1. Ein VW-Ver­trags­händ­ler han­delt grund­sätz­lich nicht wi­der Treu und Glau­ben (§ 242 BGB), wenn er ge­gen­über dem An­spruch ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Käu­fers auf Nach­er­fül­lung – hier: durch Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs (§ 437 Nr. 1, § 439 I Fall 2 BGB) – die Ein­re­de der Ver­jäh­rung er­hebt.
  2. Ein recht­lich selbst­stän­di­ger VW-Ver­trags­händ­ler muss sich ein mög­li­cher­wei­se arg­lis­ti­ges Ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern der Volks­wa­gen AG im Zu­sam­men­hang mit dem VW-Ab­gas­skan­dal nicht zu­rech­nen las­sen. Ins­be­son­de­re ist die Volks­wa­gen AG im Ver­hält­nis zu dem Ver­trags­händ­ler ein „Drit­ter“ i. S. des § 123 II BGB.

OLG Mün­chen, Ur­teil vom 03.07.2019 – 3 U 4029/18

Sach­ver­halt: Der Klä­ger kauf­te von der Be­klag­ten am 19.09.2012 ei­nen neu­en VW Ti­gu­an der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on („VW Ti­gu­an I“), der ihm am 21.01.2013 über­ge­ben wur­de. Weil die­ses Fahr­zeug vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen ist und der Klä­ger es des­halb für man­gel­haft hält, be­gehrt er von der Be­klag­ten ge­stützt auf § 437 Nr. 1, § 439 I Fall 2 BGB die Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs.

Das Land­ge­richt hat die auf Er­satz­lie­fe­rung, Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten und Frei­stel­lung von vor­ge­richt­lich ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Mit sei­ner Be­ru­fung ver­folg­te der Klä­ger die in ers­ter In­stanz ge­stell­ten An­trä­ge wei­ter.

Er wand­te sich ge­gen die Auf­fas­sung des Land­ge­richts, dass ei­ne Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB) i. S. von § 275 I BGB un­mög­lich sei. Die An­sicht des Land­ge­richts, dass der von ihm – dem Klä­ger – er­wor­be­ne VW Ti­gu­an nicht der­sel­ben Gat­tung an­ge­hö­re wie ein Fahr­zeug aus der ak­tu­el­len Se­ri­en­pro­duk­ti­on, sei un­ver­tret­bar. Auch er­ge­be die Aus­le­gung des Kauf­ver­trags, dass kei­ne Un­mög­lich­keit vor­lie­ge. Die Par­tei­en hät­ten un­strei­tig ei­ne Gat­tungs­schuld ver­ein­bart, und bei der Be­ur­tei­lung, was zu der ver­ein­bar­ten Gat­tung ge­hö­re, sei­en die Neu­wa­gen-Ver­kaufs­be­din­gun­gen der Be­klag­ten zu be­rück­sich­ti­gen.

In die­sen Be­din­gun­gen heißt es un­ter an­de­rem:

IV. Lie­fe­rung und Lie­fer­ver­zug


6. Kon­struk­ti­ons- oder Form­än­de­run­gen, Ab­wei­chun­gen im Farb­ton so­wie Än­de­run­gen des Lie­fer­um­fangs sei­tens des Her­stel­lers blei­ben wäh­rend der Lie­fer­zeit vor­be­hal­ten, so­fern die Än­de­run­gen oder Ab­wei­chun­gen un­ter Be­rück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­käu­fers für den Käu­fer zu­mut­bar sind. …“

Die­se Klau­sel – so mach­te der Klä­ger gel­tend – be­zie­he sich ins­be­son­de­re auf ei­nen Mo­dell­wech­sel. Vor­lie­gend ha­be in­des nicht ein­mal ein Mo­dell­wech­sel statt­ge­fun­den, son­dern ei­ne rei­ne Mo­dell­pfle­ge („Face­lift“). Schon des­halb un­ter­schie­den sich Fahr­zeu­ge aus der ak­tu­el­len Se­ri­en­pro­duk­ti­on nur ge­ring­fü­gig von dem streit­ge­gen­ständ­li­chen man­gel­haf­ten Fahr­zeug.

Die­ses Fahr­zeug kön­ne nicht nach­ge­bes­sert wer­den; viel­mehr sei die ein­zi­ge Mög­lich­keit, Ab­hil­fe zu schaf­fen, die Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs. Des­halb kön­ne die Be­klag­te nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, die von ihm – dem Klä­ger – ver­lang­te Er­satz­lie­fe­rung ver­ur­sa­che im Ver­gleich zu ei­ner Nach­bes­se­rung (§ 439 I Fall 1 BGB) als un­ver­hält­nis­mä­ßig zu be­wer­ten­den Kos­ten (re­la­ti­ve Un­ver­hält­nis­mä­ßig­keit).

