­stel­lung des KIage­an­trags – mit der Maß­ga­be zu­rück­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te ver­ur­teilt wird, den Klä­ger von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen der Bau­her­ren in Hö­he von 22.209,46 € nebst Zin­sen frei­zu­stel­len. Die da­ge­gen ge­rich­te­te Re­vi­si­on der Be­klag­ten, mit der sie wei­ter­hin die Ab­wei­sung der Kla­ge be­gehr­te, hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: [7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zur Be­grün­dung sei­ner Ent­schei­dung im We­sent­li­chen aus­ge­führt:

[8]    Die Kla­ge sei be­grün­det. Oh­ne Rechts­feh­ler ha­be das Land­ge­richt an­ge­nom­men, dass die von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten Alu­mi­ni­um­pro­fi­le man­gel­haft i. S. des § 434 BGB ge­we­sen sei­en. § 434 BGB fin­de ge­mäß § 651 BGB auf den zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ver­trag An­wen­dung. In der Ein­ord­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­trags­ver­hält­nis­ses als Werk­lie­fe­rungs­ver­trag sei dem Land­ge­richt bei­zu­pflich­ten.

[9]    Sämt­li­che von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten und in das Bau­vor­ha­ben ein­ge­bau­ten Alu­mi­ni­um­pro­fi­le wie­sen auf­grund un­ge­eig­ne­ter Vor­be­hand­lung durch die Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin ei­ne feh­ler­haf­te Be­schich­tung auf und eig­ne­ten sich nicht für die vor­aus­ge­setz­te Art ih­rer Ver­wen­dung als Au­ßen­scha­len von Holz-Alu­mi­ni­um-Fens­tern. Auf die­ser Grund­la­ge ha­be das Land­ge­richt zu­tref­fend ei­nen An­spruch des Klä­gers auf Nach­er­fül­lung durch Er­satz­lie­fe­rung man­gel­frei­er Alu­mi­ni­um­pro­fi­le be­jaht. Da ein Nach­er­fül­lungs­an­spruch nicht gel­tend ge­macht wer­de, ha­be das Land­ge­richt oh­ne Rechts­feh­ler Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus § 437 Nr. 3 BGB i. V. mit §§ 440, 280, 281 BGB ge­prüft und an­ge­nom­men, dass die­se je­den­falls nicht an der feh­len­den Nach­frist­set­zung für ei­ne Er­satz­lie­fe­rung schei­ter­ten. Ihm kön­ne in der Be­ur­tei­lung ge­folgt wer­den, dass dem Klä­ger nach Ver­ar­bei­tung und Ein­bau der man­gel­haf­ten Alu­mi­ni­um­pro­fi­le ei­ne Frist­set­zung zur Man­gel­be­sei­ti­gung un­ter Be­rück­sich­ti­gung des vor­pro­zes­sua­len Ver­hal­tens der Be­klag­ten ge­mäß § 440 BGB un­zu­mut­bar ge­we­sen sei und zu­dem die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner end­gül­ti­gen Er­fül­lungs­ver­wei­ge­rung ge­mäß § 281 II BGB vor­ge­le­gen hät­ten.

[10]   Das Land­ge­richt ha­be aber die im Hin­blick auf die scha­dens­er­satz­be­grün­den­den Vor­aus­set­zun­gen not­wen­di­ge Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den ein­zel­nen dem Frei­stel­lungs­be­geh­ren des Klä­gers zu­grun­de lie­gen­den Auf­wen­dungs­po­si­tio­nen un­ter­las­sen. Es ha­be ver­kannt, dass der von ihm be­jah­te Scha­dens­er­satz­an­spruch statt der Leis­tung ge­mäß §§ 440, 281 II BGB die Rechts­fol­gen der Ver­wei­ge­rung, des Fehl­schla­gens oder der Un­zu­mut­bar­keit der Nach­er­fül­lung re­ge­le und ver­schul­dens­un­ab­hän­gig sei. Als Fol­ge­an­spruch des Nach­bes­se­rungs­an­spruchs um­fas­se die­ser ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Scha­dens­er­satz­an­spruch so­wohl die Kos­ten der Er­satz­lie­fe­rung neu­er Alu­mi­ni­um­deck­blen­den als auch die Kos­ten der Rück­nah­me und Ent­fer­nung der man­gel­haf­ten Alu­mi­ni­um­au­ßen­scha­len (Aus­bau­kos­ten). Der dar­über hin­aus streit­ge­gen­ständ­li­che An­spruch auf Frei­stel­lung von den Kos­ten des Ein­baus neu­er Fens­ter sei dem­ge­gen­über nicht aus dem Nach­er­fül­lungs­an­spruch in Form des Er­satz­lie­fe­rungs­an­spruchs ab­zu­lei­ten und wer­de von dem ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Fol­ge­an­spruch, ge­rich­tet auf Scha­dens­er­satz, nicht um­fasst.

