Die Mit­ar­bei­ter ei­ner Kfz-Werk­statt sind ge­hal­ten, ein ih­nen über­las­se­nes Fahr­zeug mit ih­rem nach dem Ge­gen­stand des Ver­tra­ges zu er­war­ten­den Fach­wis­sen zu über­prü­fen und den Kun­den ge­ge­be­nen­falls auf Be­den­ken hin­zu­wei­sen Er­ken­nen die Mit­ar­bei­ter der Werk­statt ei­nen die Be­triebs­si­cher­heit des Fahr­zeugs be­ein­träch­ti­gen­den Man­gel oder könn­ten sie ei­nen sol­chen Man­gel bei An­wen­dung der ge­bo­te­nen Sorg­falt er­ken­nen, sind sie ver­pflich­tet, den Kun­den dar­auf hin­zu­wei­sen, da­mit die­ser ent­schei­den kann, ob Maß­nah­men zur Be­sei­ti­gung des Man­gels er­grif­fen wer­den sol­len. Die Auf­klä­rungs- und Be­ra­tungs­pflich­ten er­stre­cken sich aber grund­sätz­lich nur auf das in Auf­trag ge­ge­be­ne Werk und die da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Um­stän­de; das heißt, die ver­trag­lich über­nom­me­nen Ver­pflich­tun­gen be­stim­men und be­gren­zen auch den Um­fang der Be­ra­tungs­pflich­ten. Von den Mit­ar­bei­tern ei­ner Kfz-Werk­statt, de­nen ein kon­kre­ter Re­pa­ra­tur­auf­trag er­teilt wor­den ist, kann dem­ge­gen­über nicht ver­langt wer­den, auch sämt­li­che üb­ri­gen Tei­le des Fahr­zeugs, das re­pa­riert wer­den soll, oh­ne be­son­de­ren Auf­trag zu über­prü­fen.

OLG Saar­brü­cken, Ur­teil vom 18.02.2016 – 4 U 60/15

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin ver­langt von der Be­klag­ten Scha­dens­er­satz we­gen ei­nes Mo­tor­scha­dens.

Sie ist Ei­gen­tü­me­rin ei­nes am 28.10.2004 erst­zu­ge­las­se­nen Dae­woo Ka­los. Die­ses Fahr­zeug über­gab die Klä­gin der Be­klag­ten am 13.05.2011 mit dem (schrift­li­chen) Auf­trag, ei­nen Rei­fen­wech­sel vor­zu­neh­men und die Fahr­werks­ein­stel­lun­gen zu prü­fen. Ob die Par­tei­en über die­sen Auf­trag hin­aus­ge­hen­de Ab­spra­chen ge­trof­fen ha­ben, ist zwi­schen ih­nen strei­tig; eben­so be­steht Streit hin­sicht­lich der Fra­ge, wer auf dem Auf­trags­for­mu­lar hand­schrift­lich „1 L 5 W 40“ ein­ge­tra­gen hat.

Die Be­klag­te be­schäf­tig­te sich in der Fol­ge­zeit mit dem Fahr­zeug der Klä­ge­rin. Zur Achs- und Spur­ver­mes­sung wur­de das Fahr­zeug von der Zeu­gin B zu ei­ner im Stadt­ge­biet an­säs­si­gen Sub­un­ter­neh­me­rin der Be­klag­ten über­führt. Auf der Rück­fahrt zum Au­to­haus der Be­klag­ten blieb es nach ei­nem Knall bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 90.024 km mit ei­nem Mo­tor­scha­den lie­gen und muss­te zum Au­to­haus der Be­klag­ten ab­ge­schleppt wer­den.

Nach­dem die Be­klag­te ih­re Ein­stands­pflicht für den Scha­den durch Schrei­ben vom 30.5.2011 ab­ge­lehnt hat­te, lei­te­te die Klä­ge­rin am 10.06.2011 ein selbst­stän­di­ges Be­weis­ver­fah­ren ein, um den Um­fang des Mo­tor­scha­dens, des­sen Ur­sa­che, die Fahr­be­reit­schaft des Fahr­zeugs und die not­wen­di­gen Re­pa­ra­tur­kos­ten zu er­mit­teln. Der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Ing. Dr. P stell­te in sei­nem Gut­ach­ten vom 06.01.2012 fest, dass der Mo­tor­scha­den durch ei­nen Bruch ei­ner Um­lenk­rol­le bzw. der Kunst­stoffum­man­te­lung ei­ner Um­lenk­rol­le des Zahn­rie­mens aus­ge­löst wur­de. Nach Ab­bau des Zy­lin­der­kop­fes konn­te der Sach­ver­stän­di­ge wei­ter fest­stel­len, dass al­le Ven­ti­le auf die Kol­ben auf­ge­setzt hat­ten und es des­halb zur Be­he­bung des Scha­dens ei­ner Er­neue­rung des Mo­tors be­darf. Die in­so­weit vor­aus­sicht­lich an­fal­len­den Kos­ten er­mit­tel­te der Sach­ver­stän­di­ge mit ins­ge­samt 4.823,87 € net­to.

Der Ki­lo­me­ter­stand des Fahr­zeugs der Klä­ge­rin be­trug zum Zeit­punkt der An­nah­me in der Werk­statt der Be­klag­ten „fast ex­akt“ 90.000 km. Der von der Klä­ge­rin zur Ak­te ge­reich­te War­tungs­plan des Her­stel­lers Dae­woo sieht vor, dass der Zahn­rie­men (= No­cken­wel­len­rie­men) bei ei­nem Fahr­zeug die­ses Typs al­le vier Jah­re oder nach ei­ner Lauf­leis­tung von 60.000 km ge­wech­selt wer­den soll. Bei ei­nem Fahr­zeugal­ter von sechs Jah­ren bzw. ei­ner Lauf­leis­tung von 90.000 km ist ein Ser­vice­in­ter­vall vor­ge­se­hen, wel­ches die Kon­trol­le des Zahn­rie­mens be­inhal­tet. Der Zahn­rie­men und die da­zu­ge­hö­ri­gen Tei­le sind „zu prü­fen, er­for­der­li­chen­falls zu kor­ri­gie­ren … oder aus­zu­wech­seln“.

Die Klä­ge­rin hat den Stand­punkt ver­tre­ten, die Be­klag­te haf­te un­ter meh­re­ren Ge­sichts­punk­ten für den ent­stan­de­nen Fahr­zeug­scha­den; ih­ren Vor­trag zu den an­geb­lich von der Be­klag­ten ver­letz­ten Ob­huts-, Über­prü­fungs- und Hin­weis­pflich­ten und den Ab­spra­chen bei Auf­trags­er­tei­lung hat die Klä­ge­rin erst­in­stanz­lich mehr­fach va­ri­iert.

Ne­ben den Net­to­re­pa­ra­tur­kos­ten hat die Klä­ge­rin ei­ne Nut­zungs­aus­fall­ent­schä­di­gung in Hö­he von 38 €/Tag für 318 Ta­ge – ent­spre­chend dem Zeit­raum zwi­schen Scha­dens­tag (13.05.2011) und En­de des selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­rens (27.03.2012) – so­wie den Er­satz au­ßer­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten ver­langt.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen, nach­dem es un­ter an­de­rem ein (er­gän­zen­des) schrift­li­ches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten des Dipl.-Ing. Dr. P ein­ge­holt hat­te. Die Be­ru­fung der Klä­ge­rin hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: B. … Ein An­spruch der Klä­ge­rin auf Scha­dens­er­satz ge­gen die Be­klag­te we­gen des am 13.05.2011 auf­ge­tre­te­nen Mo­tor­scha­dens ist un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt be­grün­det.

I. Ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz folgt zu­nächst nicht un­ter dem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­nes An­spruchs auf Scha­dens­er­satz statt oder ne­ben der Leis­tung ge­mäß §§ 634 Nr. 4, 636, 280 I, III, 281 I BGB bzw. §§ 634 Nr. 4, 636, 280 I BGB. Bei­de An­spruchs­grund­la­gen er­for­dern ne­ben dem Ab­schluss ei­nes Werk­ver­trags, den die Par­tei­en hier un­strei­tig durch den Werk­statt­auf­trag vom 13.05.2011 ge­schlos­sen ha­ben, den Man­gel ei­nes Werks i. S. des § 633 II BGB. Hier­an fehlt es. Wie das Land­ge­richt zu Recht und von der Be­ru­fung un­an­ge­grif­fen an­ge­nom­men hat, ist ei­ne man­gel­haf­te Er­fül­lung der von der Be­klag­ten auf­grund des am 13.05.2011 er­teil­ten Werk­statt­auf­trags er­brach­ten Werkleis­tun­gen nicht fest­stell­bar. Der Vor­trag der Klä­ge­rin ist zur Be­grün­dung ei­nes Werk­man­gels nicht ge­eig­net.

1. Im Rah­men ei­nes Auf­trags zur um­fas­sen­den In­spek­ti­on mag ei­ne Werk­statt mit Blick dar­auf, dass die Ar­bei­ten zu ei­nem nach den Ver­trags­um­stän­den zweck­ent­spre­chen­den, funk­ti­ons­taug­li­chen Werk füh­ren müs­sen, ver­pflich­tet sein, al­les – frei­lich nach Ab­spra­che mit dem Kun­den und ge­gen ent­spre­chen­de ge­son­der­te Ver­gü­tung – zu tun, um ei­nen Pkw für die nächs­te Zeit ge­brauchs­fä­hig und fahr­be­reit zu ma­chen (vgl. OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 26.03.1973 – 18 U 139/72, DAR 1973, 295; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 05.02.1999 – 22 U 161/98, ju­ris).

In­spek­tio­nen die­nen da­zu, ei­nen be­stimm­ten Fahr­zeug­zu­stand fest­zu­stel­len, um die da­nach er­for­der­li­chen, re­gel­mä­ßig ge­son­dert zu be­auf­tra­gen­den Maß­nah­men durch­zu­füh­ren (OLG Schles­wig, Urt. v. 17.12.2010 – 4 U 171/09, ju­ris). Bei ei­ner In­spek­ti­on ist da­her al­le­mal auf die fäl­li­gen Aus­tausch­maß­nah­men hin­zu­wei­sen und dar­über hin­aus aber auch auf sol­che Maß­nah­men, de­ren Not­wen­dig­keit un­mit­tel­bar be­vor­steht (OLG Schles­wig, Urt. v. 17.12.2010 – 4 U 171/09, ju­ris).

2. So liegt der Fall hier je­doch nicht. Die Be­klag­te schul­de­te am 13.05.2011 we­der ei­ne War­tung noch ei­ne In­spek­ti­on des Fahr­zeugs, son­dern ver­ein­bart wa­ren zu die­sem Ter­min le­dig­lich ein Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung des Fahr­zeugs (§§ 133, 157 BGB).

a) An­ders als dies zu­nächst noch in der Kla­ge­schrift und im Schrift­satz der Klä­ge­rin vom 16.04.2013 an­ge­klun­gen war, hat­ten sich die Par­tei­en nicht be­reits am 13.05.2011 bzw. zu­vor am 06.05.2011 ver­bind­lich auf ei­nen Auf­trag auch zum „Durch­che­cken“ des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs ver­stän­digt. Die Klä­ge­rin hat im Rah­men ih­rer in­for­ma­to­ri­schen An­hö­rung im Ter­min vom 07.01.2014 zum Um­fang des er­teil­ten Auf­trags un­miss­ver­ständ­lich ein­ge­räumt, dass die Be­klag­te bei der Auf­trags­an­nah­me ei­nen Ter­min für das Durch­che­cken des Fahr­zeugs erst für den 13.06.2011 ver­ge­ben konn­te und es ei­nen frü­he­ren frei­en Ter­min für die­se Ar­bei­ten bei der Be­klag­ten nicht gab. Auf Nach­fra­ge hat die Klä­ge­rin ein­ge­räumt, da­mit ein­ver­stan­den ge­we­sen zu sein und ins­be­son­de­re für den 13.05.2011 zu­nächst nur ei­nen Rei­fen­wech­sel nebst Spu­r­ein­stel­lung und noch nicht ei­ne wei­ter­ge­hen­de War­tung und Über­prü­fung des Fahr­zeugs be­auf­tragt zu ha­ben. Auf die Nach­fra­ge „Da­mit wa­ren Sie ein­ver­stan­den?“ hat die Klä­ge­rin ge­ant­wor­tet: „Mir blieb ja nichts an­de­res üb­rig.“

b) Die­sen Vor­trag hat sich die Be­klag­te hilfs­wei­se zu ei­gen ge­macht und sich hier­auf ge­stützt zu Recht dar­auf be­ru­fen, dass die Be­klag­te aus­ge­hend von dem ei­ge­nen Klä­ger­vor­trag zum Scha­dens­zeit­punkt we­der mit ei­ner War­tung noch mit ei­ner In­spek­ti­on be­auf­tragt war. Schul­de­te die Be­klag­ten am 13.05.2011 aber we­der ei­ne War­tung noch ei­ne In­spek­ti­on des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs, son­dern nur ei­nen Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung, dann war sie zu die­sem Zeit­punkt nicht ver­pflich­tet, die Ein­hal­tung der War­tungs­in­ter­val­le oder den Zahn­rie­men und die da­zu­ge­hö­ri­gen Tei­le zu über­prü­fen.

Zu Recht hat sich die Be­klag­te dar­auf be­ru­fen, dass ein et­wai­ger War­tungs­auf­trag für den 13.06.2011 – des­sen Ver­ein­ba­rung die Be­klag­te sub­stan­zi­iert be­strit­ten hat – kei­ne Über­prü­fungs­pflich­ten be­reits am 13.05.2011 aus­lö­sen konn­te. Durch ei­nen sol­chen Fol­ge­ter­min – sei­ne ver­bind­li­che münd­li­che Ver­ein­ba­rung un­ter­stellt – wä­re nur deut­lich ge­wor­den, dass die Be­klag­te am 13.05.2011 ge­ra­de nicht ei­ne War­tung mit al­len er­for­der­li­chen Über­prü­fun­gen durch­führ­te.

Ein et­wai­ges An­ge­bot der Klä­ge­rin auf Ab­schluss ei­nes Werk­ver­trags über die War­tung und Über­prü­fung des Fahr­zeugs zum 13.05.2011 hat die Be­klag­te nach dem über­ein­stim­men­den Par­tei­vor­trag nicht an­ge­nom­men. Mit­hin be­grün­det es kei­ne man­gel­haf­te Er­fül­lung der von der Be­klag­ten auf der Grund­la­ge des am 13.05.2011 ge­schlos­se­nen Werk­ver­trags ge­schul­de­ten Leis­tun­gen, wenn sie we­der zur Ein­hal­tung der War­tungs­in­ter­val­le bei der Klä­ge­rin Nach­fra­ge hielt und sie auf die Über­fäl­lig­keit der durch­zu­füh­ren­den 90.000-km-In­spek­ti­on hin­wies, noch ei­ne Über­prü­fung des Mo­tors oder des Zahn­rie­mens und der da­zu ge­hö­ri­gen Tei­le vor­nahm.

Ei­ne man­gel­haf­te Er­fül­lung der un­strei­tig ge­schul­de­ten und auch er­brach­ten Leis­tun­gen zum Zwe­cke des Rei­fen­wech­sels und der Spu­r­ein­stel­lung be­haup­tet die Klä­ge­rin nicht.

II. Auch un­ter dem recht­li­chen Ge­sichts­punkt der schuld­haf­ten Ver­let­zung ei­ner vor­ver­trag­li­chen oder ver­trags­be­glei­ten­den Hin­weis- und Auf­klä­rungs­pflicht und ei­nem sich hier­aus et­waig er­ge­ben­den Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 280 I, 311 II, 241 II BGB bzw. §§ 280 I, 631, 241 II BGB er­gibt sich im Streit­fall kei­ne Haf­tung der Be­klag­ten.

1. Nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen tref­fen den Un­ter­neh­mer beim Werk­ver­trag ne­ben­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs- und Be­ra­tungs­pflich­ten, de­ren In­halt und Um­fang sich nach den Um­stän­den des Ein­zel­falls rich­ten, ins­be­son­de­re nach dem Be­ra­tungs­be­darf des Be­stel­lers und dem Fach­wis­sen des Un­ter­neh­mers, von des­sen Vor­han­den­sein im er­for­der­li­chen Um­fang der Be­stel­ler aus­ge­hen kann (vgl. Pa­landt/Sprau, BGB, 75. Aufl., § 631 Rn. 14; LG Hei­del­berg, Urt. v. 27.07.2011 – 1 S 9/10, ju­ris). Der Un­ter­neh­mer ist nach Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, den Be­stel­ler auf al­le Um­stän­de hin­zu­wei­sen, die die­ser nicht kennt, de­ren Kennt­nis aber für des­sen Wil­lens­bil­dung und Ent­schlüs­se be­züg­lich des Werks von Be­deu­tung ist (OLG Hamm, Urt. v. 20.03.1992 – 26 U 155/91, NJW-RR 1992, 1329; LG Mainz, Urt. vom 31.10.2013 – 3 S 197/12, ZfS 2014, 393; Pa­landt/Sprau, a. a. O., § 631 Rn. 14, je­weils m. w. Nachw.).

Aus­ge­hend von die­sen all­ge­mei­nen Grund­sät­zen wird ei­ne Kfz-Werk­statt ge­hal­ten sein, ein ihr über­las­se­nes Fahr­zeug mit dem von ihr nach dem Ge­gen­stand des Ver­tra­ges zu er­war­ten­den Fach­wis­sen zu über­prü­fen und ih­re Kun­den ge­ge­be­nen­falls auf mög­li­che Be­den­ken hin­zu­wei­sen (vgl. AG Bran­den­burg, Urt. v. 08.01.2007 – 31 C 59/06, ju­ris). Er­kennt oder kann bei An­wen­dung der ge­bo­te­nen Sorg­falt die Kfz-Werk­statt ei­nen die Be­triebs­si­cher­heit des Fahr­zeugs be­ein­träch­ti­gen­den Man­gel er­ken­nen, dann be­grün­det dies dem Kun­den ge­gen­über ei­ne Mit­tei­lungs­pflicht, da­mit die­ser ei­ne Ent­schlie­ßung über Maß­nah­men zur Be­sei­ti­gung des Man­gels her­bei­füh­ren kann (AG Bran­den­burg, Urt. v. 08.01.2007 – 31 C 59/06, ju­ris; vgl. auch OLG Zwei­brü­cken, Urt. v. 23.03.1999 – 5 U 4/95, NJW-RR 2000, 1554).

Die Auf­klä­rungs- und Be­ra­tungs­pflich­ten ei­ner sach­kun­di­gen Kfz-Werk­statt ge­gen­über dem un­er­fah­re­nen Kun­den er­stre­cken sich aber grund­sätz­lich nur auf das in Auf­trag ge­ge­be­ne Werk und die da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Um­stän­de (vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 05.02.1999 – 22 U 161/98, ju­ris; AG Bran­den­burg, Urt. v. 08.01.2007 – 31 C 59/06, ju­ris). Die ver­trag­lich über­nom­me­nen Ver­pflich­tun­gen be­stim­men und be­gren­zen in­so­weit auch den Um­fang der Be­ra­tungs­pflich­ten. Vom Un­ter­neh­mer, dem ein kon­kre­ter Re­pa­ra­tur­auf­trag er­teilt wor­den ist, kann nicht ver­langt wer­den, dass er auch sämt­li­che üb­ri­gen Tei­le des Ge­gen­stan­des, an dem er sei­ne Werkleis­tung zu er­brin­gen hat, oh­ne be­son­de­ren Auf­trag über­prüft (OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 05.02.1999 – 22 U 161/98, ju­ris).

2. Ge­mes­sen hier­an liegt im Streit­fall ei­ne Kon­stel­la­ti­on, in der der Be­klag­ten ei­ne Ver­let­zung von ne­ben­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs- oder Be­ra­tungs­pflich­ten an­ge­las­tet wer­den könn­te, nicht vor. Eben­so we­nig kann ei­ne vor­ver­trag­li­che Pflicht­ver­let­zung im Zu­ge der Ter­min­ver­ga­be fest­ge­stellt wer­den.

a) Die Be­klag­te schul­de­te nach Maß­ga­be der Aus­füh­run­gen un­ter I. auf der Grund­la­ge des am 13.5.2011 ge­schlos­se­nen Werk­ver­trags kei­ne um­fas­sen­de In­spek­ti­on des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs, ihr Auf­trag war auf ei­nen Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung be­schränkt. Der Klä­ge­rin war be­kannt, dass die Be­klag­te ei­ne Über­prü­fung des Fahr­zeugs aus ter­min­li­chen Grün­den nicht vor­neh­men kann. Trotz­dem hat die Klä­ge­rin der Be­klag­ten den Auf­trag für den Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung er­teilt und da­mit wis­sent­lich in Kauf ge­nom­men, dass wei­ter­ge­hen­de Über­prü­fun­gen an dem Fahr­zeug erst ei­nen Mo­nat spä­ter statt­fin­den wer­den. Das Ri­si­ko, dass sich in der Zwi­schen­zeit – zwi­schen den bei­den Werk­statt­ter­mi­nen – ir­gend­ein Scha­den an dem Fahr­zeug rea­li­siert, der durch ei­ne In­spek­ti­on zu ver­mei­den wä­re, lag bei der Klä­ge­rin; die Be­klag­te hat die­ses Ri­si­ko nach den ver­trag­li­chen Ab­spra­chen nicht über­nom­men. Es hät­te der Klä­ge­rin frei­ge­stan­den, ei­ne an­de­re Werk­statt zu su­chen, die das „Durch­che­cken“ des Fahr­zeugs so­fort über­neh­men kann. Den­noch hat die Klä­ge­rin sich in Kennt­nis, dass ei­ne Über­prü­fung durch die Be­klag­te aus ter­min­li­chen Grün­den nicht statt­fin­den kann, aus­drück­lich da­für ent­schie­den, zu­nächst nur den Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung zu be­auf­tra­gen. Dann aber kann sich die Klä­ge­rin nicht mit Er­folg dar­auf be­ru­fen, die Be­klag­te als Kfz-Werk­statt hät­te von sich aus die Ein­hal­tung des War­tungs­in­ter­valls des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs bei 90.000 km über­prü­fen re­spek­ti­ve auf ei­ne um­ge­hend zu er­fol­gen­de In­spek­ti­on hin­wei­sen müs­sen.

b) Der Be­reich, in dem die Be­klag­te ver­trags­ge­mäß ih­re Leis­tun­gen zu er­brin­gen hat­te – Rei­fen­wech­sel und Spu­r­ein­stel­lung – steht mit dem Be­reich, in dem hier der Man­gel an­ge­sie­delt war (Zahn­rie­men und die da­zu­ge­hö­ri­gen Tei­le), nicht in Zu­sam­men­hang. Es liegt da­mit kein Fall vor, in dem die Be­klag­te bei Durch­füh­rung der ihr in Auf­trag ge­ge­be­nen Werkleis­tun­gen den die Be­triebs­si­cher­heit des Fahr­zeugs be­ein­träch­ti­gen­den Man­gel hät­te er­ken­nen kön­nen.

