1. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens hat auch dann kei­nen An­spruch aus § 823 I BGB we­gen der Be­schä­di­gung frem­den Ei­gen­tums ge­gen die – nicht Par­tei des Kauf­ver­trags ge­wor­de­ne – Volks­wa­gen AG, wenn das Fahr­zeug mit Blick dar­auf, dass dar­in ei­ne die Schad­stoff­emis­sio­nen ma­ni­pu­lie­ren­de Soft­ware zum Ein­satz kommt, man­gel­haft ist. Denn ein An­spruch aus § 823 I BGB be­steht nicht, wenn der gel­tend ge­mach­te Scha­den le­dig­lich den auf der Man­gel­haf­tig­keit be­ru­hen­den Un­wert der Sa­che für das Nut­zungs- und Äqui­va­lenzin­ter­es­se des Er­wer­bers aus­drückt. Viel­mehr kommt ein An­spruch aus § 823 I BGB nur in Be­tracht, wenn der gel­tend ge­mach­te Scha­den nicht stoff­gleich mit dem der Sa­che von An­fang an an­haf­ten­den Man­gel­un­wert ist.
  2. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens kann nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, er ha­be durch Zah­lung des Kauf­prei­ses für das Fahr­zeug ei­nen Ver­mö­gens­scha­den er­lit­ten, für den die – nicht am Kauf­ver­trag be­tei­lig­te – Volks­wa­gen AG ge­mäß § 823 II BGB i. V. mit § 263 I StGB haf­te. Denn ei­ne Be­rei­che­rungs­ab­sicht i. S. des § 263 I StGB ist nur ge­ge­ben, wenn es dem Tä­ter auf die Er­lan­gung ei­nes dem Ver­mö­gens­scha­den des Ge­täusch­ten ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­vor­teils, auf den er kei­nen An­spruch hat, an­kommt. Die Volks­wa­gen AG hat in­des nicht (auch) die durch Zah­lung des Kauf­prei­ses güns­ti­ge­re Ge­stal­tung der Ver­mö­gens­la­ge des Kfz-Ver­käu­fers, son­dern (nur) die Ver­äu­ße­rung ei­nes Fahr­zeugs an die­sen er­strebt.
  3. Die Volks­wa­gen AG hat den Käu­fern ih­rer vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge nicht in ei­ner ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­sto­ßen­den Wei­se vor­sätz­lich Scha­den zu­fügt. Sie hat den Käu­fern ins­be­son­de­re nicht vor­ge­spie­gelt, dass die Fahr­zeu­ge beim re­gu­lä­ren Be­trieb im Stra­ßen­ver­kehr die ein­schlä­gi­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te ein­hiel­ten. Dar­über hin­aus fehlt es an ei­nem Ver­mö­gens­scha­den i. S. des § 826 BGB, weil vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ne Fahr­zeu­ge oh­ne je­de Ein­schrän­kung im Stra­ßen­ver­kehr ver­wen­det wer­den kön­nen und ei­ne mög­li­che Min­de­rung des Ver­kaufs­wer­tes al­len­falls dann ei­nen Scha­den des Käu­fers dar­stellt, wenn das Fahr­zeug tat­säch­lich ver­kauft wer­den soll.

LG Braun­schweig, Ur­teil vom 29.12.2016 – 1 O 2084/15 (249)

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin be­gehrt un­ter dem Ge­sichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kfz-Kauf­ver­tra­ges.

Sie kauf­te mit Kauf­ver­trag vom 27.07.2010 von ei­nem Ver­trags­händ­ler der be­klag­ten Volks­wa­gen AG ei­nen Pkw. Das Fahr­zeug wur­de ihr zu­sam­men mit ei­ner EG-Über­ein­stim­mungs­be­schei­ni­gung (COC) vom 08.11.2010 über­ge­ben und am 14.12.2010 auf sie zu­ge­las­sen.