[11]   Ein ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ger An­spruch auf Be­frei­ung von den Ein­bau­kos­ten ste­he dem Klä­ger auch nicht aus § 478 II BGB zu. Die An­wend­bar­keit des § 478 II BGB schei­te­re dar­an, dass es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­trag nicht um ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf i. S. des § 474 I BGB han­de­le, son­dern um ei­nen Werk­lie­fe­rungs­ver­trag im ge­schäft­li­chen Ver­kehr zwi­schen Un­ter­neh­mern.

[12]   Dem Klä­ger ste­he aber ein An­spruch auf Be­frei­ung von den Ein­bau­kos­ten aus § 437 Nr. 3, § 280 I BGB zu. Denn die Kos­ten der Neu­mon­ta­ge der neu her­ge­stell­ten Fens­ter (Ein­bau­kos­ten) stell­ten sich als Be­stand­teil des Scha­dens­er­sat­zes ne­ben der Leis­tung dar.

[13]   Oh­ne Er­folg grei­fe die Be­klag­te die Auf­fas­sung des Land­ge­richts an, wo­nach der Be­klag­ten ge­mäß § 278 BGB das durch die feh­ler­haf­te Vor­be­hand­lung der Pro­fil­leis­ten be­grün­de­te Ver­schul­den der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin zu­zu­rech­nen sei. Da­bei ver­ken­ne der Se­nat nicht, dass beim Kauf­ver­trag der Lie­fe­rant des Ver­käu­fers nicht des­sen Ge­hil­fe bei der Er­fül­lung sei­ner Pflicht sei, ei­ne Sa­che dem Käu­fer zu über­eig­nen. Bei dem vor­lie­gen­den Ver­trag han­de­le es sich aber nicht um ei­nen rei­nen Kauf­ver­trag, son­dern um ei­nen Werk­lie­fe­rungs­ver­trag. Vor die­sem Hin­ter­grund kom­me es auf die Fra­ge an, ob die Be­klag­te nur die Lie­fe­rung der la­ckier­ten Alu­mi­ni­um­pro­fi­le ge­schul­det ha­be oder ob von der Leis­tungs­pflicht der Be­klag­ten auch die Her­stel­lung und da­bei ins­be­son­de­re die – feh­ler­be­haf­te­te – Lack­be­schich­tung er­fasst wor­den sei. Letz­te­res ha­be das Land­ge­richt im Er­geb­nis zu Recht be­jaht. Die Be­son­der­heit des vor­lie­gen­den Sach­ver­halts lie­ge dar­in, dass die Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin die Alu­mi­ni­um­pro­fi­le nicht als Fer­tig­pro­duk­te her­ge­stellt und dann an die Be­klag­te ge­lie­fert ha­be. Sie ha­be viel­mehr Alu­mi­ni­um­pro­fi­le, die ihr von der Be­klag­ten über­sandt wor­den sei­en, feh­ler­haft vor­be­han­delt und be­schich­tet. Da­mit sei die Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin un­mit­tel­bar in den sei­tens der Be­klag­ten ge­schul­de­ten Her­stel­lungs­vor­gang ein­ge­schal­tet ge­we­sen. Für die Ver­schul­dens­zu­rech­nung ei­nes in den Her­stel­lungs­pro­zess ein­ge­bun­de­nen Drit­ten kön­ne es nach Auf­fas­sung des Se­nats nicht dar­auf an­kom­men, ob es sich bei dem zu­grun­de lie­gen­den Ver­trag um ei­nen Werk­ver­trag oder – wie hier – um ein Werk­lie­fe­rungs­ver­trag han­de­le. Da den Werk­lie­fe­rer eben­falls ei­ne Pflicht zur Her­stel­lung tref­fe, sei­en Drit­te, so­weit sie zur Her­stel­lung not­wen­di­ge Leis­tung er­bräch­ten, un­ge­ach­tet des Ver­trags­typs – Werk- oder Werk­lie­fe­rungs­ver­trag – als Er­fül­lungs­ge­hil­fen an­zu­se­hen.

[14]   So­weit die Be­klag­te das erst­in­stanz­li­che Ur­teil hin­sicht­lich der Hö­he der zu­er­kann­ten Scha­dens­be­trä­ge an­ge­grif­fen ha­be, feh­le es an der ge­bo­te­nen Dar­le­gung der­je­ni­gen Um­stän­de, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit der zur An­spruchs­hö­he ge­trof­fe­nen erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen be­grün­de­ten. Un­ter Zu­grun­de­le­gung des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens hal­te der Se­nat die vom Land­ge­richt in An­wen­dung von § 287 ZPO vor­ge­nom­me­ne Scha­dens­schät­zung für zu­tref­fend.