Ei­ne ne­ben­ver­trag­li­che Über­prü­fung des Zahn­rie­mens war auch nicht et­wa des­halb ge­schul­det, weil die Be­klag­te im Zu­ge des Werk­statt­auf­ent­halts mit dem klä­ge­ri­schen Fahr­zeug ei­ne kur­ze Über­füh­rungs­fahrt in­ner­halb des Stadt­ge­biets – drei Ki­lo­me­ter ein­fa­che Weg­stre­cke – durch­ge­führt hat. Die Be­klag­te schul­de­te kei­ne höchst­per­sön­li­che Er­brin­gung der ver­ein­bar­ten Werkleis­tun­gen. Die Er­brin­gung ein­zel­ner Teil­leis­tun­gen durch Sub­un­ter­neh­mer ist im Kfz-Werk­statt­ge­wer­be auch nicht un­üb­lich. Mit in­so­weit an­fal­len­den Kurz­stre­cken zur Ver­brin­gung des Fahr­zeugs muss der Be­stel­ler eben­so rech­nen wie mit der Durch­füh­rung ei­ner Pro­be­fahrt nach Ab­schluss der Werkleis­tun­gen. Der Be­stel­ler kann nicht er­war­ten, dass der Un­ter­neh­mer – vor Durch­füh­rung ei­ner sol­chen Fahrt – ei­ne um­fas­sen­de In­spek­ti­on des Fahr­zeugs zur Ver­mei­dung ei­nes Fahr­zeug­scha­dens vor­nimmt, so­fern er nicht auf­grund kon­kre­ter Um­stän­de An­halts­punk­te für ei­nen die Be­triebs­si­cher­heit des Fahr­zeugs be­ein­träch­ti­gen­den De­fekt des Fahr­zeugs hat. Da­her be­grün­de­te auch die Durch­füh­rung der – nicht ex­pli­zit ab­ge­spro­che­nen – Über­füh­rungs­fahrt kei­ne Pflicht der Be­klag­ten, die Ein­hal­tung der War­tungs­in­ter­val­le und die Not­wen­dig­keit ei­nes Zahn­rie­men­wech­sels zu kon­trol­lie­ren.

Es kann da­hin­ste­hen, ob – wie der Zeu­ge R be­kun­det hat und wor­auf die Be­ru­fung sich stützt – ei­ner der Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten nach dem Scha­dens­fall an­ge­ge­ben hat, dass die Be­klag­te „das mit dem Zahn­rie­men re­gel­mä­ßig durch­checkt“. Ei­ne Rechts­pflicht hier­zu be­steht nicht, so­dass aus dem et­wai­gen Un­ter­las­sen kei­ne Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten her­ge­lei­tet wer­den kann.

c) Ei­ne die Haf­tung der Be­klag­ten be­grün­den­de Ver­let­zung von Auf­klä­rungs- und Be­ra­tungs­pflich­ten ist im Streit­fall auch nicht da­mit be­gründ­bar, dass an­geb­lich die Mo­tor­warn­leuch­te auf­ge­leuch­tet oder das Fahr­zeug im Be­reich des Mo­tors Ge­räu­sche ge­macht hat. So­weit die Be­ru­fung die­sen Ge­sichts­punkt im Rah­men der Be­ru­fungs­be­grün­dung her­vor­hebt und mit dem Vor­wurf ver­bin­det, das Land­ge­richt ha­be den dies­be­züg­li­chen Klä­ger­vor­trag über­gan­gen, ins­be­son­de­re die Aus­füh­run­gen des Zeu­gen R nicht ge­wür­digt, geht die­se Rü­ge fehl.

aa) Dass das Land­ge­richt den dies­be­züg­li­chen Klä­ger­vor­trag zur Kennt­nis ge­nom­men und in Er­wä­gung ge­zo­gen hat, er­gibt sich be­reits aus der Er­wäh­nung im Tat­be­stand und in den Ent­schei­dungs­grün­den. Das Land­ge­richt hat die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Fra­ge, ob die Klä­ge­rin die Be­klag­te bei der Auf­trags­ver­ga­be über ein Auf­leuch­ten der Mo­tor­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert hat, of­fen­ge­las­sen, weil es un­ter Be­zug­nah­me auf die Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. Dr. P da­von aus­ge­gan­gen ist, dass ein in­halt­li­cher Be­zug zwi­schen et­wai­gen Mo­tor­ge­räu­schen bzw. ei­ner leuch­ten­den Mo­tor­warn­leuch­te und dem spä­ter plötz­lich auf­ge­tre­te­nen Mo­tor­scha­den nicht her­ge­stellt wer­den kann.

bb) Die­se Fest­stel­lung, der die Be­ru­fung in der Sa­che über­haupt nicht ent­ge­gen­tritt, hat das Land­ge­richt rechts­feh­ler­frei und für den Se­nat ge­mäß § 529 I ZPO bin­dend auf der Grund­la­ge der gut­ach­ter­li­chen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Herrn Dipl.-Ing. Dr. P in des­sen tech­ni­schem Gut­ach­ten vom 04.09.2014 ge­trof­fen. Auf Sei­te 4 sei­nes Gut­ach­tens führt der Sach­ver­stän­di­ge aus:

„Selbst wenn be­rück­sich­tigt wird, dass ent­spre­chend den An­ga­ben der Klä­ge­rin die Mo­tor­warn­leuch­te in Be­trieb ge­we­sen … und ein un­ge­wöhn­li­ches Ge­räusch des Mo­tors vor­ge­le­gen ha­ben soll, kann nicht re­kon­stru­iert wer­den, ob bei ei­ner Über­prü­fung des Zahn­rie­mens oder der Rol­len der Scha­den auch in Ver­bin­dung mit die­sen wei­te­ren Hin­wei­sen er­kenn­bar ge­we­sen wä­re. Aus wel­chem Grund die Mo­tor­kon­troll­leuch­te zum da­ma­li­gen Zeit­punkt auf­ge­leuch­tet hat, ist dies­seits der­zeit nicht nach­voll­zieh­bar.“

cc) Der von der Be­ru­fung ge­rüg­te erst­in­stanz­li­che Ge­hörs­ver­stoß in Be­zug auf den Vor­trag der Klä­ge­rin, sie ha­be die Be­klag­te bei der Auf­trags­ver­ga­be über ein Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert, ist mit­hin nicht ge­ge­ben.

Das Land­ge­richt muss­te ins­be­son­de­re auch nicht nä­her auf die Aus­sa­ge des Zeu­gen R ein­ge­hen. Denn selbst wenn es – wie die Klä­ge­rin und der Zeu­ge über­ein­stim­mend be­kun­det ha­ben – zu­trä­fe, dass die Be­klag­te vor Er­tei­lung des Werk­statt­auf­trags am 13.05.2011 aus­drück­lich über das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert wur­de, wür­de dies man­gels her­stell­ba­rem Kau­sal­zu­sam­men­hang zu dem spä­ter ein­ge­tre­te­nen Mo­tor­scha­den nicht zu ei­ner Haf­tung der Be­klag­ten füh­ren.

dd) So­weit die Be­ru­fung dies an­ders sieht und sie die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zur Kau­sa­li­tät als rechts­feh­ler­haft be­zeich­net und rügt, dass das Land­ge­richt zu ho­he An­for­de­run­gen an die von der Klä­ge­rin zu er­brin­gen­de Be­weis­füh­rung ge­stellt ha­be, sind die­se pau­schal ge­hal­te­nen Ein­wän­de nicht ge­eig­net, kon­kre­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zur feh­len­den Scha­den­sur­säch­lich­keit der be­haup­te­ten Pflicht­ver­let­zun­gen zu be­grün­den.

Die Be­ru­fung meint, im Wi­der­spruch zu den Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts ei­nen haf­tungs­be­grün­den­den Kau­sal­zu­sam­men­hang da­durch be­grün­den zu kön­nen, dass die Be­klag­te an­ge­sichts der mit­ge­teil­ten Pro­ble­me mit der Mo­tor­leuch­te und den Ge­räu­schen im Be­reich des Mo­tors den Rei­fen­wech­sel und die Spu­r­ein­stel­lung hät­te zu­rück­stel­len und statt­des­sen auf die Not­wen­dig­keit ei­ner In­spek­ti­on hin­wei­sen und ihr in die­sem Zu­ge auch den Aus­tausch der Spann­rol­le (ge­meint ist wohl der Zahn­rie­men nebst Um­lenk­rol­len) hät­te vor­schla­gen müs­sen. Die­sem An­satz ist nicht zu fol­gen.

