1. Bei der durch die StV­ZO über­tra­ge­nen Tä­tig­keit übt der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr ho­heit­li­che Be­fug­nis­se aus.
  2. Be­geht er bei Aus­übung die­ser Tä­tig­keit ei­ne Amts­pflicht­ver­let­zun­gen, so haf­tet nicht der Tech­ni­sche Über­wa­chungs­ver­ein, der ihn an­ge­stellt hat. Es haf­tet viel­mehr das Land, das ihm die amt­li­chen An­er­ken­nung als Sach­ver­stän­di­ger er­teilt hat.

BGH, Ur­teil vom 30.11.1967 – VII ZR 34/65

Sach­ver­halt: Der Klä­ger kauf­te am 08.07.1958 von dem Me­cha­ni­ker M, der ei­nen Kfz-Han­del be­trieb, ei­nen Volks­wa­gen. Die­ses Fahr­zeug über­gab M, der auch die Zu­las­sung be­sorgt hat­te, dem Klä­ger zu­sam­men mit ei­nem da­für aus­ge­stell­ten Fahr­zeug­brief Nr. 9331854. In dem Brief war ver­merkt, dass das Fahr­zeug 1958 „aus Ori­gi­nal-VW-Tei­len auf­ge­baut“ wor­den sei; fer­ner war dar­in von dem In­ge­nieur F, der als amt­lich an­er­kann­ter Sach­ver­stän­di­ger bei dem be­klag­ten Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ein (TÜV) tä­tig war, un­ter dem 10.06.1958 be­schei­nigt wor­den, dass das Fahr­zeug den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­che und die An­ga­ben in Spal­te A (u. a. Be­schrei­bung und Num­mern des Fahr­ge­stells und des Mo­tors) rich­tig sei­en.

M, der ein ge­werbs­mä­ßi­ger Au­to­dieb war und im Lau­fe der Zeit mehr als 150 Fahr­zeu­ge ge­stoh­len hat, hat­te den von ihm an den Klä­ger ver­kauf­ten Volks­wa­gen in der Nacht vom 01.07. zum 02.07.1958 in Stutt­gart ge­stoh­len. Sei­ner Übung ent­spre­chend hat­te er die al­te Fahr­ge­stell­num­mer un­kennt­lich ge­macht, dar­über ein Me­tall­plätt­chen an­ge­bracht, auf die­sem Plätt­chen ei­ne von ihm er­fun­de­ne fal­sche Fahr­ge­stell­num­mer an­ge­bracht und die­se durch­ge­stri­chen. So­dann hat­te M ei­ne neue Fahr­ge­stell­num­mer als so­ge­nann­te Tech­ni­sche Prü­fungs­num­mer („TP-Num­mer“) ein­ge­schla­gen. Die­se Num­mer ist im Fahr­zeug­brief ein­ge­tra­gen. M ver­fälsch­te au­ßer­dem die Mo­tor­num­mer.

Im Ok­to­ber 1962 wur­de das Fahr­zeug po­li­zei­lich si­cher­ge­stellt. Der Klä­ger muss­te es der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft des Be­stoh­le­nen her­aus­ge­ben.

Er macht gel­tend, der Sach­ver­stän­di­ge F ha­be – wie auch in vie­len an­de­ren Fäl­len – mit M vor­sätz­lich zu­sam­men­ge­ar­bei­tet und be­wusst ei­ne fal­sche Be­schei­ni­gung aus­ge­stellt. Min­des­tens ha­be er fahr­läs­sig über­se­hen, dass die Num­mern des Fahr­ge­stells und des Mo­tors ver­fälscht wor­den sei­en und es sich über­haupt nicht um ein aus Ein­zel­tei­len zu­sam­men­ge­bau­tes Fahr­zeug ge­han­delt ha­be. Für das Ver­schul­den des F ha­be der Be­klag­te ein­zu­tre­ten.