Es ist mit ei­nem Die­sel­mo­tor vom Typ EA189 aus­ge­stat­tet und des­halb vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen. Das heißt, dass in dem Pkw ei­ne Soft­ware zum Ein­satz kommt, die er­kennt, ob das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert, und (nur) in die­sem Fall ei­ne Ver­rin­ge­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes – ins­be­son­de­re des Stick­oxid­aus­sto­ßes – be­wirkt. Dem­zu­fol­ge sind die Stick­oxid­emis­sio­nen beim re­gu­lä­ren Be­trieb des Fahr­zeugs im Stra­ßen­ver­kehr deut­lich hö­her als wäh­rend ei­nes Emis­si­ons­tests. Dies leg­te die Be­klag­te we­der bei Er­lan­gung der EG-Typ­ge­neh­mi­gung für das Fahr­zeug noch bei des­sen – auch steu­er­lich re­le­van­ten – Ein­stu­fung in die Emis­si­ons­klas­se „Eu­ro 5“ of­fen. Die Be­klag­te wies auch in der Wer­bung für das Fahr­zeug nicht auf die den Schad­stoff­aus­stoß ma­ni­pu­lie­ren­de Soft­ware hin, ob­wohl die­se Ein­fluss auf die Zu­las­sungs­fä­hig­keit des Fahr­zeugs hat. Erst im Sep­tem­ber 2015 räum­te die Be­klag­te in Deutsch­land Ma­ni­pu­la­tio­nen ein.

Wel­che kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen die­se Ma­ni­pu­la­tio­nen auf das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ha­ben, ist strei­tig. Ei­ne tech­ni­sche Über­ar­bei­tung des Fahr­zeugs durch die Be­klag­te hat bis­lang nicht statt­ge­fun­den; gleich­wohl hat das Kraft­fahrt-Bun­des­amt des­sen EG-Typ­ge­neh­mi­gung bis­her nicht wi­der­ru­fen.

Die Klä­ge­rin meint, ihr Fahr­zeug sei man­gel­haft, weil es mit ei­ner Soft­ware zur Be­ein­flus­sung des Ab­gas­ver­hal­tens aus­ge­stat­tet sei. Sie be­haup­tet, sie ha­be ge­zielt ein um­welt­freund­li­ches Kraft­fahr­zeug er­wer­ben wol­len; die Um­welt­freund­lich­keit sei beim Ver­kaufs­ge­spräch ein zen­tra­ler und im Er­geb­nis kauf­ent­schei­den­de Punkt ge­we­sen. Dass die Be­klag­te das Fahr­zeug­mo­dell im In­ter­net und in Pro­spek­te de­zi­diert als we­gen ge­rin­ger Schad­stoff­emis­sio­nen um­welt­freund­lich („sau­be­rer Die­sel“) be­wer­be, ha­be ih­ren – der Klä­ge­rin – Kauf­ent­schluss we­sent­lich be­ein­flusst.

Die Klä­ge­rin be­haup­tet wei­ter, dass die Vor­stands­mit­glie­der der Be­klag­ten, die im Amt ge­we­sen sei­en, als sie – die Klä­ge­rin – das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug er­wor­ben ha­be, von den Ma­ni­pu­la­tio­nen ge­wusst hät­ten. Je­den­falls aber hät­ten sie ih­re Au­gen da­vor ver­schlos­sen, dass EA189-Mo­to­ren die Eu­ro-5- und Eu­ro-6-Emis­si­ons­grenz­wer­te nur ein­hal­ten könn­ten, wenn der Schad­stoff­aus­stoß ma­ni­pu­liert wer­de. Dies sei auch dem der­zei­ti­gen Vor­stand der Be­klag­ten be­kannt.

Die von der Be­klag­ten be­ab­sich­tig­te tech­ni­sche Über­ar­bei­tung der vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge – so be­haup­tet die Klä­ge­rin – ge­he mit nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen un­ter an­de­rem auf die die Mo­tor­leis­tung, den Kraft­stoff­ver­brauch und den Schad­stoff­aus­stoß ein­her. Au­ßer­dem blei­be trotz Nach­bes­se­rung der Ver­kaufs­wert der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge ge­min­dert.