(1) Die Klä­ge­rin wirft der Be­klag­ten ein pflicht­wid­ri­ges Un­ter­las­sen vor. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH ist ei­ne Un­ter­las­sung für den Scha­den nur dann kau­sal, wenn pflicht­ge­mä­ßes Han­deln den Ein­tritt des Scha­dens ver­hin­dert hät­te (vgl. BGH, Urt. v. 07.02.2012 – VI ZR 63/11, ju­ris Rn. 10) Die blo­ße Mög­lich­keit, eben­so ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit, ge­nügt nach § 286 ZPO nicht. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last hier­für trägt re­gel­mä­ßig der Ge­schä­dig­te (BGH, Urt. v. 07.02.2012 – VI ZR 63/11, ju­ris Rn. 15).

(2) Die An­nah­me der Klä­ge­rin, die Un­ter­rich­tung der Be­klag­ten über das Auf­leuch­ten der Mo­tor­leuch­te und die Ge­räu­sche im Be­reich des Mo­tors ha­be zu ei­nem Aus­tausch des Zahn­rie­mens nebst Um­lenk­rol­len durch die Be­klag­te füh­ren müs­sen, lässt zu­nächst die un­strei­ti­gen tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten völ­lig au­ßer Be­tracht: Die Klä­ge­rin trägt selbst vor, dass die Be­klag­te am 13.05.2011 ei­nen Ter­min zur In­spek­ti­on nicht an­bie­ten konn­te, so­dass dann – die Not­wen­dig­keit ei­ner so­for­ti­gen In­spek­ti­on un­ter­stellt – die Be­klag­te ent­we­der die An­nah­me des Fahr­zeugs nur ab­leh­nen und die Klä­ge­rin zu ei­ner an­de­ren Werk­statt hät­te schi­cken kön­nen oder die Klä­ge­rin das Fahr­zeug für die Dau­er ei­nes Mo­nats bei der Be­klag­ten hät­te ste­hen las­sen müs­sen. Schon hier stellt sich al­so die Fra­ge, ob der Scha­den durch pflicht­ge­mä­ßes Ver­hal­ten ver­mie­den wor­den wä­re, denn an­ge­sichts des Um­stands, dass der Scha­den be­reits nach we­ni­gen Ki­lo­me­tern Fahrt auf­ge­tre­ten ist, wä­re der Mo­tor­scha­den auch bei der Klä­ge­rin selbst ein­ge­tre­ten, wenn sie das Fahr­zeug am 13.05.2011 un­ver­rich­te­ter Din­ge wie­der mit­ge­nom­men und zu ei­ner an­de­ren Werk­statt ge­fah­ren hät­te.

(3) Aber selbst wenn man zu Guns­ten der Klä­ge­rin auf­grund der Ver­mu­tung des auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens (vgl. hier­zu BGH, Urt. v. 08.05.2012 – XI ZR 262/10, ju­ris Rn. 38) un­ter­stellt, dass sie sich im Fal­le des Hin­wei­ses auf ei­ne so­fort not­wen­di­ge In­spek­ti­on mit Blick auf das Auf­leuch­ten der Mo­tor­leuch­te und die Ge­räu­sche im Mo­tor da­zu ent­schie­den hät­te, das Fahr­zeug ent­we­der bis zu dem Fol­ge­ter­min am 13.06.2011 bei der Be­klag­ten ste­hen oder das Fahr­zeug zu ei­ner an­de­ren Werk­statt ab­schlep­pen zu las­sen, kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass dann der Scha­den in Form des Mo­tor­scha­dens nicht ein­ge­tre­ten wä­re.

Denn auf der Grund­la­ge der erst­in­stanz­lich durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me und der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Herrn Dipl.-Ing. Dr. P ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne In­spek­ti­on des Fahr­zeugs un­ter Ein­schluss ei­ner Über­prü­fung des Zahn­rie­mens und der Um­lenk­rol­len den Mo­tor­scha­den ver­hin­dert hät­te. Der Sach­ver­stän­di­ge Herr Dipl.-Ing. Dr. P hat in sei­nem Gut­ach­ten vom 04.09.2014 un­ter Be­zug­nah­me auf sei­ne vor­an­ge­gan­ge­nen Fest­stel­lun­gen in dem selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­ren … aus­ge­führt, die ge­naue Scha­den­sur­sa­che las­se sich letzt­end­lich nicht mehr ein­deu­tig re­kon­stru­ie­ren (Sei­te 2). Aus tech­ni­scher Sicht er­schei­ne es am wahr­schein­lichs­ten, dass ei­ne Al­te­rung des Kunst­stoff­ma­te­ri­als der Um­lenk­rol­le vor­ge­le­gen ha­ben könn­te. An­de­rer­seits sei auch nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Fremd­kör­per in den Zahn­rie­men­trieb ge­kom­men sei­en. Auch ein Fahr­feh­ler in Form ei­nes Über­dre­hens des Mo­tors durch ei­nen Feh­ler vom Zu­rück­schal­ten kön­ne letzt­end­lich nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, wo­bei in­so­weit dar­auf hin­zu­wei­sen sei, dass ein ent­spre­chen­des Über­dre­hen des Mo­tors nicht zwangs­läu­fig un­mit­tel­bar vor Ein­tritt des Scha­dens vor­ge­le­gen ha­ben müs­se, son­dern durch­aus auch län­ge­re Zeit vor Ein­tritt des Scha­dens vor­ge­le­gen ha­ben könn­te (Sei­te 2). Zur Fra­ge der früh­zei­ti­gen Er­kenn­bar­keit des Scha­dens hat der Sach­ver­stän­di­ge be­tont, dass nicht et­wa ei­ne Be­schä­di­gung des Zahn­rie­mens selbst zu dem Mo­tor­scha­den ge­führt ha­be, son­dern of­fen­sicht­lich der Bruch ei­ner Um­lenk­rol­le (Sei­te 3). Aus wel­chem Grund die Um­lenk­rol­le ge­bro­chen sei, kön­ne sach­ver­stän­di­gen­seits nicht mehr ein­deu­tig re­kon­stru­iert wer­den. In­so­weit wer­de auf die Aus­füh­run­gen zur Scha­den­sur­sa­che ver­wie­sen. Aus­ge­hend von ei­nem Bruch der Um­lenk­rol­le in­fol­ge Al­te­rung sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ei­ne ent­spre­chen­de Al­te­rung vi­su­ell nicht si­cher fest­ge­stellt wer­den kön­ne, so­dass grund­sätz­lich auch denk­bar sei, dass bei ei­ner vi­su­el­len Un­ter­su­chung oder auch sons­ti­gen ein­ge­hen­den Un­ter­su­chung der Um­lenk­rol­le (z. B. durch Tas­ten) der be­vor­ste­hen­de Scha­den nicht fest­ge­stellt wer­den kön­ne (Sei­te 3). Wer­de al­ter­na­tiv da­von aus­ge­gan­gen, dass ein Fremd­kör­per im Zahn­rie­men­trieb zu dem ent­spre­chen­den Scha­den ge­führt ha­be, so sei nicht ein­deu­tig re­kon­stru­ier­bar, zu wel­chem Zeit­punkt der ent­spre­chen­de Fremd­kör­per in den Zahn­rie­men­trieb ge­kom­men sei und ob die­ser zum Zeit­punkt der mög­li­chen Über­prü­fung des Zahn­rie­mens und der Rol­len be­reits vor­han­den ge­we­sen sei (Sei­te 3). Dar­über hin­aus sei auch nicht ein­deu­tig zu re­kon­stru­ie­ren, ob der ent­spre­chen­de Fremd­kör­per selbst bei sorg­fäl­ti­ger Un­ter­su­chung des Zahn­rie­mens und der Rol­len auf­grund der Ein­seh­bar­keit des ent­spre­chen­den Mo­tor­be­reichs er­kenn­bar ge­we­sen wä­re. Auch nach ei­nem Ab­bau der Zahn­rie­men­ab­de­ckung sei nicht si­cher da­von aus­zu­ge­hen, dass ein ent­spre­chend be­vor­ste­hen­der Scha­den – selbst bei ein­ge­hen­der Un­ter­su­chung – er­kenn­bar ge­we­sen sei (Sei­te 4). Wenn al­ter­na­tiv da­von aus­ge­gan­gen wer­de, dass vor dem mög­li­chen Zeit­punkt der Un­ter­su­chung des Zahn­rie­mens und der Rol­len ein Über­dre­hen des Mo­tors vor­ge­le­gen ha­be, so sei dies eben­falls nicht si­cher am Zahn­rie­men oder den Rol­len er­kenn­bar (Sei­te 4).