Ab­ge­se­hen da­von be­ste­he ein An­spruch auf Er­satz­lie­fe­rung auch ge­mäß §§ 280 I, 311 II und III, 241 II BGB. Die Be­son­der­hei­ten der Be­zie­hung ei­nes Fahr­zeug­her­stel­lers zu sei­nen Ver­trags­händ­lern recht­fer­ti­ge es, dem Ver­trags­händ­ler das – nach Auf­fas­sung des Klä­gers – arg­lis­ti­ge Ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter der Volks­wa­gen AG zu­zu­rech­nen.

Die Be­klag­te hält die Be­ru­fung für un­zu­läs­sig. Sie meint, das Land­ge­richt ha­be ei­nen An­spruch des Klä­gers auf Er­satz­lie­fe­rung rechts­feh­ler­frei we­gen Un­mög­lich­keit ver­neint. Dar­auf, ob ei­ne Er­satz­lie­fe­rung im Ver­gleich zu ei­ner Nach­bes­se­rung als un­ver­hält­nis­mä­ßig zu be­wer­ten­den Kos­ten ver­ur­sa­che, kom­me es des­halb nicht an. Im Üb­ri­gen lei­de ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nes Fahr­zeug schon nicht an ei­nem Sach- oder Rechts­man­gel.

Der VW Ti­gu­an wer­de so, wie in der Klä­ger er­hal­ten ha­be – näm­lich mit ei­nem Die­sel­mo­tor mit ei­ner Leis­tung von 125 kW bzw. 170 PS –, schon seit Ok­to­ber 2012 nicht mehr her­ge­stellt; seit Ju­ni 2016 sei­en oh­ne­hin nur Fahr­zeu­ge der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on („VW Ti­gu­an II“) er­hält­lich. Die Er­satz­lie­fe­rung ei­nes sol­chen Fahr­zeugs kön­ne der Klä­ger auch mit Blick auf die von ihm ins Feld ge­führ­ten Neu­wa­gen-Ver­kaufs­be­din­gun­gen nicht mit Er­folg ver­lan­gen. Der dar­in ent­hal­te­ne Än­de­rungs­vor­be­halt be­tref­fe aus­schließ­lich Än­de­run­gen wäh­rend der Lie­fer­zeit des ur­sprüng­lich be­stell­ten Fahr­zeugs.

Je­den­falls ste­he ei­ner Er­satz­lie­fe­rung ent­ge­gen, dass sie die da­mit ver­bun­de­nen Kos­ten die mit ei­ner Nach­bes­se­rung ver­bun­de­nen Kos­ten in Hö­he von rund 100 € um cir­ca das 27.000-Fa­che über­stie­gen. Ei­ne Er­satz­lie­fe­rung sei da­mit of­fen­sicht­lich al­len­falls mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten mög­lich.

Mit Schrift­satz vom 07.05.2019 hat die Be­klag­te die Ein­re­de der Ver­jäh­rung er­ho­ben, und zwar un­ter Hin­weis dar­auf, dass die zwei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist (§ 438 I Nr. 3, II BGB) be­reits im Ja­nu­ar 2015 ab­ge­lau­fen sei. Zu die­ser Ein­re­de hat der Klä­ger un­ter dem 29.05.2019 Stel­lung ge­nom­men.

Die Be­ru­fung hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: II. Die Be­ru­fung ist zu­läs­sig, aber nicht be­grün­det.

1. Der Zu­läs­sig­keit der Be­ru­fung ste­hen Be­den­ken nicht ent­ge­gen. Dass der An­trag auf Auf­he­bung des Ur­teils und Zu­rück­ver­wei­sung nicht be­grün­det wur­de, be­rührt die Zu­läs­sig­keit der Be­ru­fung nicht, zu­mal die hilfs­wei­se ge­stell­ten An­trä­ge den in ers­ter In­stanz ge­stell­ten ent­spre­chen; es ist nicht er­kenn­bar, dass sich aus § 520 III 2 Nr. 1 ZPO er­ge­ben­de An­for­de­run­gen an die Be­ru­fungs­an­trä­ge hier nicht ein­ge­hal­ten wä­ren. Un­ge­ach­tet des­sen, dass die Be­ru­fungs­be­grün­dung Aus­füh­run­gen ent­hält, die in­halts­gleich in Par­al­lel­ver­fah­ren vor­ge­bracht wer­den, sind je­den­falls Um­stän­de, aus de­nen sich die ver­meint­li­che Rechts­ver­let­zung und de­ren Er­heb­lich­keit für die vor­lie­gend an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung er­gibt, an­ge­führt, zu­mal im Zu­sam­men­hang mit der vom Land­ge­richt als ein we­sent­li­cher Grund für die Kla­ge­ab­wei­sung an­ge­führ­ten Un­mög­lich­keit der Nach­lie­fe­rung ge­mäß § 275 I BGB und der nach klä­ge­ri­scher Auf­fas­sung ver­fehl­ten Aus­le­gung der Zif­fer IV 6 der Neu­wa­gen-Ver­kaufs­be­din­gun­gen. Von da­her er­füllt die Be­ru­fungs­be­grün­dung auch die An­for­de­run­gen von § 520 III 2 Nr. 2 ZPO.

2. Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­grün­det. Die mit Schrift­satz der Be­klag­ten­ver­tre­ter vom 07.05.2019 er­ho­be­ne Ein­re­de der Ver­jäh­rung greift durch und führt da­zu, dass die Be­klag­te die Leis­tung be­tref­fend die sei­tens des Klä­gers gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che ge­mäß § 214 I BGB dau­er­haft ver­wei­gern kann.

Die im Kauf­recht gel­ten­de zwei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 438 I Nr. 3 BGB war im Ja­nu­ar 2015 ab­ge­lau­fen, da das vom Klä­ger am 19.09.2012 ver­bind­lich be­stell­te streit­ge­gen­ständ­li­che Kraft­fahr­zeug am 21.01.2013 an den Klä­ger aus­ge­lie­fert wur­de.

An die Be­klag­te tra­ten die an­walt­li­chen Ver­tre­ter des Klä­gers erst­mals mit Schrift­satz vom 26.07.2017 her­an und mach­ten Män­gel­an­sprü­che gel­tend, wo­bei sie im Rah­men der ver­meint­li­chen Nach­er­fül­lungs­rech­te ge­mäß § 439 I BGB die Nach­lie­fe­rung ei­nes ver­trags­ge­mä­ßen man­gel­frei­en Neu­wa­gens for­der­ten. Die Be­klag­te hat mit Schrei­ben vom 03.08.2017 die Nach­lie­fe­rung ab­ge­lehnt, wor­auf­hin am 27.12.2017 Kla­ge zum LG Deg­gen­dorf er­ho­ben wor­den ist.

Tat­säch­lich sind et­wai­ge Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che aus §§ 434 I, 435 Satz 1, § 437 BGB ge­mäß § 438 I Nr. 3 BGB – ent­ge­gen der vom Klä­ger ver­tre­te­nen Auf­fas­sung – ver­jährt. Un­er­heb­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang, ob die vom Klä­ger be­haup­te­ten Män­gel Sach- (§ 434 I BGB) oder Rechts­män­gel (§ 435 Satz 1 BGB) dar­stel­len, da die Ge­währ­leis­tungs­fris­ten gleich­lau­fen.

Auf § 438 III BGB kann sich der Klä­ger nicht be­ru­fen.

Da­nach ver­jäh­ren die Män­gel­an­sprü­che in Arg­list­fäl­len in der re­gel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist der §§ 195, 199 BGB. Ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund, dass der arg­lis­tig Han­deln­de an­sons­ten pri­vi­le­giert wür­de, er­streckt sich die Ver­wei­sung auf das all­ge­mei­ne Ver­jäh­rungs­recht nicht nur auf die Frist des § 195 BGB, son­dern auch auf den Frist­be­ginn nach § 199 BGB. Da­mit be­ginnt die Ver­jäh­rungs­frist in­ner­halb der Höchst­gren­ze erst mit Kennt­nis des Man­gels. Arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen ei­nes Man­gels ist in die­sem Zu­sam­men­hang so zu ver­ste­hen, dass der Ver­käu­fer ei­nen Man­gel ver­schweigt, den er zu­min­dest für mög­lich hält, und da­bei bil­li­gend in Kauf nimmt, dass der Käu­fer den Man­gel nicht kennt und bei Kennt­nis den Ver­trag je­den­falls nicht so ab­ge­schlos­sen hät­te.

Hier kann von ei­ge­ner Kennt­nis ei­nes sol­chen Man­gels bei der Be­klag­ten zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses oh­ne­hin nicht die Re­de sein.