Der Klä­ger hat 1.800 DM nebst Zin­sen als Scha­dens­er­satz ein­ge­klagt. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Im zwei­ten Rechts­zug ist das Land Ba­den-Würt­tem­berg dem Rechts­streit auf­sei­ten des Klä­gers bei­ge­tre­ten. Das Ober­lan­des­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr ist im vor­lie­gen­den Fall im Rah­men des § 21 StV­ZO tä­tig ge­wor­den, wo die Be­triebs­er­laub­nis für „Ein­zel­fahr­zeu­ge" ge­re­gelt ist. Nä­he­re Vor­schrif­ten über die amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen ent­hält die Kraft­fahrsach­ver­stän­di­gen­ver­ord­nung vom 10.11.1956 (KfSach­VO, BGBl. III 9231-2). Der be­klag­te TÜV hat die Ei­gen­schaft ei­ner „Tech­ni­schen Prüf­stel­le für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr“, bei der nach § 11 KfSach­VO die Sach­ver­stän­di­gen sei­nes Be­zirks zu­sam­men­ge­fasst sind. F steht in ei­nem An­stel­lungs­ver­hält­nis zu dem Be­klag­ten.

Nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts hat der Sach­ver­stän­di­ge hier im pri­vat­recht­li­chen Be­reich ge­han­delt und da­mit Pflich­ten er­füllt, die sei­nem Dienst­herrn, dem be­klag­ten TÜV, auf­grund bür­ger­lich-recht­li­chen Ver­trags ob­la­gen. Ei­nen sol­chen Ver­trag soll hier M mit dem Be­klag­ten ge­schlos­sen ha­ben. Er hat da­bei nach den Aus­füh­run­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ent­we­der als Ver­tre­ter des Klä­gers ge­han­delt oder aber – im ei­ge­nen Na­men auf­tre­tend – An­sprü­che des Klä­gers auf sorg­fäl­ti­ge Prü­fung durch ei­nen Ver­trag mit Schutz­wir­kung zu­guns­ten Drit­ten be­grün­det.

Ob die amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr oder auch die Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ei­ne auf­grund pri­vat­recht­li­cher Ver­trä­ge tä­tig wer­den oder ob sie ho­heit­li­che Ver­wal­tung aus­üben, ist um­strit­ten. Die An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts, der TÜV han­de­le im pri­vat­recht­li­chen Be­reich, wird im Schrift­tum viel­fach ver­tre­ten (Forst­hoff, Lehr­buch des Ver­wal­tungs­rechts I, 9. Aufl., S. 458 Fn. 3; ders., in: Gut­ach­ten über die recht­li­che Stel­lung der Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ei­ne, 2. Aufl., S. 7 ff.; Mül­ler,, ibd., S. 29 ff.; Sie­bert, Rechts­stel­lung und Haf­tung der Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ei­ne im Kraft­fahr­zeug­prü­fungs­we­sen, 1957; Her­schel, Frei­er Be­ruf und Ar­beits­ver­hält­nis, 1964, S. 55; Wolff, Ver­wal­tungs­recht II, 2. Aufl., § 104 Ib).

Der BGH hat die­se Fra­ge in den Ur­tei­len BGHZ 18, 110 (BGH, Urt. v. 11.07.1955 – III ZR 178/53, BGHZ 18, 110) und III ZR 58/56 vom 27.06.1957 (BGH, Urt. v. 27.06.1957 – III ZR 58/56) of­fen­ge­las­sen. Sie ist auch im Ur­teil BGHZ 25, 266 (BGH, Urt. v. 30.09.1957 – III ZR 261/54, BGHZ 25, 266), in dem bei­läu­fig von „öf­fent­lich-recht­li­chen Kom­pe­ten­zen“ ei­nes TÜV die Re­de ist, nicht ent­schie­den.

Ent­schei­dun­gen an­de­rer Ge­rich­te ha­ben der Tä­tig­keit der amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen ho­heit­li­che Na­tur zu­ge­schrie­ben (VG Bre­men, ADAC-Mit­tei­lun­gen 1951 Nr. 109; OLG Cel­le, Urt. v. 09.02.1953 – 5 U 56/51, MDR 1953, 676; OVG Müns­ter, Beschl. v. 22.06.1954 – VII B 172/54, NJW 1954, 1663; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 17.01.1957 – 1 U 197/56, DAR 1957, 353; OLG Ham­burg, Beschl. v. 30.12.1958 – 7 W 92/58, VersR 1960, 563; LG Ber­lin, Urt. v. 28.04.1967 – 53 S 229/66, NJW 1967, 1663). Hier­mit stim­men auch ver­schie­de­ne Schrift­stel­ler über­ein, die die Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ei­ne als mit ho­heit­li­chen Be­fug­nis­sen be­lie­he­ne Un­ter­neh­mer an­se­hen (Hu­ber, Wirt­schafts-Ver­wal­tungs­recht II, 2. Aufl., S. 800 f.; Hel­lin­g­rath, DAR 1952, 30; Rupp, Pri­vat­ei­gen­tum an Staats­funk­tio­nen?, S. 19 f.).