Die Klä­ge­rin ist der An­sicht, sie ha­be aus ei­ner von der Be­klag­ten ge­währ­ten Neu­wa­gen­ga­ran­tie An­sprü­che ge­gen die Be­klag­te. Wei­ter meint sie, dass be­reits der Er­werb des – aus ih­rer Sicht – man­gel­haf­te­ten Pkw ei­ne Ei­gen­tums­ver­let­zung sei, da die Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware nicht oh­ne Nach­tei­le für den ge­sam­ten Mo­tor be­sei­tigt wer­den kön­ne. Dar­über hin­aus ha­be sie – die Klä­ge­rin v durch den Er­werb ei­nes man­gel­haf­ten Fahr­zeugs ei­nen Scha­den er­lit­ten, so­dass sie mit Er­folg die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges ver­lan­gen kön­ne. Die­ser An­spruch er­ge­be sich auch aus § 823 II BGB i. V. mit § 263 StGB und § 826 BGB.

Die Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: 1. Die Klä­ge­rin hat kei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug um Zug ge­gen Her­aus­ga­be des Fahr­zeu­ges aus § 443 I BGB we­gen ei­ner vor der Be­klag­ten ab­ge­ge­be­nen Ga­ran­tie be­tref­fend die Um­welt­ver­träg­lich­keit des Fahr­zeugs.

Die Klä­ge­rin hat nicht dar­ge­legt, dass die Be­klag­te als Her­stel­le­rin ei­ne (ei­gen­stän­di­ge) Ga­ran­tie­er­klä­rung i. S. des § 443 I BGB ab­ge­ge­ben hat. Vor­aus­set­zung der Ga­ran­tie ge­mäß § 443 BGB ist ein Ga­ran­tie­ver­trag, der durch ei­ne Ga­ran­tie­er­klä­rung des Ga­ran­tie­ge­bers und de­ren An­nah­me durch den Ga­ran­ti­en­eh­mer zu­stan­de kommt. Da­bei be­grün­det ein­schlä­gi­ge Wer­bung al­lein kei­ne Ga­ran­tie; er­for­der­lich ist ei­ne Ga­ran­tie­er­klä­rung, al­so ei­ne auf den Ab­schluss ei­ner ei­gen­stän­di­gen Ga­ran­tie ge­rich­te­te ab­ge­ge­be­ne Wil­lens­er­klä­rung des Ga­ran­tie­ge­bers (Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 76. Aufl., § 443 Rn. 5 f.). Ob ein rechts­ver­bind­li­ches An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ga­ran­tie­ver­tra­ges vor­liegt, ist durch Aus­le­gung ge­mäß §§ 133, 157 BGB zu er­mit­teln. Die Klä­ge­rin hat nicht schlüs­sig dar­ge­legt, dass die Be­klag­te über all­ge­mei­ne, zum Kauf auf­for­dern­de Wer­bung hin­aus rechts­ver­bind­lich ein Ga­ran­tie­an­ge­bot … ins­be­son­de­re da­hin ab­ge­ge­ben hat, dass sich die Be­klag­te un­ab­hän­gig von kauf­ver­trag­li­chen An­sprü­chen der Klä­ge­rin ge­gen den Ver­käu­fer bei Nicht­ein­hal­tung der vor­ge­schrie­be­nen Ab­gas­wer­te zur Rück­ab­wick­lung (bzw. zur Über­nah­me der ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung zur Kauf­preis­zah­lung aus ei­nem Ge­braucht­fahr­zeug­kauf) ver­pflich­tet.

2. Die Klä­ge­rin hat auch kein an­der­wei­ti­ges, als Grund­la­ge ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spru­ches ge­mäß §§ 280 I und III, 281 I BGB in Be­tracht kom­men­des Schuld­ver­hält­nis dar­ge­legt, eben­falls nicht die Vor­aus­set­zun­gen der qua­si­ver­trag­li­chen Haf­tung aus §§ 280 I, 311 III BGB.

Ein ei­ge­nes un­mit­tel­ba­res wirt­schaft­li­ches In­ter­es­se der Be­klag­ten bei ei­nem Fahr­zeu­ger­werb der Klä­ge­rin über den Ver­trags­händ­ler der Be­klag­ten be­steht nicht. Gleich­falls hat die Klä­ge­rin nicht vor­ge­tra­gen, in be­son­de­rem Maß Ver­trau­en in die Be­klag­te bzw. ei­nen ih­rer Er­fül­lungs­ge­hil­fen ge­setzt zu ha­ben da­hin, dass die Prüf­zy­klen be­tref­fend die Er­rei­chung der Eu­ro-5-Norm oh­ne Ver­wen­dung ei­ner ma­ni­pu­lie­ren­den Soft­ware durch­ge­führt wer­den.