Das Land­ge­richt ist die­sen über­zeu­gen­den und ein­deu­ti­gen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. Dr. P ge­folgt und hat hier­aus in nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se den Schluss ge­zo­gen, dass selbst bei ei­nem Hin­weis der Be­klag­ten auf ei­ne so­fort not­wen­di­ge In­spek­ti­on un­ter Ein­schluss ei­ner Über­prü­fung des Zahn­rie­mens nicht mit der nicht mit der für § 286 ZPO er­for­der­li­chen Ge­wiss­heit fest­ge­stellt wer­den kann, dass hier­durch der ka­pi­ta­le Mo­tor­scha­den ver­hin­dert wor­den wä­re.

(4) Die­sem für sie un­güns­ti­gen Be­wei­s­er­geb­nis zum Kau­sal­zu­sam­men­hang in ers­ter In­stanz kann die Klä­ge­rin nun in der Be­ru­fung nicht mit der pau­scha­len Be­haup­tung be­geg­nen, es sei fest­zu­hal­ten, dass vie­le Werk­stät­ten auch un­ab­hän­gig von den Her­stel­ler­vor­ga­ben ei­nen Wech­sel der Spann­rol­le (Um­lenk­rol­le?) ab ei­nem ge­wis­sen Ki­lo­me­ter­stand emp­föh­len und es auch im kon­kre­ten Fall an­ge­bracht ge­we­sen sei, ei­ne der­ar­ti­ge Emp­feh­lung aus­zu­spre­chen, wie der nun­mehr ein­ge­tre­te­ne ka­pi­ta­le Mo­tor­scha­den zei­ge.

Die­ser Ein­wand ist nicht ge­eig­net, der Be­ru­fung zu ei­nem güns­ti­ge­ren Er­geb­nis zu ver­hel­fen. Die Klä­ge­rin selbst hat sich zur Be­grün­dung ih­rer Kla­ge auf die Her­stel­ler­vor­ga­ben des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs und die dort mit­ge­teil­ten War­tungs­in­ter­val­le be­zo­gen. Der War­tungs­plan des Her­stel­lers Dae­woo sieht vor, dass bei dem klä­ge­ri­schen Fahr­zeug­typ der Zahn­rie­men al­le vier Jah­re oder bei ei­ner Lauf­leis­tung von (er­neut) 60.000 km ge­wech­selt wer­den soll. Bei ei­nem Fahr­zeugal­ter von sechs Jah­ren bzw. ei­ner Lauf­leis­tung von 90.000 km ist nur ein Ser­vice­in­ter­vall vor­ge­se­hen, wel­ches die Kon­trol­le des Zahn­rie­mens be­inhal­tet. Der Zahn­rie­men und die da­zu­ge­hö­ri­gen Tei­le sind „zu prü­fen, er­for­der­li­chen­falls zu kor­ri­gie­ren … oder aus­zu­wech­seln“. Aus­ge­hend von die­sem War­tungs­plan ist die Wer­tung des Land­ge­richts, dass nach den Her­stel­ler­vor­ga­ben nicht au­to­ma­tisch ein Aus­tausch des Zahn­rie­mens nebst Zu­be­hör vor­zu­neh­men ge­we­sen wä­re, nur fol­ge­rich­tig.

Die hier­von ab­wei­chen­de, von der Be­ru­fung pau­schal auf­ge­stell­te Be­haup­tung, im Fall der Klä­ge­rin ha­be – un­ab­hän­gig von der Er­kenn­bar­keit ei­ner (Vor-)Schä­di­gung des Zahn­rie­mens und der Um­lenk­rol­len – von der Be­klag­ten auf­grund der ho­hen Lauf­leis­tung ein Aus­tausch emp­foh­len wer­den müs­sen, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Wenn die Klä­ge­rin die War­tungs­in­ter­val­le bis zum Scha­dens­zeit­punkt ein­ge­hal­ten hat, dann dürf­te der zum Scha­dens­zeit­punkt ein­ge­bau­te Zahn­rie­men erst ei­ner Lauf­leis­tung von ca. 30.000 km aus­ge­setzt ge­we­sen sein. War­um in ei­nem sol­chen Fall die Werk­statt dem Kun­den oh­ne er­kenn­ba­ren An­lass zum (er­neu­ten) Aus­tausch des Zahn­rie­mens ra­ten soll­te, er­schließt sich nicht.

ee) Un­be­scha­det der vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen kann der Ent­schei­dung des Se­nats in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht zu­grun­de ge­legt wer­den, dass die Klä­ge­rin – und nur dann wä­ren im Streit­fall wei­ter­ge­hen­de Be­ra­tungs­pflich­ten der Be­klag­ten und ein Hin­wir­ken auf ei­ne so­for­ti­ge In­spek­ti­on über­haupt in Be­tracht zu zie­hen – die Be­klag­te vor Er­tei­lung des Werk­statt­auf­trags am 13.05.2011 aus­drück­lich über das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert hat. Die­se be­strit­te­ne Be­haup­tung, auf der die ge­sam­te Be­ru­fung in tat­säch­li­cher Hin­sicht auf­baut, ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung des ge­sam­ten In­halts der Pro­zess­ak­te und der ur­kund­lich ver­wert­ba­ren erst­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me nicht glaub­haft.

(1) Die Klä­ge­rin hat dies zwar im Rah­men ih­rer per­sön­li­chen An­hö­rung im Ter­min vom 07.01.2014 zu Pro­to­koll ge­ge­ben. Sie hat be­haup­tet, sie ha­be den Wa­gen in der Werk­statt bei der Be­klag­ten an­ge­mel­det, weil die Mo­tor­warn­leuch­te an­ge­gan­gen sei, der Wa­gen ko­mi­sche Ge­räu­sche ge­macht ha­be und auch der Rei­fen­wech­sel an­ge­stan­den ha­be. Bei der Auf­trags­an­nah­me ha­be man dann ge­sagt, dass man dar­aus am bes­ten zwei Ter­mi­ne ma­chen wür­de, ei­nen für den Rei­fen­wech­sel am 13.05. und ei­nen für das Durch­che­cken des Fahr­zeugs am 13.06.2011. Ei­nen frü­he­ren frei­en Ter­min für ei­nen Kom­plett­check ha­be es bei der Be­klag­ten nicht ge­ge­ben. Sie, die Klä­ge­rin, ha­be bei die­sem ers­ten Ge­spräch und der Auf­trags­er­tei­lung mit­ge­teilt, dass das Au­to kom­plett durch­ge­checkt wer­den müs­se, weil die Warn­leuch­te an ge­we­sen sei. Sie ha­be von die­ser Warn­leuch­te be­rich­tet und auch von den Ge­räu­schen er­zählt. Das Ge­räusch kön­ne sie so be­schrei­ben, dass es ko­misch gekla­ckert ha­be. Die Auf­trags­ver­ga­be sei vor Ort in der Fir­ma er­folgt und da sei auch Herr R da­bei ge­we­sen. Sie ha­be den Werk­statt­auf­trag für den Rei­fen­wech­sel dann auch so un­ter­schrie­ben. Ei­nen Werk­statt­auf­trag für den 13.06.2011 ha­be sie noch nicht un­ter­schrie­ben, das ha­be dann er­fol­gen sol­len, wenn es so weit sei.