Auch der er­ken­nen­de Se­nat ist der An­sicht, dass der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge ho­heit­lich tä­tig wird.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der TÜV, in des­sen Dienst der Sach­ver­stän­di­ge steht, ein bür­ger­lich-recht­li­cher Ver­ein ist. Ent­schei­dend sind Art und Be­deu­tung der Tä­tig­keit des Sach­ver­stän­di­gen. Sie spre­chen da­für, sei­ne Tä­tig­keit dem öf­fent­li­chen Recht zu­zu­rech­nen. Die­se dient ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be, der Si­che­rung des Stra­ßen­ver­kehrs vor Ge­fah­ren für die All­ge­mein­heit, und fin­det ih­re recht­li­che Grund­la­ge in öf­fent­lich-recht­li­chen Nor­men, den Be­stim­mun­gen der Stra­ßen­ver­kehrs-Zu­las­sungs-Ord­nung und der Kraft­fahrsach­ver­stän­di­gen­ord­nung. Zur Si­che­rung des Ver­kehrs ist in der Stra­ßen­ver­kehrs-Zu­las­sungs-Ord­nung die Er­tei­lung von ver­schie­den­ar­ti­gen Er­laub­nis­sen ge­re­gelt, so der Fahr­er­laub­nis für den Kraft­fah­rer und der Be­triebs­er­laub­nis für das Kraft­fahr­zeug. Er­teilt wer­den die­se Er­laub­nis­se von ei­ner Ver­wal­tungs­be­hör­de durch Ver­wal­tungs­akt. In die­se Tä­tig­keit der Ver­wal­tungs­be­hör­de ist der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge maß­geb­lich ein­ge­schal­tet. Er er­lässt zwar nicht selbst Ver­wal­tungs­ak­te, nimmt aber Prü­fun­gen vor und er­stat­tet Gut­ach­ten (vgl. z. B. §§ 10 I, 19 II, 20 II, 21 Satz 3 StV­ZO), die als be­deut­sa­mer Teil der dem Staat ob­lie­gen­den Über­wa­chung des Kraft­fahr­zeug­ver­kehrs und da­mit als staat­li­che Ver­wal­tungs­tä­tig­keit selbst er­schei­nen. Wenn der Sach­ver­stän­di­ge auch nicht selbst die Er­laub­nis zu er­tei­len oder zu ver­sa­gen hat, so ist die Ent­schei­dung hier­über doch prak­tisch ge­fal­len, wenn er sein Gut­ach­ten er­stat­tet, sei­ne Be­schei­ni­gung aus­ge­stellt oder ih­re Aus­stel­lung ab­ge­lehnt hat. Gibt zum Bei­spiel in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Be­triebs­er­laub­nis für Ein­zel­fahr­zeu­ge (§ 21 StV­ZO) der Sach­ver­stän­di­ge die nach Satz 3 der Vor­schrift er­for­der­li­che Be­schei­ni­gung nicht, so kann der Her­stel­ler des Fahr­zeugs die Be­triebs­er­laub­nis der Zu­las­sungs­stel­le nicht er­rei­chen.

Zu der Zeit, als M die Zu­las­sung be­an­trag­te, wur­de so­gar die Auf­fas­sung ver­tre­ten, daß die Zu­las­sungs­stel­le nach ei­nem dem Her­stel­ler (oder sons­ti­gen An­trag­stel­ler) güns­ti­gen Gut­ach­ten die Be­triebs­er­laub­nis er­tei­len müs­se (Sie­bert, a. a. O., S. 33; OLG Cel­le, Urt. v. 09.02.1953 – 5 U 56/51, MDR 1953, 676). Die­se An­sicht be­ruh­te al­ler­dings auf der frü­he­ren Fas­sung des § 19 I StV­ZO, wo es hieß:

„Die Be­triebs­er­laub­nis ist zu er­tei­len, wenn das Fahr­zeug den Vor­schrif­ten … nach dem Gut­ach­ten ei­nes amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr ent­spricht.“