So­weit schließ­lich An­sprü­che un­ter dem Ge­sichts­punkt der Pro­spekt­haf­tung in Be­tracht ge­zo­gen wer­den könn­ten, ist – un­ab­hän­gig von der Fra­ge, ob die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der An­ga­ben zum Fahr­zeug und zur Eu­ro-5-Norm auch ei­ne Auf­klä­rung über den Ein­satz der ver­wen­de­ten Soft­ware bei der Durch­füh­rung der Test­zy­klen er­for­dert hät­te –, nicht dar­ge­legt, dass die Kauf­ent­schei­dung der Klä­ge­rin auf der Ver­wen­dung ei­nes ent­spre­chen­den Pro­spekts der Be­klag­ten be­ruh­te.

3. Die Klä­ge­rin hat kei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz ge­mäß § 823 I BGB. Un­ab­hän­gig da­von, ob der Pkw in­fol­ge der Soft­ware man­gel­haft ist, liegt ei­ne Ei­gen­tums­ver­let­zung durch den An­kauf des Pkw nicht vor. Der Er­werb ei­ner man­gel­haf­ten Sa­che selbst stellt kei­ne Ei­gen­tums­ver­let­zung dar (Pa­landt/Sprau, BGB, 75. Aufl., § 823 Rn. 178); gleich­falls liegt kein Fall ei­nes ei­ne de­lik­ti­sche Haf­tung aus­lö­sen­den „wei­ter­fres­sen­den Scha­dens“ vor; die ein­ge­bau­te Soft­ware ist nicht ge­eig­net, den Pkw zu zer­stö­ren oder zu be­schä­di­gen.

Die Vor­aus­set­zung der Haf­tung nach § 823 I BGB setzt vor­aus, dass das In­te­gri­täts­in­ter­es­se und das Nut­zungs- und Äqui­va­lenzin­ter­es­se nicht „stoff­gleich“ sind, denn das De­liktsrecht schützt nicht das In­ter­es­se an der ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­trags­er­fül­lung (BGH, Urt. v. 28.10.2010 – VII ZR 172/09, NJW 2011, 594 Rn. 26); ei­ne Haf­tung nach § 823 I BGB ent­fällt da­her, wenn das ein­ge­bau­te feh­ler­haf­te Teil le­dig­lich zu ei­ner Funk­ti­ons­stö­rung der Ge­samt­sa­che führt (BGH, Urt. v. 12.02.1992 – VI­II ZR 276/90, BGHZ 117, 183).

Dass die Soft­ware da­zu führt, dass der Pkw be­schä­digt oder zer­stört wird, ist von der Klä­ge­rin nicht dar­ge­tan und nicht er­sicht­lich, gleich­falls nicht, dass dies durch ei­nen et­wai­gen Aus­tausch der Soft­ware ein­tritt. Die Klä­ge­rin hat auch ei­ne kon­kre­te, durch die im Pkw ver­wen­de­te Soft­ware ver­ur­sach­te Be­schä­di­gung der Ge­sund­heit nicht dar­ge­legt.

4. Die Klä­ge­rin hat ge­gen Be­klag­te kei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 823 II BGB i. V. mit § 263 I StGB.

Die Klä­ge­rin hat ei­ne Ab­sicht rechts­wid­ri­ger Be­rei­che­rung der Be­klag­ten nicht dar­ge­legt.