[15]   II. Die­se Be­ur­tei­lung hält recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts steht dem Klä­ger ge­gen die Be­klag­te we­gen der von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten, hin­sicht­lich der Be­schich­tung man­gel­haf­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten der gel­tend ge­mach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch – sei es auf Zah­lung von 22.209,46 € oder auf Frei­stel­lung von Man­gel­be­sei­ti­gungs­an­sprü­chen der Bau­her­ren ge­gen den Klä­ger – nicht zu (§ 437 Nr. 3, §§ 280 I, III, 281 BGB i. V. mit §§ 433, 434, 439, 440 BGB).

[16]   1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts han­delt es sich bei dem zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ver­trag über die Lie­fe­rung von Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten im Farb­ton RAL 9007, wie die Re­vi­si­on mit Recht gel­tend macht, nicht um ei­nen Werk­lie­fe­rungs­ver­trag (§ 651 BGB), son­dern um ei­nen Kauf­ver­trag (§ 433 BGB).

[17]   a) Zwar kann die tatrich­ter­li­che Ver­trags­aus­le­gung, so­weit es – wie hier – um In­di­vi­dua­l­er­klä­run­gen geht, nach der Recht­spre­chung des BGH in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob ge­setz­li­che oder all­ge­mein an­er­kann­te Aus­le­gungs­re­geln, Denk­ge­set­ze oder Er­fah­rungs­sät­ze ver­letzt sind oder we­sent­li­cher Aus­le­gungs­stoff au­ßer Acht ge­las­sen wor­den ist (st. Rspr.; vgl. nur Se­nat, Urt. v. 06.02.2013 – VI­II ZR 374/11, NJW 2013, 1365 Rn. 11; Urt. v. 05.06.2013 – VI­II ZR 287/12, NJW 2013, 2417 Rn. 16). Ein sol­cher Rechts­feh­ler liegt hier je­doch vor.

[18]   Das Be­ru­fungs­ge­richt hat bei der Ein­ord­nung des Ver­tra­ges nicht be­rück­sich­tigt, dass der Ver­trags­ge­gen­stand – Lie­fe­rung ei­ner be­stimm­ten Men­ge von Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten im Farb­ton RAL 9007 0 Stan­dard­ware ist, die von der Be­klag­ten als Fach­groß­händ­le­rin für den Bau­be­darf lis­ten­mä­ßig an­ge­bo­ten wird, und dass die Fra­ge, ob die Wa­re von der Be­klag­ten vor­rä­tig ge­hal­ten wur­de oder – von wem auch im­mer – erst noch her­zu­stel­len war, nicht Ge­gen­stand der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ge­wor­den ist. Ein sol­cher Ver­trag, dem – eben­so wie im Ver­sand­han­del – ei­ne Be­stel­lung aus ei­nem Wa­ren­ka­ta­log des An­bie­ters zu­grun­de liegt, ist aus der maß­geb­li­chen Sicht des Be­stel­lers ein Kauf­ver­trag und kein Werk­lie­fe­rungs­ver­trag. In den Vor­in­stan­zen sind die Par­tei­en des­halb auch mit Recht über­ein­stim­mend von ei­nem Kauf­ver­trag aus­ge­gan­gen.

[19]   b) Ein Kauf­ver­trag liegt hier vor, weil die Be­klag­te als Fach­groß­händ­le­rin für den Bau­be­darf ein brei­tes Spek­trum von Bau­ma­te­ria­li­en – von Bau­be­schlä­gen und Bau­ele­men­ten über Werk­zeu­ge und Ma­schi­nen bis hin zu Holz, Glas, Far­ben, Ta­pe­ten und Tep­pich­bö­den – an­bie­tet, die vom Fach­han­del ty­pi­scher­wei­se nicht selbst her­ge­stellt wer­den. Die Be­klag­te tritt – aus der maß­geb­li­chen Sicht des Kun­den – er­kenn­bar als Zwi­schen­händ­le­rin und nicht als Her­stel­le­rin der in ih­ren Preis­lis­ten an­ge­bo­te­nen Stan­dard­pro­duk­te auf. Das hat auch der Klä­ger bei der Be­stel­lung so ge­se­hen. Er hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt er­klärt, ihm sei klar ge­we­sen, dass er mit der Be­klag­ten ei­nen Fach­han­del be­auf­tragt ge­habt ha­be. Er ha­be die für die Au­ßen­scha­len be­nö­tig­ten Pro­fi­le aus Preis­lis­ten der Be­klag­ten her­aus­su­chen las­sen, in de­nen die Pro­fi­le in ei­nem be­stimm­ten Farb­ton auf­ge­lis­tet ge­we­sen sei­en. Ihm sei da­mals nicht klar ge­we­sen, wer die Be­schich­tung er­stel­le; dar­auf ha­be er kei­nen Ein­fluss ge­habt.