(2) Der Zeu­ge R, bei dem es sich um den da­ma­li­gen Le­bens­ge­fähr­ten der Klä­ge­rin han­delt und der erst­in­stanz­lich un­mit­tel­bar nach der An­hö­rung der Klä­ge­rin im sel­ben Ter­min als Zeu­ge an­ge­hört wur­de, hat die­se Be­haup­tun­gen im We­sent­li­chen be­stä­tigt. Er be­kun­de­te, er sei mit der Klä­ge­rin bei der Be­klag­ten ge­we­sen, um den Wa­gen für ei­nen Ser­vice an­zu­mel­den. Es sei da­mals dar­um ge­gan­gen, dass die Mo­tor­warn­leuch­te ge­leuch­tet ha­be. Dar­über hin­aus hät­ten ein Rei­fen­wech­sel und ei­ne Spu­r­ein­stel­lung ge­macht wer­den sol­len. Die Ter­min­aus­wahl sei durch die Be­klag­te er­folgt. Es sei­en zwei Ter­mi­ne vor­ge­ge­ben wor­den. Das ha­be wohl dar­an ge­le­gen, dass die Be­klag­te da­mals re­la­tiv aus­ge­bucht ge­we­sen sei. Es sei dann der Vor­schlag der Be­klag­ten ge­we­sen, dass zu­nächst ein­mal das Kon­kre­te ge­macht wird und dann das re­la­tiv Un­kon­kre­te, näm­lich die Pro­ble­ma­tik mit der Mo­tor­warn­leuch­te nä­her durch­ge­checkt wird. Auf Nach­fra­ge hat der Zeu­ge dar­auf be­harrt, dass in sei­nem Bei­sein bei der Auf­trags­ver­ga­be auch dar­über ge­spro­chen wor­den sei, dass der Mo­tor ge­checkt wer­den soll. Es sei auch mit­ge­teilt wor­den, dass es vor­ne ra­schelt.

(3) Die Be­klag­te ist die­sen Be­kun­dun­gen mit be­acht­li­chen Ar­gu­men­ten ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie hat vor­ge­tra­gen, sie hät­te bei ei­ner In­for­ma­ti­on dar­über, dass das Fahr­zeug Ge­räu­sche ver­ur­sa­che oder ein Warn­si­gnal auf­leuch­te, ei­nen Werk­statt­auf­trag über den Rei­fen­wech­sel nebst Spu­r­ein­stel­lung über­haupt nicht an­ge­nom­men. Sie hät­te dann ent­we­der die Kun­din ins­ge­samt weg­ge­schickt oder in je­dem Fall zu­nächst ei­ne Über­prü­fung des Fahr­zeugs durch­ge­führt. Es sei völ­lig un­plau­si­bel, bei dem von der Klä­ge­rin ge­schil­der­ten Sach­ver­halt zu­nächst ei­nen Rei­fen­wech­sel durch­zu­füh­ren, oh­ne über­haupt zu wis­sen, wel­che Män­gel an dem Fahr­zeug be­ste­hen.

(4) Die­sen Vor­trag der Be­klag­ten ha­ben die Zeu­gen P und S in de­ren Ver­neh­mung am 06.05.2014 be­stä­tigt. Bei­de konn­ten sich zwar je­weils nicht dar­an er­in­nern, bei der An­nah­me des Auf­trags selbst da­bei ge­we­sen zu sein. Der Zeu­ge P, bei dem es sich um ei­nen bei der Be­klag­ten an­ge­stell­ten Ser­vice­be­ra­ter und Kfz-Me­cha­ni­ker han­delt, hat zur ge­ne­rel­len Vor­ge­hens­wei­se aus­ge­sagt, wenn sol­che Sa­chen mit­ge­teilt wür­den, wer­de man sich zu­nächst dem grö­ße­ren Auf­trag bzw. dem grö­ße­ren Scha­den zu­wen­den, be­vor man dann ei­nen Rei­fen­wech­sel ma­che. Wenn bei der ers­ten Auf­trags­an­nah­me be­reits be­spro­chen ge­we­sen wä­re, dass es dort ein Mo­tor­ge­räusch gibt oder die Mo­tor­warn­leuch­te brennt, wä­re dies auch di­rekt in den Auf­trag hin­ein ge­kom­men. Man hät­te si­cher­lich nicht vier Rei­fen ge­tauscht, um dann fest­zu­stel­len, dass der Mo­tor nichts mehr taugt. Wenn es ein Mo­tor­ge­räusch oder ein ent­spre­chen­des Auf­leuch­ten der Warn­leuch­te ge­ge­ben hät­te, dann hät­te er auch kei­nen wei­te­ren Fol­ge­ter­min fest­ge­hal­ten, son­dern sich zu­nächst um das Mo­tor­ge­räusch ge­küm­mert, weil es gar kei­nen Sinn ma­che, vor die­sem Hin­ter­grund die Rei­fen zu wech­seln. Wenn er dies ma­chen wür­de, müss­te er sei­nen Schein ab­ge­ben.

Der Zeu­ge S, bei dem es sich eben­falls um ei­nen An­ge­stell­ten der Be­klag­ten und ei­nen Kfz-Meis­ter han­delt, be­kun­de­te, es ha­be sich um ei­nen nor­ma­len Ter­min zum Rei­fen­wech­seln ge­han­delt. Ihm sei nichts da­von be­kannt, dass im Vor­feld das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te oder Ge­räu­sche aus dem Mo­tor an­ge­zeigt wor­den wä­ren. Wenn es Hin­wei­se auf das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te oder Ge­räu­sche aus dem Mo­tor ge­ge­ben hät­te, wä­re er nor­ma­ler­wei­se zu in­for­mie­ren ge­we­sen.

(5) Die Zeu­gin B, die das Fahr­zeug zum Scha­dens­zeit­punkt fuhr, hat auf Be­fra­gen be­kun­det, ihr sei bei der Hin­fahrt zu dem Sub­un­ter­neh­mer an dem Fahr­zeug nichts auf­ge­fal­len, es hät­ten kei­ne Lam­pen ge­leuch­tet, und wenn ei­ne Lam­pe ge­leuch­tet hät­te, wä­re sie auch nicht wei­ter-, son­dern an die Sei­te ge­fah­ren. Auch Ge­räu­sche ha­be sie nicht ge­hört, das ein­zi­ge Ge­räusch, das zu hö­ren ge­we­sen sei, sei das Knal­len ge­we­sen, nach­dem sie bei der Achs­ver­mes­sung wie­der los­ge­fah­ren sei.

(6) In der Ge­samt­schau und un­ter Be­rück­sich­ti­gung der sich ge­gen­über­ste­hen­den An­ga­ben der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R ei­ner­seits und der An­ga­ben der Zeu­gen P, S und B an­de­rer­seits ist der Se­nat nicht mit der für § 286 ZPO er­for­der­li­chen Ge­wiss­heit da­von über­zeugt, dass die Be­haup­tung der Klä­ge­rin, sie ha­be die Be­klag­te vor Er­tei­lung des Werk­statt­auf­trags am 13.05.2011 aus­drück­lich über das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert, wahr ist.

Den pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­gen der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R ste­hen die pro­to­kol­lier­ten An­ga­ben der Zeu­gen P, S und B ge­gen­über. Letz­te­re sind ge­eig­net, durch­grei­fen­de Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Aus­sa­gen der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R zu we­cken. Im Ver­gleich zu den Aus­sa­gen der Zeu­gen P und S sind die Schil­de­run­gen der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R zum Ab­lauf der Auf­trags­ver­ga­be, wie sie sich im kon­kre­ten Fall ab­ge­spielt ha­ben soll, le­bens­fremd. Kein ver­nünf­ti­ger Mensch wür­de bei den von der Klä­ge­rin an­geb­lich selbst fest­ge­stell­ten Hin­wei­sen auf ei­nen De­fekt im Be­reich des Mo­tors zu­nächst nur ei­nen Rei­fen­wech­sel und ei­ne Spu­r­ein­stel­lung in Auf­trag ge­ben und we­gen ei­nes erst spä­ter mög­li­chen Über­prü­fungs­ter­mins in der Werk­statt in Kauf neh­men, noch meh­re­re Wo­chen mit den be­schrie­be­nen Ge­räu­schen bzw. der auf­leuch­ten­den Warn­leuch­te oh­ne Kennt­nis der Ur­sa­che wei­ter­zu­fah­ren. Selbst für ei­nen nicht fach­kun­di­gen Kun­den ist auch oh­ne ge­son­der­ten Hin­weis of­fen­sicht­lich, dass ei­ne auf­leuch­ten­de Mo­tor­warn­lam­pe un­mit­tel­ba­ren War­tungs­be­darf be­grün­det.