Be­rei­che­rungs­ab­sicht setzt vor­aus, dass die Tat sub­jek­tiv auf die Er­lan­gung ei­nes rechts­wid­ri­gen Ver­mö­gens­vor­teils für den Täu­schen­den oder ei­nen Drit­ten ge­rich­tet ist; da­bei muss der Vor­teil die Kehr­sei­te des Scha­dens und ihm „stoff­gleich“ sein, er muss un­mit­tel­ba­re Fol­ge der täu­schungs­be­ding­ten Ver­fü­gun­gen sein, die den Scha­den des Op­fers her­bei­führt; maß­geb­lich ist die Un­mit­tel­bar­keit der Ver­schie­bung (Fi­scher, StGB, 63. Aufl., § 263 Rn. 187 m. w. Nachw.). Dem Tä­ter muss es dar­auf an­kom­men, sich oder ei­nem Drit­ten ei­nen Ver­mö­gens­vor­teil zu ver­schaf­fen; an der er­for­der­li­chen Ab­sicht fehlt es, wenn der Tä­ter die Vor­teil­s­er­lan­gung nur als not­wen­di­ge Fol­ge ei­nes an­de­ren Zwecks in Kauf nimmt (Fi­scher, a. a. O., § 263 Rn. 190 m. w. Nachw.).

Vor­lie­gend er­scheint be­reits frag­lich, ob es der Be­klag­ten bei der Ver­wen­dung der ein­ge­bau­ten Soft­ware um ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil durch die Re­du­zie­rung an­sons­ten er­for­der­li­cher Ent­wick­lungs- und Pro­duk­ti­ons­kos­ten ging. So­weit die Klä­ge­rin ei­nen Scha­den durch den Ver­trags­schluss mit dem Ver­trags­händ­ler und die Be­las­tung mit der Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Kauf­prei­ses gel­tend macht, fehlt es an der Un­mit­tel­bar­keit der Ver­mö­gens­ver­schie­bung. Der Ver­trags­schluss mit dem Ver­trags­händ­ler stellt in­so­weit die mit­tel­ba­re Fol­ge der von der Be­klag­ten pri­mär be­ab­sich­tig­ten (un­mit­tel­ba­ren) Ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs an den Ver­trags­händ­ler dar.

5. Gleich­falls schei­det man­gels Vor­lie­gens ei­nes Schutz­ge­set­zes Scha­dens­er­satz we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das UWG aus; § 3 UWG und § 16 UWG sind kei­ne Schutz­ge­set­ze i. S. des § 823 II BGB (Pa­landt/Sprau, a. a. O., § 823 Rn. 72 m. w. Nachw.).

6. Die Klä­ge­rin hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz aus § 826 BGB.

a) So­weit die Klä­ge­rin zur Be­grün­dung gel­tend macht, die Be­klag­te ha­be sie über die Um­welt­ver­träg­lich­keit des ge­kauf­ten Fahr­zeugs ge­täuscht, be­grün­det dies kei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch. Ei­ne da­hin ge­hen­de Täu­schung der Be­klag­ten liegt nicht vor. Die Be­klag­te hat als Her­stel­le­rin des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs le­dig­lich da­mit ge­wor­ben, dass die­ses Fahr­zeug­mo­dell im Rah­men der Er­lan­gung der Typ­ge­neh­mi­gung auf dem Rol­len­prüf­stand bei Ab­leis­tung des Eu­ro­päi­schen Fahr­zy­klus (NEFZ) die Grenz­wer­te der Eu­ro-5a-Norm in 2009 ein­ge­hal­ten hat. Wei­ter­ge­hen­de Ver­spre­chen da­hin ge­hend, dass die­se Grenz­wer­te, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Stick­oxid­wert, im Re­al­be­trieb nicht über­schrit­ten wer­den, sind nicht er­folgt. In­so­weit liegt ei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on zur Her­stel­ler­an­ga­be be­tref­fend den durch­schnitt­li­chen Kraft­stoff­ver­brauch vor. In­so­weit muss dem Käu­fer be­wusst sein, dass die an­ge­ge­be­nen Wer­te nicht im Re­al­be­trieb, son­dern un­ter de­fi­nier­ten, vom in­di­vi­du­el­len Re­al­be­trieb ab­wei­chen­den Test­be­din­gun­gen er­mit­telt wur­den, die pri­mär dar­auf ab­zie­len, ei­ne Ver­gleich­bar­keit der Test­ergeb­nis­se hin­sicht­lich der Viel­zahl von Tes­tun­gen und Fahr­zeug­ty­pen zu er­rei­chen und nicht den Re­al­be­trieb des ein­zel­nen Fahr­zeu­ges ab­zu­bil­den.