[20]   Bei die­ser Sach­la­ge ist für die Ver­trags­aus­le­gung des Be­ru­fungs­ge­richts, die Be­klag­te selbst sei zur Her­stel­lung der Be­schich­tung ver­pflich­tet ge­we­sen, rechts­feh­ler­haft (§ 286 ZPO) und kein Raum für die dar­auf ge­stütz­te An­nah­me, es lie­ge ein Werk­lie­fe­rungs­ver­trag vor. Viel­mehr han­delt es sich um ei­nen rei­nen Kauf­ver­trag, der nur ei­ne Lie­fer- und kei­ne Her­stel­lungs­pflicht der Be­klag­ten zum Ge­gen­stand hat. Eben­so we­nig wie sich die Be­klag­te da­zu ver­pflich­tet hat­te, die (ro­hen) Alu­mi­ni­um­pro­fi­le her­zu­stel­len, war sie zur Her­stel­lung der Be­schich­tung ver­pflich­tet. Ih­re Ver­pflich­tung be­schränk­te sich auf die Lie­fe­rung von Pro­fil­leis­ten im Stan­dard­farb­ton RAL 9007, un­ab­hän­gig da­von, ob die­se be­reits her­ge­stellt wor­den wa­ren und von der Be­klag­ten vor­rä­tig ge­hal­ten wur­den oder ob sie erst noch – von wem auch im­mer – her­ge­stellt wer­den muss­ten. Ob und von wem die far­bi­gen Pro­fil­leis­ten be­reits her­ge­stellt oder erst noch her­zu­stel­len wa­ren, war für den Kun­den nicht er­sicht­lich und auch dem Klä­ger un­strei­tig nicht be­kannt. Ei­ne Her­stel­lung der be­schich­te­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fi­le durch die Be­klag­te ist da­her nicht Ge­gen­stand der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ge­wor­den. Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­pflich­tung kann des­halb nicht zur recht­li­chen Ein­ord­nung des Ver­trags her­an­ge­zo­gen wer­den.

[21]   2. Nach Kauf­recht steht dem Klä­ger der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Frei­hal­tung von den Kos­ten des Aus- und Ein­baus der Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len, die der Klä­ger im Zu­ge der Man­gel­be­sei­ti­gung ge­gen­über den Bau­her­ren zu tra­gen hat, nicht zu.

[22]   Rechts­feh­ler­frei hat das Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass die von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten we­gen feh­ler­haf­ter Vor­be­hand­lung bei der far­bi­gen Be­schich­tung man­gel­haft wa­ren (§ 434 I BGB), ei­ne Nach­bes­se­rung der man­gel­haf­ten Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len nicht mög­lich ist und die Be­klag­te des­halb zur Nach­er­fül­lung durch Er­satz­lie­fe­rung man­gel­frei­er Pro­fil­leis­ten ver­pflich­tet war (§ 439 I BGB). Das ist im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren eben­so we­nig im Streit wie die tatrich­ter­li­che Wür­di­gung des Be­ru­fungs­ge­richts, dass die Be­klag­te die Nach­er­fül­lung end­gül­tig ver­wei­gert hat und die Nach­er­fül­lung dem Klä­ger auch un­zu­mut­bar war (§ 440 BGB).

[23]   a) Da­mit steht dem Klä­ger ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung in­so­weit zu, als die Be­klag­te ih­re Ver­käu­fer­pflicht zur Nach­er­fül­lung schuld­haft ver­letzt hat (§ 437 Nr. 3, §§ 280 I, III, 281, 439, 440 BGB; vgl. Se­nat, Urt. v. 17.10.2012 – VI­II ZR 226/11, BGHZ 195, 135 Rn. 12).