In­zwi­schen sind die Wor­te „nach dem Gut­ach­ten ei­nes amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr“ durch Ver­ord­nung vom 07.07.1960 (BGBl. 1960 I, S. 485) ge­stri­chen wor­den. Da­mit ist klar­ge­stellt wor­den, dass ei­ne Bin­dung der Be­hör­de an ein dem An­trag­stel­ler güns­ti­ges Gut­ach­ten nicht be­steht (vgl. S. 23 der Be­grün­dung zu der Ver­ord­nung vom 07.07.1960, BR-Drs. 138/60). In der Pra­xis fällt aber auch in­so­weit die Ent­schei­dung durch das Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen.

Die Gut­ach­ter- und Prü­fertä­tig­keit des Sach­ver­stän­di­gen hängt da­nach mit der Er­tei­lung der Er­laub­nis durch die Ver­wal­tungs­be­hör­de aufs Engs­te zu­sam­men und bil­det ge­ra­de­zu ei­nen Be­stand­teil der von der Ver­wal­tungs­be­hör­de aus­ge­üb­ten und in ih­rem Ver­wal­tungs­akt sich nie­der­schla­gen­den ho­heit­li­chen Tä­tig­keit. Des­halb ist es be­rech­tigt zu sa­gen, dass der Sach­ver­stän­di­ge selbst ho­heit­li­che Tä­tig­keit aus­übt. Die­se ist ihm durch die Vor­schrif­ten der Stra­ßen­ver­kehrs-Zu­las­sungs-Ord­nung zu­ge­wie­sen. Da­mit er sie aus­üben kann, wird ihm von der zu­stän­di­gen Lan­des­be­hör­de die amt­li­che An­er­ken­nung er­teilt, die ihn be­rech­tigt, al­le im Stra­ßen­ver­kehrs­recht den amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men (§§ 1 II, 5 KfSach­VO).

Die Stel­lung des Sach­ver­stän­di­gen ist ver­gleich­bar mit der ei­nes Prüf­in­ge­nieurs für Bau­sta­tik. Des­sen Tä­tig­keit ist nach der Recht­spre­chung des BGH als ho­heit­lich an­zu­se­hen (BGH, Urt. v. 27.05.1963 – III ZR 48/62, BGHZ 39, 358), ob­schon auch er selbst kei­nen Ver­wal­tungs­akt setzt, son­dern nur ei­nen Teil der der Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de ob­lie­gen­den amt­li­chen Auf­ga­ben wahr­nimmt. Ge­wis­se Un­ter­schie­de zwi­schen dem amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr und den Prüf­in­ge­nieu­ren für Bau­sta­tik be­ste­hen zwar. In dem Ur­teil BGHZ 39, 358 ist aus­ge­führt, der Prüf­in­ge­nieur für Bau­sta­tik wer­de erst durch den ihm von der Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de je­weils er­teil­ten ein­zel­nen Prü­fungs­auf­trag in die ho­heit­li­che Ver­wal­tung ein­be­zo­gen und er­hal­te sei­ne Ver­gü­tung nach der Ge­büh­ren­ord­nung von die­ser Be­hör­de, die ih­rer­seits die Kos­ten der Prü­fung als Aus­la­ge vom Bau­herrn er­he­be. Die­se Be­son­der­hei­ten recht­fer­ti­gen es je­doch nicht, beim Prüf­in­ge­nieur ho­heit­li­che Tä­tig­keit zu be­ja­hen, sie aber beim amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr zu ver­nei­nen. Bei Letz­te­rem er­gibt sich die Ein­be­zie­hung in die ho­heit­li­che Ver­wal­tung schon aus den ihm be­stimm­te Auf­ga­ben zwin­gend zu­wei­sen­den Vor­schrif­ten der Stra­ßen­ver­kehrs-Zu­las­sungs-Ord­nung in Ver­bin­dung mit der Kraft­fahrsach­ver­stän­di­gen­ver­ord­nung, wäh­rend ei­ne Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de frei ent­schei­den kann, ob sie ei­nen Prüf­in­ge­nieur zu­zieht und wel­chen (§ 1 der Ver­ord­nung über die sta­ti­sche Prü­fung ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ger Bau­vor­ha­ben vom 22.08.1942, BGBl. III 213-9). Ein rechts­er­heb­li­cher Un­ter­schied ist nicht dar­in zu fin­den, dass der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge kei­ne Ver­gü­tung von der Ver­wal­tungs­be­hör­de er­hält, viel­mehr die Ge­bühr für sei­ne Tä­tig­keit von dem je­wei­li­gen An­trag­stel­ler an die Tech­ni­sche Prüf­stel­le (den TÜV) zu zah­len ist (§ 3 Satz 3 KfSach­VO). Letz­ten En­des wird in bei­den Fäl­len von dem An­trag­stel­ler ei­ne Ge­bühr da­für ein­ge­zo­gen, dass die Ver­wal­tungs­be­hör­de in sei­nem In­ter­es­se tä­tig wird und in die­se Tä­tig­keit ei­nen Sach­ver­stän­di­gen ein­schal­tet.