b) So­weit die Klä­ge­rin gel­tend macht, der Man­gel am Fahr­zeug be­ste­he in dem Vor­han­den­sein ei­ner mög­li­cher­wei­se un­zu­läs­si­gen Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware an sich bzw. in dem Ab­wei­chen des Schad­stoff­aus­sto­ßes im Re­al­be­trieb im Ver­gleich zum Prüf­stands­be­trieb, der Be­klag­ten sei vor­werf­bar, dass sie nicht of­fen­ge­legt ha­be, dass die Typ­ge­neh­mi­gung und die Ein­stu­fung in die Eu­ro-5a-Norm nur un­ter Ver­wen­dung der Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware er­reicht wur­den, so fehlt es je­den­falls an dem mit der Kla­ge­for­de­rung gel­tend ge­mach­ten Scha­den.

Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob die Klä­ge­rin, wenn sie im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses von der Ver­wen­dung der Soft­ware ge­wusst hät­te, das Fahr­zeug nicht er­wor­ben hät­te, weil für sie die Un­si­cher­heit be­stan­den hät­te, ob sie die Ge­gen­leis­tung für den Kauf­preis, näm­lich das Fahr­zeug, zu­künf­tig über­haupt hät­te nut­zen kön­nen bzw. un­ter wel­chen Be­din­gun­gen. Un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob es sich um ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­vor­rich­tung han­del­te, ist der Wi­der­ruf der Typ­ge­neh­mi­gung und der Zu­las­sung des Fahr­zeugs ak­tu­ell nicht zu be­fürch­ten. Ei­ne feh­len­de Nutz­bar­keit des Fahr­zeugs ist als Fol­ge der durch das Kraft­fahrt-Bun­des­amt an­ge­ord­ne­ten Rück­rufs der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge zwecks Nach­rüs­tung durch die Be­klag­te (der­zeit) nicht ge­ge­ben mit der Fol­ge, dass der mit der Kla­ge gel­tend ge­mach­te Ver­mö­gens­scha­den durch Ein­ge­hung ei­ner ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Kauf­prei­ses im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung nicht mehr be­steht. Bei ei­ner Be­trach­tung der Ver­mö­gens­si­tua­ti­on der Klä­ge­rin im Sin­ne der Dif­fe­renz­me­tho­de (BGH, Urt. v. 03.07.1984 – VI ZR 264/82) er­gibt sich, dass die­se vor dem Ver­trags­schluss ein Ver­mö­gen in Hö­he des Kauf­prei­ses hat­te und nun­mehr das Fahr­zeug in ent­spre­chen­dem Wert (un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Wert­ver­lus­tes und der ge­zo­ge­nen bzw. nicht ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen) be­sitzt.

c) So­weit ein Ver­mö­gens­ver­lust durch ei­nen ge­rin­ge­ren Wie­der­ver­kaufs­wert des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs we­gen der Ver­wen­dung der Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware oder nach Ent­fer­nen der­sel­ben auf­grund der Un­si­cher­hei­ten hin­sicht­lich Mo­tor­leis­tung/Kraft­stoff­ver­brauch/Emis­sio­nen/Le­bens­dau­er denk­bar ist, ist ein ent­spre­chen­der Scha­den man­gels Ver­kaufs bis­lang nicht ein­ge­tre­ten. Die Klä­ge­rin hat auch kei­ne kon­kre­te Ver­kaufs­ab­sicht vor­ge­tra­gen hat. Im Fal­le der Nut­zung des Fahr­zeu­ges bis zu des­sen Ver­schrot­tung (Un­fall, Al­ter) wür­de sich ein sol­cher Scha­den aber nicht rea­li­sie­ren.