[24]   aa) Die­ser An­spruch ist auf Er­satz der Kos­ten für ei­ne an­der­wei­ti­ge Be­schaf­fung man­gel­frei­er Pro­fil­leis­ten durch ei­nen De­ckungs­kauf ge­rich­tet. Der­ar­ti­ge Kos­ten macht der Klä­ger mit vor­lie­gen­der Kla­ge aber nicht gel­tend. Es ist we­der vom Klä­ger vor­ge­tra­gen noch vom Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt wor­den, wel­che Kos­ten dem Klä­ger durch ei­ne noch­ma­li­ge Be­schaf­fung der Pro­fil­leis­ten ent­stan­den sind oder ent­ste­hen wür­den. So­weit die Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung auf das An­ge­bot des Klä­gers vom 19.06.2008 ver­weist und gel­tend macht, die Kos­ten ei­nes an­der­wei­ti­gen Ein­kaufs be­lie­fen sich auf 6.580 €, han­delt es sich um ein zur Schät­zung der Hö­he der Aus- und Ein­bau­kos­ten er­stell­tes, fik­ti­ves An­ge­bot des Klä­gers an die Bau­her­ren, das nichts dar­über aus­sagt, zu wel­chem Preis der Klä­ger selbst die Pro­fil­leis­ten zu be­zie­hen hät­te. Selbst wenn man den Be­trag von 6.580 € als Kos­ten für ei­nen er­for­der­li­chen De­ckungs­kauf zu­grun­de le­gen woll­te, wä­ren die­se Kos­ten be­reits durch die nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts un­strei­tig als Teiler­fül­lung ge­leis­te­te Zah­lung der Be­klag­ten in Hö­he von 20.000 € ab­ge­gol­ten.

[25]   bb) Der An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung we­gen ver­wei­ger­ter und un­zu­mut­ba­rer Nach­er­fül­lung er­streckt sich aber nicht auf Er­satz der Aus- und Ein­bau­kos­ten für den durch die man­gel­haf­te Be­schich­tung der Pro­fil­leis­ten not­wen­dig ge­wor­de­nen Aus­tausch der Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len. Denn in­so­weit be­steht kein ur­säch­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ver­wei­ge­rung der Nach­er­fül­lung und den Aus- und Ein­bau­kos­ten. Die­se Kos­ten wä­ren auch ent­stan­den, wenn die Be­klag­te durch Er­satz­lie­fe­rung man­gel­frei­er Pro­fil­leis­ten ord­nungs­ge­mäß nach­er­füllt hät­te.

[26]   cc) Die Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts, dass der An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung we­gen ver­wei­ger­ter, fehl­ge­schla­ge­ner oder un­zu­mut­ba­rer Nach­er­fül­lung als „ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ger“ Fol­ge­an­spruch des Nach­bes­se­rungs- und Er­fül­lungs­an­spruchs (§ 439 BGB) so­wohl die Kos­ten der Er­satz­lie­fe­rung als auch die Kos­ten der Rück­nah­me und Ent­fer­nung der man­gel­haf­ten Au­ßen­scha­len (Aus­bau­kos­ten) um­fas­se, trifft nicht zu.

[27]   Der Aus­bau der man­gel­haf­ten Au­ßen­scha­len wird – eben­so wie der er­neu­te Ein­bau man­gel­frei­er Au­ßen­scha­len – bei dem hier vor­lie­gen­den Kauf­ver­trag zwi­schen Un­ter­neh­mern ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts von dem Nach­er­fül­lungs­an­spruch auf Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB) nicht um­fasst. Der Se­nat hat ent­schie­den, dass die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 439 I Fall 2 BGB, nach der die Nach­er­fül­lungs­va­ri­an­te „Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che“ ne­ben dem Aus­bau und Ab­trans­port der man­gel­haf­ten Kauf­sa­che auch den Ein­bau der als Er­satz ge­lie­fer­ten Sa­che er­fasst, auf den Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§ 474 BGB) be­schränkt ist und sich nicht auf Kauf­ver­trä­ge zwi­schen Un­ter­neh­mern oder zwi­schen Ver­brau­chern er­streckt (Se­nat, Urt. v. 17.10.2012 – VI­II ZR 226/11, BGHZ 195, 135 Rn. 16 ff.). Da­her um­fasst auch der An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung we­gen ver­wei­ger­ter Er­satz­lie­fe­rung nicht die Aus- und Ein­bau­kos­ten.

[28]   Aus dem vom Be­ru­fungs­ge­richt für sei­ne Auf­fas­sung an­ge­führ­ten Se­nats­be­schluss vom 21.10.2008 (VI­II ZR 304/07, ju­ris) er­gibt sich nichts an­de­res. Aus­bau­kos­ten wa­ren nicht Ge­gen­stand die­ses Be­schlus­ses und des zu­grun­de lie­gen­den Re­vi­si­ons­ver­fah­rens.

[29]   b) Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch auf Er­stat­tung so­wohl der Aus- als auch der Ein­bau­kos­ten be­steht im ge­schäft­li­chen Ver­kehr zwi­schen Un­ter­neh­mern nur dann, wenn der Ver­käu­fer sei­ne Ver­trags­pflicht zur Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che ver­letzt und dies zu ver­tre­ten hat (§ 437 Nr. 3, § 280 BGB i. V. mit § 433 I 2, § 434 BGB; Se­nat, Urt. v. 17.10.2012 – VI­II ZR 226/11, BGHZ 195, 135 Rn. 11).