Der BGH hat auch in ei­nem wei­te­ren Fall, in dem die Un­ter­su­chung und Be­gut­ach­tung durch Sach­ver­stän­di­ge die „ent­schei­den­de Grund­la­ge“ für ei­nen be­hörd­li­chen Ver­wal­tungs­akt bil­den, die­ser Sach­ver­stän­di­gen­tä­tig­keit ho­heit­li­chen Cha­rak­ter bei­ge­mes­sen und bei Pflicht­ver­let­zun­gen im Rah­men die­ser Tä­tig­keit die Staats­haf­tung nach Art. 34 GG be­jaht; es han­delt sich um Ärz­te städ­ti­scher Kran­ken­an­stal­ten, die das Ver­sor­gungs­amt mit ei­ner ver­sor­gungs­ärzt­li­chen Un­ter­su­chung und Be­gut­ach­tung be­auf­tragt hat­te (BGH, Urt. v. 19.12.1960 – III ZR 194/59, LM Nr. 2 zu § 81 BVG).

II. Wird nach al­lem der Sach­ver­stän­di­ge ho­heit­lich und amt­lich tä­tig, so ist er Be­am­ter i. S. des § 839 BGB; zu­gleich han­delt er in Aus­übung ei­nes ihm an­ver­trau­ten öf­fent­li­chen Am­tes i. S. des Art. 34 GG. Ver­letzt er da­bei ei­ne Amts­pflicht, die ihm ei­nem Drit­ten ge­gen­über ob­liegt, so haf­tet für den Scha­den grund­sätz­lich der Staat oder die Kör­per­schaft, in de­ren Dienst er steht.

Für ei­nen Er­folg der Kla­ge nach die­sen Grund­sät­zen müss­ten zwei Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben sein: Ers­tens müss­te F ei­ne ihm dem Klä­ger ge­gen­über ob­lie­gen­de Amts­pflicht ver­letzt ha­ben, und zwei­tens müss­te der Be­klag­te die Kör­per­schaft sein, die nach Art. 34 GG für ihn ein­zu­ste­hen hät­te.

1. Die ers­te Vor­aus­set­zung wä­re er­füllt, wenn F, wie es der Klä­ger dar­stellt, zu sei­nem Nach­teil vor­sätz­lich mit dem Au­to­dieb M zu­sam­men­ge­wirkt hät­te. Die Pflicht, sich ei­nes sol­chen Amts­miss­brauchs zu ent­hal­ten, ob­liegt ei­nem Be­am­ten ge­gen­über je­dem Drit­ten, der durch den Miss­brauch ge­schä­digt wer­den kann (RG, Urt. v. 12.03.1937 – III 81/36, RGZ 154, 201 [208]; BGH, Urt. v. 20.09.1954 – III ZR 369/52, BGHZ 14, 319 [324]; Urt. v. 18.06.1956 – III ZR 322/54, LM Nr. 1 zu § 839 (Fm) BGB; Urt. v. 18.10.1962 – III ZR 134/61, LM Nr. 77 zu § 839 (C) BGB).