Ein vom Leis­tungs­an­trag auf Zah­lung durch Um­deu­tung ge­ge­be­nen­falls mit­er­fass­ter Fest­stel­lungs­an­trag (BGH, Urt. v. 31.01.1984 – VI ZR 150/82) im Hin­blick auf den ge­ge­be­nen­falls bei Wei­ter­ver­kauf ein­tre­ten­den Ver­mö­gens­ver­lust un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses im Hin­blick auf die Ver­jäh­rungs­pro­ble­ma­tik war nicht zu­zu­spre­chen, da ei­ne Ver­kaufs­ab­sicht nicht dar­ge­tan ist und in­so­weit der Zah­lungs­an­trag nicht in ei­nen sol­chen Fest­stel­lungs­an­trag um­ge­deu­tet wer­den kann.

d) Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch er­gibt sich auch nicht, so­weit die Klä­ge­rin gel­tend macht, im Fal­le der De­ak­ti­vie­rung der Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware sei ein er­höh­ter Ver­brauch bzw. ein Leis­tungs­ein­bruch zu be­fürch­ten. Ein al­lein all­ge­mein dro­hen­der Scha­den­s­ein­tritt be­grün­det noch kei­nen Scha­den. Auch in­so­weit la­gen – bei et­wai­ger ent­spre­chen­der Aus­le­gung des Kla­ge­an­trags – die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner kon­kre­ten Fest­stel­lung nicht vor.

e) Dass das Fahr­zeug selbst mit der Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware aus­ge­stat­tet ist, führt für sich al­lein be­trach­tet nicht zu ei­nem Ver­mö­gens­scha­den be­tref­fend die Ver­pflich­tung zur Kauf­preis­zah­lung. Zwar ist ein Scha­den nicht nur dann ge­ge­ben, wenn sich bei dem Ver­gleich der in­fol­ge des haf­tungs­be­grün­den­den Er­eig­nis­ses ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge mit der­je­ni­gen, die oh­ne je­nes Er­eig­nis ein­ge­tre­ten wä­re, ein rech­ne­ri­sches Mi­nus er­gibt, son­dern nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung des BGH auch dann, wenn die­se Dif­fe­renz­hy­po­the­se vor­der­grün­dig nicht zu ei­nem rech­ne­ri­schen Scha­den führt, die Be­ja­hung ei­nes Ver­mö­gens­scha­dens auf ei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lungs­grund­la­ge aber be­steht. Die Dif­fe­renz­hy­po­the­se ist stets ei­ner nor­ma­ti­ven Kon­trol­le zu un­ter­zie­hen, weil sie ei­ne wert­neu­tra­le Re­chen­ope­ra­ti­on dar­stellt. Da­bei ist ei­ner­seits das kon­kre­te haf­tungs­be­grün­den­de Er­eig­nis als Haf­tungs­grund­la­ge zu be­rück­sich­ti­gen. An­de­rer­seits ist die dar­auf be­ru­hen­de Ver­mö­gens­min­de­rung un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler maß­geb­li­chen Um­stän­de so­wie der Ver­kehrs­auf­fas­sung in die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen (BGH, Beschl. v. 09.07.1986 – GSZ 1/86). Da der Scha­dens­er­satz da­zu dient, den kon­kre­ten Nach­teil des Ge­schä­dig­ten aus­zu­glei­chen, ist der Scha­dens­be­griff im An­satz sub­jekt­be­zo­gen (BGH, Urt. v. 26.09.1997 – V ZR 29/96). Des­halb kann je­mand auch bei ob­jek­ti­ver Wert­hal­tig­keit von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung da­durch ei­nen Ver­mö­gens­scha­den er­lei­den, dass er durch ein haf­tungs­be­grün­den­des Ver­hal­ten zum Ab­schluss ei­nes Ver­tra­ges ge­bracht wor­den ist, den er sonst nicht ge­schlos­sen hät­te, und die Leis­tung für sei­ne Zwe­cke nicht voll brauch­bar ist. In­so­weit wä­re ein Scha­den des Käu­fers ei­nes Fahr­zeu­ges mit Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware durch­aus denk­bar, im kon­kre­ten Fall aber ab­zu­leh­nen, da die Klä­ge­rin auf­grund der Ent­schei­dung des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes das Fahr­zeug wei­ter­hin zu den mit dem Kauf­ver­trags­schluss be­ab­sich­tig­ten Zwe­cken, näm­lich der all­ge­mei­nen Nut­zung im Stra­ßen­ver­kehr, ver­wen­den kann.

Man­gels ei­nes Zah­lungs­an­spruchs war die Kla­ge auch we­gen der wei­ter gel­tend ge­mach­ten Zin­sen und der Fest­stel­lung ab­zu­wei­sen. …

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