[30]   Zwar hat die Be­klag­te ih­re Ver­trags­pflicht zur Lie­fe­rung man­gel­frei­er Pro­fil­leis­ten ver­letzt (§§ 433, 434 BGB). Sie hat die­sen Man­gel je­doch ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts nicht zu ver­tre­ten (§ 280 I 2 BGB). Ei­ge­nes Ver­schul­den ist der Be­klag­ten un­strei­tig nicht an­zu­las­ten, weil die man­gel­haf­te Be­schich­tung der Pro­fil­leis­ten vor dem Ein­bau der Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len für die Be­klag­te eben­so we­nig er­kenn­bar war wie für den Klä­ger.

[31]   Der Be­klag­ten ist das Ver­schul­den der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin nicht nach § 278 BGB zu­zu­rech­nen. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH ist der Vor­lie­fe­rant des Ver­käu­fers nicht des­sen Ge­hil­fe bei der Er­fül­lung der Ver­käu­fer­pflich­ten ge­gen­über dem Käu­fer; eben­so ist auch der Her­stel­ler der Kauf­sa­che nicht Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Händ­lers, der die Sa­che an sei­ne Kun­den ver­kauft (Se­nat, Urt. v. 21.06.1967 – VI­II ZR 26/65, BGHZ 48, 118, 121 f.; Urt. v. 15.07.2008 – VI­II ZR 211/07, BGHZ 177, 224 Rn. 29; Beschl. v. 14.01.2009 – VI­II ZR 70/08, NJW 2009, 1660 Rn. 11; BGH, Urt. v. 19.06.2009 – V ZR 93/08, BGHZ 181, 317 Rn. 19; vgl. auch BGH, Urt. v. 22.02.1962 – VII ZR 205/60, ju­ris Rn. 18; Urt. v. 09.02.1978 – VII ZR 84/77, NJW 1978, 1157).

[32]   Das wird, so­weit es um ei­nen Kauf­ver­trag geht, auch vom Be­ru­fungs­ge­richt – und eben­so von der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung – nicht in­fra­ge ge­stellt. Der in der Li­te­ra­tur teil­wei­se ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, die Recht­spre­chung des BGH ste­he nicht im Ein­klang mit der seit der Schuld­rechts­re­form in § 434 I 2 BGB ge­re­gel­ten Pflicht des Ver­käu­fers zur Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che (Schro­eter, JZ 2010, 495, 497 ff.; Pe­ters, ZGS 2010, 24, 27; Schmidt, in: Prüt­ting/We­gen/Wein­reich, BGB, 8. Aufl., § 437 Rn. 46; MünchKomm-BGB/Grund­mann, 6. Aufl., § 278 Rn. 31; Wel­ler, NJW 2012, 2312, 2315), kann nicht ge­folgt wer­den. In der Ge­set­zes­be­grün­dung zu § 433 BGB wird auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des BGH zu § 278 BGB Be­zug ge­nom­men und de­ren Fort­gel­tung zum Aus­druck ge­bracht (BT-Drs. 14/6040, S. 209 f.; Lo­renz, ZGS 2004, 408, 410). Dort heißt es:

„Die Ver­pflich­tung des Ver­käu­fers, dem Käu­fer die Sa­che frei von Sach­män­geln zu ver­schaf­fen, führt nicht zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Ver­schär­fung der Haf­tung des Ver­käu­fers. … So ge­se­hen tritt hin­sicht­lich ei­ner Scha­dens­er­satz­pflicht kei­ne grund­le­gen­de Än­de­rung ge­gen­über der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge ein. … Die Ver­pflich­tung zur man­gel­frei­en Ver­schaf­fung der Sa­che führt auch nicht et­wa auf dem Um­weg über die Ge­hil­fen­haf­tung zu ei­ner grund­le­gen­den Aus­wei­tung von Scha­dens­er­satz­pflich­ten des Ver­käu­fers. Ei­ne sol­che Aus­wei­tung er­gä­be sich, wenn der Wa­ren­her­stel­ler Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Ver­käu­fers wä­re. Die Ver­pflich­tung zur man­gel­frei­en Lie­fe­rung hat je­doch nicht die­se Rechts­fol­ge. Die Ver­pflich­tung des Ver­käu­fers soll sich auf die man­gel­freie Ver­schaf­fung der Sa­che be­schrän­ken, soll hin­ge­gen nicht die Her­stel­lung der Sa­che um­fas­sen. Bei der Er­fül­lung der Ver­schaf­fungs­pflicht be­dient sich der Ver­käu­fer nicht des Her­stel­lers, die Her­stel­lung der Sa­che ist nicht in den Pflich­ten­kreis des Ver­käu­fers ein­be­zo­gen. Der Wa­ren­her­stel­ler ist des­halb eben­so we­nig Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Ver­käu­fers, wie nach bis­he­ri­gem Recht der Her­stel­ler von Bau­ma­te­ria­li­en Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Werk­un­ter­neh­mers ist, der sol­che Ma­te­ria­li­en bei der Her­stel­lung des ge­schul­de­ten Werks ver­wen­det (BGH, Urt. v. 09.02.1978 – VII ZR 84/77, NJW 1978, 1157).“