Ob F ei­ne Amts­pflicht ge­gen­über dem Klä­ger auch dann ver­letzt hat, wenn er sich von M hat täu­schen las­sen und nur fahr­läs­sig ge­han­delt hat, kann zwei­fel­haft sein. Legt man die in BGHZ 18, 110 (BGH, Urt. v. 11.07.1955 – III ZR 178/53, BGHZ 18, 110) ent­hal­te­nen Aus­füh­run­gen über die Zwe­cke der nach § 21 StV­ZO vom amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen zu er­tei­len­den Be­schei­ni­gung zu­grun­de, so un­ter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Fall im­mer­hin in zwei Punk­ten von dem dort ent­schie­de­nen. Ein­mal ging es dort dar­um, dass das Fahr­zeug tech­nisch nicht so be­schaf­fen wie be­schei­nigt war; hier dreht es sich im Grun­de um die in der Ver­fäl­schung der Fahr­ge­stell- und Mo­tor­num­mer lie­gen­de Ver­schleie­rung der un­recht­mä­ßi­gen Her­kunft des Kraft­wa­gens. Zum an­de­ren stellt das Ur­teil BGHZ 18, 110 auf die La­ge je­des be­lie­bi­gen spä­te­ren Er­wer­bers ab; hier ist er­sicht­lich die Be­schei­ni­gung des Sach­ver­stän­di­gen im Hin­blick auf ei­nen be­stimm­ten, un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Kauf, mög­li­cher­wei­se so­gar un­ter Be­nen­nung des Klä­gers und in sei­nem Na­men er­wirkt wor­den. Ob die­se Un­ter­schie­de ge­nü­gend An­lass ge­ben, an­ders als in BGHZ 18, 110 die fahr­läs­si­ge Ver­let­zung ei­ner Amts­pflicht ge­gen­über dem Klä­ger zu be­ja­hen, be­darf je­doch nicht der Ent­schei­dung.

2. Denn für ei­ne et­wai­ge Amts­pflicht­ver­let­zung hat nicht der be­klag­te TÜV, son­dern der Staat, hier das Land Ba­den-Würt­tem­berg, ein­zu­ste­hen.

Der Be­klag­te, bei dem der Sach­ver­stän­di­ge F an­ge­stellt war, ist nicht als ei­ne Kör­per­schaft i. S. des Art. 34 GG an­zu­se­hen. Nach rich­ti­ger An­sicht be­zieht sich Art. 34 GG, ob­schon das nicht aus­drück­lich ge­sagt ist, auf Kör­per­schaf­ten des öf­fent­li­chen Rechts. Der Be­klag­te ist ein bür­ger­lich-recht­li­cher Ver­ein. Zwar wird die An­sicht ver­tre­ten, Kör­per­schaft i. S. des Art. 34 GG kön­ne auch ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts sein, wenn ein in ih­ren Diens­ten ste­hen­der An­ge­stell­ter mit der Aus­übung ho­heit­li­cher Funk­tio­nen be­traut sei (Hu­ber, Wirt­schafts-Ver­wal­tungs­recht I, 2. Aufl., S. 547; von Man­goldt/Klein, Das Bon­ner Grund­ge­setz, 2. Aufl., Art. 34 Anm. III 6a). Die Recht­spre­chung hat aber ei­nen an­de­ren Stand­punkt ein­ge­nom­men (RG, Urt. v. 07.11.1933 – III 139/33, RGZ 142, 190 [194]; BGH, Urt. v. 21.06.1951 – III ZR 134/50, BGHZ 2, 350 [354 f.]; Urt. v. 25.06.1953 – III ZR 175/51, BGHZ 10, 137; OLG Cel­le, Urt. v. 09.02.1953 – 5 U 56/51, MDR 1953, 676; OLG Ham­burg, Beschl. v. 30.12.1958 – 7 W 92/58, VersR 1960, 563; LG Ber­lin, Urt. v. 28.04.1967 – 53 S 229/66, NJW 1967, 1663). Dar­an ist fest­zu­hal­ten (eben­so Wolff, Ver­wal­tungs­recht I, 6. Aufl., § 64 II 3).

Ei­ne „Kör­per­schaft“, in de­ren Dienst F stand, ist dem­nach nicht vor­han­den. Das schließt aber nicht et­wa die An­wen­dung des Art. 34 GG über­haupt aus (BGH, Urt. v. 03.12.1953 – III ZR 66/52, BGHZ 11, 192 [197 f.]; Urt. v. 11.12.1961 – III ZR 172/60, BGHZ 36, 193 [195]; Urt. v. 19.12.1960 – III ZR 194/59, LM Nr. 2 zu § 81 BVG). Es haf­tet dann das Ge­mein­we­sen, das den Schä­di­ger mit ho­heit­li­chen Be­fug­nis­sen aus­ge­stat­tet und da­mit zum Trä­ger ei­nes öf­fent­li­chen Am­tes i. S. des Art. 34 GG ge­macht hat (RG, Urt. v. 07.11.1933 – III 139/33, RGZ 142, 190 [195]; BGH, Urt. v. 11.12.1961 – III ZR 172/60, BGHZ 36, 193 [196]; RGRK-BGB/Kreft, 11. Aufl., § 839 Anm. 15).