Die Zwei­fel an der Rich­tig­keit der klä­ge­ri­schen Dar­stel­lung zu den Um­stän­den der Auf­trags­ver­ga­be wer­den mit Blick auf den Ver­fah­rens­ab­lauf auch da­durch be­stärkt, dass die Klä­ge­rin die Be­haup­tung, sie ha­be die Be­klag­te bei Er­tei­lung des Werk­statt­auf­trags am 13.05.2011 aus­drück­lich über ein Auf­leuch­ten der Mo­tor­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche un­ter­rich­tet, über­haupt erst­mals im Rah­men ih­rer per­sön­li­chen An­hö­rung im Ter­min vom 07.01.2014 – mit­hin nach über ein­jäh­ri­ger Pro­zess­dau­er, un­ter Ein­be­zug des selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­rens so­gar erst nach zwei­ein­halb­jäh­ri­ger Ver­fah­rens­dau­er – auf­ge­stellt hat. Das ist nicht ver­ständ­lich, han­delt es sich doch in Be­zug auf die Be­ur­tei­lung des Pflich­ten­krei­ses der Be­klag­ten um ei­ne ganz we­sent­li­che In­for­ma­ti­on.

Ge­gen den von der Klä­ge­rin und dem Zeu­gen R ge­schil­der­ten Ge­sche­hens­ab­lauf zur Auf­trags­ver­ga­be spricht fer­ner, dass in dem zur Ak­te ge­reich­ten Werk­statt­auf­trag die an­geb­lich the­ma­ti­sier­te Pro­ble­ma­tik mit der auf­leuch­ten­den Warn­leuch­te und den be­schrie­be­nen Ge­räu­schen nicht ver­merkt ist. Auch das wi­der­spricht jeg­li­cher prak­ti­schen Le­bens­er­fah­rung.

So­weit die Be­ru­fung ih­rer­seits die Aus­sa­gen der Zeu­gen P und S un­ter Hin­weis dar­auf an­zwei­felt, die­se hät­ten nicht er­klä­ren kön­nen, wes­halb auf der Rech­nung das Auf­fül­len von ei­nem Li­ter Mo­tor­öl auf­ge­lis­tet wor­den sei, geht die­ser Ein­wand fehl. Ei­ne Rech­nung der Be­klag­ten über die er­brach­ten Leis­tun­gen ist über­haupt nicht vor­ge­legt, son­dern nur die Ko­pie des Werk­statt­auf­trags vom 13.05.2011. So­weit dar­auf hand­schrift­lich „1 L 5 W 40“ ver­merkt ist, steht nicht fest, von wem die­ser Zu­satz stammt. Die Be­klag­te hat be­strit­ten, dass die­se Ein­tra­gung von ei­nem ih­rer Mit­ar­bei­ter stammt.

All dies führt den Se­nat in der Ge­samt­schau zu dem Schluss, dass die An­ga­ben der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R zu den Um­stän­den der Auf­trags­ver­ga­be und ins­be­son­de­re dem an­geb­li­chen Hin­weis auf ei­ne bren­nen­de Mo­tor­warn­leuch­te und Ge­räu­sche im Be­reich des Mo­tors zwei­fel­haft sind und der Se­nat nicht von ih­rer Rich­tig­keit über­zeugt ist. Die­se Be­weis­wür­di­gung kann der Se­nat oh­ne Wie­der­ho­lung der erst­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me tref­fen, denn die pro­to­kol­lier­ten erst­in­stanz­li­chen Aus­sa­gen dür­fen vom Be­ru­fungs­ge­richt nach pflicht­ge­mä­ßem Er­mes­sen je­den­falls dann oh­ne er­neu­te Ver­neh­mung ge­wür­digt wer­den, wenn das an­ge­foch­te­ne Ur­teil den Aus­sa­gen kei­ne Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und sie des­halb über­haupt nicht ge­wür­digt hat­te (vgl. Ah­rens, Der Be­weis im Zi­vil­pro­zess, 2015, § 140 Rn. 122 un­ter Hin­weis auf BGH, NJW 1972, 584). So liegt es hier. Das Land­ge­richt hat die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Fra­ge, ob die Klä­ge­rin die Be­klag­te bei der Auf­trags­ver­ga­be über ein Auf­leuch­ten der Mo­tor­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert hat, of­fen­ge­las­sen und zur Glaub­haf­tig­keit der An­ga­ben der Klä­ge­rin und des Zeu­gen R kon­se­quen­ter­wei­se kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen. Ei­ner wie­der­hol­ten Ver­neh­mung der Klä­ge­rin und der Zeu­gen be­darf es zur Glaub­haf­tig­keits­be­ur­tei­lung nicht. So­weit die ge­sam­te Be­ru­fung in tat­säch­li­cher Hin­sicht dar­auf auf­baut, dass die Klä­ge­rin die Be­klag­te vor Er­tei­lung des Werk­statt­auf­trags am 13.05.2011 aus­drück­lich über das Auf­leuch­ten der Mo­tor­warn­leuch­te und da­mit ein­her­ge­hen­de Ge­räu­sche in­for­miert hat, kann dies der Ent­schei­dung des Se­nats nicht zu­grun­de ge­legt wer­den.

III. Ei­ne Haf­tung der Be­klag­ten we­gen ei­nes schuld­haf­ten Fahr­feh­lers der Zeu­gin B und ei­nem sich hier­aus et­waig er­ge­ben­den Scha­dens­er­satz­an­spruch nach §§ 280 I, 631, 241 II BGB hat das Land­ge­richt be­an­stan­dungs­frei mit dem Ar­gu­ment ver­neint, dass die Klä­ge­rin auf der Grund­la­ge durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me be­reits den Nach­weis ei­nes Fahr­feh­lers und da­mit ei­ner der Be­klag­ten ge­mäß § 278 BGB zu­re­chen­ba­ren Pflicht­ver­let­zung nicht ge­führt hat Dies nimmt die Be­ru­fung hin.

IV. Ei­ne et­wai­ge de­lik­ti­sche Haf­tung der Be­klag­ten aus § 831 I BGB hat das Land­ge­richt nicht ge­prüft. Die­ses Säum­nis er­weist sich im Er­geb­nis als un­schäd­lich, denn zwar ist der Mo­tor­scha­den an dem klä­ge­ri­schen Fahr­zeug bei der Fahrt durch die Zeu­gin B auf­ge­tre­ten; die Zeu­gin hat mit­hin als von der Be­klag­ten für die­se Fahrt ein­ge­setz­te Ver­rich­tungs­ge­hil­fin das Ei­gen­tum der Klä­ge­rin durch ei­ne Hand­lung ge­schä­digt, und zwi­schen der Fahrt und dem Mo­tor­scha­den be­steht ein un­mit­tel­ba­rer Kau­sal­zu­sam­men­hang. In­des ist die Be­klag­te hin­sicht­lich ei­ner et­wai­gen wi­der­recht­li­chen Scha­dens­zu­fü­gung durch die Zeu­gin zu­min­dest ge­mäß § 831 I 2 Fall 2 BGB ent­las­tet, denn der Se­nat er­ach­tet es auf der Grund­la­ge der vom Land­ge­richt zum Fahr­ver­hal­ten der Zeu­gin B ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen als aus­ge­schlos­sen, dass ei­ne et­waig un­sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl oder Über­wa­chung der Zeu­gin Ein­fluss auf die Scha­dens­ent­ste­hung hat­te …

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