[33]   3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts wä­re der Be­klag­ten das Ver­schul­den der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin auch dann nicht nach § 278 BGB zu­zu­rech­nen, wenn der Ver­trag zwi­schen den Par­tei­en nicht als Kauf­ver­trag, son­dern als Werk­lie­fe­rungs­ver­trag ein­zu­ord­nen wä­re. Denn auch auf ei­nen Werk­lie­fe­rungs­ver­trag fin­det Kauf­recht An­wen­dung (§ 651 Satz 1 BGB).

[34]   Der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts, dass der Be­klag­ten das Ver­schul­den der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin nach § 278 BGB zu­zu­rech­nen sei, weil der Werk­lie­fe­rungs­ver­trag in­so­weit dem Werk­ver­trag gleich­zu­stel­len sei (eben­so Wäl­ter­mann/Kluth, ZGS 2006, 296, 304), kann nicht ge­folgt wer­den. Der Se­nat hat be­reits vor der Schuld­rechts­re­form den Grund­satz, dass sich der Ver­käu­fer sei­nes Vor­lie­fe­ran­ten nicht als Er­fül­lungs­ge­hil­fen be­dient, ent­spre­chend gel­ten las­sen, wenn der Werk­lie­fe­rer ei­ner ver­tret­ba­ren Sa­che die­se durch ei­nen Drit­ten hat­te be­ar­bei­ten las­sen (Se­nat, Urt. v. 21.06.1967 – VI­II ZR 26/65, BGHZ 48, 118, 121 f.;). Nach der durch die Schuld­rechts­re­form voll­zo­ge­nen ge­setz­li­chen Gleich­stel­lung des Werk­lie­fe­rungs­ver­trags mit dem Kauf­ver­trag (§ 651 Satz 1 BGB) gilt dies erst recht.

[35]   a) Das Be­ru­fungs­ge­richt meint, für die Ver­schul­dens­zu­rech­nung ei­nes Drit­ten kön­ne es nicht dar­auf an­kom­men, ob es sich bei dem zu­grun­de lie­gen­den Ver­trag um ei­nen Werk­ver­trag oder – wie hier – um ei­nen Werk­lie­fe­rungs­ver­trag han­de­le. Da den Werk­lie­fe­rer eben­falls ei­ne Pflicht zur Her­stel­lung der Sa­che tref­fe, sei­en Drit­te, so­weit sie zur Her­stel­lung not­wen­di­ge Leis­tun­gen er­bräch­ten, un­ge­ach­tet des Ver­trags­typs – Werk- oder Werk­lie­fe­rungs­ver­trag – als Er­fül­lungs­ge­hil­fen an­zu­se­hen.

[36]   Dem steht die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 651 BGB ent­ge­gen, die für den Werk­lie­fe­rungs­ver­trag nicht auf das Werk­ver­trags­recht, son­dern – an­ders als vor der Schuld­rechts­re­form – un­ein­ge­schränkt auf das Kauf­recht ver­weist. Grund da­für ist die mit der Ein­füh­rung des kauf­recht­li­chen Nach­bes­se­rungs­an-spruchs voll­zo­ge­ne An­glei­chung der Haf­tung für Sach­män­gel beim Werk­ver­trag und beim Kauf­ver­trag, die das Be­dürf­nis nach ei­nem ge­son­der­ten Ty­pus des Werk­lie­fe­rungs­ver­trags ent­fal­len lässt und es recht­fer­tigt, auch Ver­trä­ge mit ei­ner Her­stel­lungs­ver­pflich­tung dem Kauf­recht zu un­ter­stel­len (BT-Drs. 14/6040, S. 268).