Das ist hier das Land Ba­den-Würt­tem­berg. Wie aus­ge­führt be­rech­tigt den Sach­ver­stän­di­gen nach § 1 II KfSach­VO die amt­li­che An­er­ken­nung, al­le im Stra­ßen­ver­kehrs­recht den amt­lich an­er­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men. Er­teilt wird die­se amt­li­che An­er­ken­nung nach § 5 KfSach­VO von der zu­stän­di­gen Lan­des­be­hör­de, die nach § 21 KfSach­VO von der Lan­des­re­gie­rung be­stimmt wird. F ist dem­nach vom Staat, dem Land Ba­den-Würt­tem­berg, mit ho­heit­li­chen Be­fug­nis­sen aus­ge­stat­tet wor­den.

Dass hier der amt­li­chen An­er­ken­nung ei­ne maß­ge­ben­de Be­deu­tung für die Aus­stat­tung mit Ho­heits­be­fug­nis­sen bei­ge­legt wird, wi­der­spricht nicht den Aus­füh­run­gen in der den Prüf­in­ge­nieur für Bau­sta­tik be­tref­fen­den Ent­schei­dung BGHZ 39, 358 (BGH, Urt. v. 27.05.1963 – III ZR 48/62, BGHZ 39, 358). Des­sen mi­nis­te­ri­el­le An­er­ken­nung gibt ihm nach die­sem Ur­teil nur ei­ne Be­fä­hi­gung, aber noch kein Amt; Letz­te­res wird ihm da­nach erst durch den je­wei­li­gen Ein­zel­auf­trag der Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de über­tra­gen. Der amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr übt da­ge­gen bei der hier zu be­ur­tei­len­den, in § 21 II StV­ZO ge­re­gel­ten Tä­tig­keit ei­ne öf­fent­li­che Funk­ti­on aus, oh­ne da­zu ei­nes be­son­de­ren, auf den ein­zel­nen Fall be­zo­ge­nen Auf­trags der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung zu be­dür­fen; das­sel­be gilt üb­ri­gens für die in §§ 19 II, 22, 29 StV­ZO ge­nann­ten Auf­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen. Die Be­rech­ti­gung zu die­sen Tä­tig­kei­ten er­hält er – wie schon aus­ge­führt – nach § 1 II KfSach­VO durch die amt­li­che An­er­ken­nung.

Das Land Ba­den-Würt­tem­berg haf­tet da­her für ei­ne et­wa von F be­gan­ge­ne Amts­pflicht­ver­let­zung. Der be­klag­te TÜV haf­tet nicht. So­weit die Ge­rich­te bis­her sich mit Amts­pflicht­ver­let­zun­gen durch amt­lich an­er­kann­te Sach­ver­stän­di­ge für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr be­fasst ha­ben, ha­ben sie denn auch sämt­lich die Haf­tung der Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­ei­ne ver­neint (vgl. die an­ge­führ­ten Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te Cel­le, Düs­sel­dorf und Ham­burg so­wie des LG Ber­lin).

Nur nach Art. 34 GG wä­re aber, da der Sach­ver­stän­di­ge als Be­am­ter ho­heit­lich han­delt, ei­ne Haf­tung des TÜV in Be­tracht zu zie­hen. Die­sen für das Han­deln Fs aus Ver­trag (auf­grund des § 31 BGB oder des § 278 BGB) oder we­gen un­er­laub­ter Hand­lung (auf­grund des § 31 BGB oder des § 831 BGB) ver­ant­wort­lich zu ma­chen, ist nicht mög­lich. Die­se Vor­schrif­ten könn­ten nur dann ein­grei­fen, wenn F im pri­vat­recht­li­chen Be­reich tä­tig ge­wor­den wä­re.

Nach al­lem ist das Be­ru­fungs­ur­teil auf­zu­he­ben und das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Lan­des­ge­richts wie­der­her­zu­stel­len.

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