[37]   Da­von ab­ge­se­hen hat das Be­ru­fungs­ge­richt aus dem Blick ver­lo­ren, dass es im Ver­hält­nis zwi­schen den Bau­her­ren und dem Klä­ger ei­ner­seits und zwi­schen dem Klä­ger und der Be­klag­ten an­de­rer­seits um un­ter­schied­li­che An­spruchs­grund­la­gen geht. Ge­gen­über den Bau­her­ren ist der Klä­ger zum Aus­bau der man­gel­haf­ten und zum Ein­bau man­gel­frei­er Alu­mi­ni­um-Au­ßen­scha­len un­ter dem Ge­sichts­punkt der werk­ver­trag­li­chen Nach­er­fül­lung ver­pflich­tet (§ 634 Nr. 1, § 635 BGB), nicht da­ge­gen un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes An­spruchs der Bau­her­ren auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung (§ 634 Nr. 4, §§ 636, 280 I, III, 281 BGB). Ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung steht den Bau­her­ren ge­gen­über dem Klä­ger we­gen der man­gel­haf­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fi­le eben­so we­nig zu wie dem Klä­ger ge­gen­über der Be­klag­ten. Denn der Klä­ger hat als Werk­un­ter­neh­mer ge­gen­über den Bau­her­ren für ein Ver­schul­den sei­nes Lie­fe­ran­ten – sei es der Be­klag­ten oder der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin – eben­so we­nig nach § 278 BGB ein­zu­ste­hen wie der Be­klag­ten ge­gen­über dem Klä­ger das Ver­schul­den der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin nach § 278 BGB zu­zu­rech­nen ist. Nach der Recht­spre­chung des BGH, auf die auch die Ge­set­zes­be­grün­dung zur Schuld­rechts­re­form ver­weist, ist ein Lie­fe­rant, der ei­nen Werk­un­ter­neh­mer mit von die­sem zu be­schaf­fen­den Aus­stat­tungs­ge­gen­stän­den für ein Bau­vor­ha­ben be­lie­fert, im Ver­hält­nis zum Auf­trag­ge­ber nicht Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Werk­un­ter­neh­mers; für Feh­ler der ge­lie­fer­ten Sa­chen auf­grund ei­nes Ver­schul­dens des Lie­fe­ran­ten hat der Werk­un­ter­neh­mer da­her nicht ein­zu­ste­hen (BGH, Urt. v. 22.02.1962 – VII ZR 205/60, ju­ris Rn. 18; Urt. v. 09.02.1978 – VII ZR 84/77, NJW 1978, 1157; BT-Drs. 14/6040, S. 210).

[38]   4. Schließ­lich steht dem Klä­ger, wie das Be­ru­fungs­ge­richt im Er­geb­nis rich­tig ge­se­hen hat, auch kein An­spruch ge­gen die Be­klag­te aus der Be­stim­mung über den Re­gress beim Ver­brauchs­gü­ter­kauf zu (§ 478 II BGB). Denn der Ver­trag zwi­schen den Bau­her­ren und dem Klä­ger über die Her­stel­lung und den Ein­bau von Holz-Alu­mi­ni­um-Fens­tern in den Ein­fa­mi­li­en­haus-Neu­bau der Bau­her­ren ist nicht, wie die Re­vi­si­on meint, ein Kauf- oder Werk­lie­fe­rungs­ver­trag mit Mon­ta­ge­ver­pflich­tung, son­dern ein Werk­ver­trag (vgl. BGH, Urt. v. 07.03.2013 – VII ZR 119/10, NJW 2013, 1528 Rn. 1, 8 ff.; Urt. v. 24.09.1962 – VII ZR 52/61, ju­ris Rn. 9 ff., je­weils zu ei­nem VOB-Ver­trag über den Ein­bau von Tü­ren und Fens­tern; vgl. auch Se­nat, Beschl. v. 16.04.2013 – VI­II ZR 375/11, ju­ris Rn. 8; Se­nat, Urt. v. 17.10.2012 – VI­II ZR 226/11, BGHZ 195, 135 Rn. 11 zur Lie­fe­rung und Ver­le­gung von Par­kett­stä­ben). Das Vor­brin­gen des Klä­gers in der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung recht­fer­tigt kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung.

[39]   III. Da die Re­vi­si­on be­grün­det ist, ist das Be­ru­fungs­ur­teil auf­zu­he­ben (§ 562 I ZPO). Der Se­nat ent­schei­det in der Sa­che selbst, weil kei­ne wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zu tref­fen sind (§ 563 I und III ZPO).

[40]   Die Kla­ge ist ab­zu­wei­sen. Dem Klä­ger steht ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz we­gen der von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten, von der Ne­benin­ter­ve­ni­en­tin feh­ler­haft be­schich­te­ten Alu­mi­ni­um­pro­fi­le nicht zu, weil die Be­klag­te den Man­gel nicht zu ver­tre­ten hat (§ 280 I 2 BGB).

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