So­weit beim Her­stel­ler des Fahr­zeugs (Volks­wa­gen AG) ent­spre­chen­de Kennt­nis­se vor­lie­gen soll­ten, kön­nen die­se der Be­klag­ten nicht nach § 166 BGB zu­ge­rech­net wer­den. Auch füh­ren die für ju­ris­ti­sche Per­so­nen ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze hier nicht zu ei­ner Wis­sens­zu­rech­nung; die­se Recht­spre­chung be­trifft die Zu­rech­nung des Wis­sens von Or­gan­ver­tre­tern im Ver­hält­nis zu ju­ris­ti­schen Per­so­nen. Letz­te­re muss sich das Wis­sen al­ler ih­rer ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Or­ga­ne zu­rech­nen las­sen, selbst wenn das „wis­sen­de“ Or­gan­mit­glied an dem be­tref­fen­den Rechts­ge­schäft nicht selbst mit­ge­wirkt bzw. nichts da­von ge­wusst hat (BGH, Urt. v. 17.05.1995 – VI­II ZR 70/94, ju­ris Rn. 15). Die Her­stel­le­rin des Fahr­zeugs, die Volks­wa­gen AG, und die Be­klag­te ste­hen sich je­doch als ju­ris­tisch selbst­stän­di­ge Per­so­nen ge­gen­über. Die Be­klag­te ist auch nicht als Han­dels­ver­tre­te­rin der Volks­wa­gen AG an­zu­se­hen. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH ist der Vor­lie­fe­rant des Ver­käu­fers im Üb­ri­gen nicht des­sen Ge­hil­fe bei der Er­fül­lung der Ver­käu­fer­pflich­ten ge­gen­über dem Käu­fer; eben­so ist auch der Her­stel­ler der Kauf­sa­che nicht Er­fül­lungs­ge­hil­fe des Händ­lers, der die Sa­che an sei­nen Kun­den ver­kauft hat (vgl. BGH, Urt. v. 02.04.2014 – VI­II ZR 46/13, BGHZ 200, 337 = NJW 2014, 2183 Rn. 31). Dem­entspre­chend muss sich auch im Rah­men des § 123 BGB ein Au­to­mo­bil­ver­trags­händ­ler nicht das Wis­sen des Her­stel­lers zu­rech­nen las­sen (vgl. OLG Cel­le, Beschl. v. 30.06.2016 – 7 W 26/16, BeckRS 2016, 13999 Rn. 8; OLG Hamm, Beschl. v. 18.05.2017 – 2 U 39/17, BeckRS 2017, 115495 Rn. 4).

Die im klä­ge­ri­schen Schrift­satz vom 29.05.2019 an­ge­führ­ten Ent­schei­dun­gen sind sol­che von Ein­gangs­ge­rich­ten und Min­der­mei­nung ge­blie­ben. So­weit in dem zi­tier­ten Hin­weis­be­schluss des LG Köln (Hin­weis­be­schl. v. 30.05.2017 – 32 O 219/16) die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Ge­stal­tung der Au­ßen­dar­stel­lung des Ver­trags­händ­lers füh­re da­zu, „dass der un­be­fan­ge­ne Kun­de sie leicht für ei­ne Nie­der­las­sung des Her­stel­lers hal­ten könn­te“, letzt­lich sei „das ge­sam­te äu­ße­re Er­schei­nungs­bild ei­nes Ver­trags­händ­lers durch die Cor­po­ra­te Iden­ti­ty des Her­stel­lers vor­ge­ge­ben“, fehlt hier­zu ein ent­spre­chen­der Vor­trag, je­doch spricht al­lein schon die Ge­stal­tung der Rech­nung vom 21.01.2013 (An­la­ge K 1) ge­gen ein der­ar­ti­ges Er­schei­nungs­bild. Die Be­zeich­nung der Be­klag­ten lau­tet, oh­ne dass hier ein Mar­ken­na­me zu ent­neh­men ist, X-Au­to­land GmbH & Co. KG; die Lo­gos „VW“ auf der Rech­nung las­sen auch nicht die An­nah­me ent­ste­hen, die Be­klag­te sei ei­ne Werks­nie­der­las­sung bzw. Kon­zern­toch­ter der Volks­wa­gen AG.

So­weit die Kla­ge­par­tei ei­nen Be­schluss des Se­nats vom 23.03.2017 (OLG Mün­chen, Beschl. v. 23.03.2017 – 3 U 4316/16, BeckRS 2017, 105163 Rn. 15) zi­tiert, wo­nach der Ver­käu­fer sich das Ver­hal­ten des Her­stel­lers zu­rech­nen las­sen müs­se, ist die­se Pas­sa­ge in an­de­rem Zu­sam­men­hang zu se­hen, näm­lich da­hin ge­hend, dass sich der Ver­käu­fer in­so­weit das Ver­hal­ten des Her­stel­lers zu­rech­nen las­sen muss, als er sich des­sen Mit­hil­fe zur Nach­er­fül­lung zu­nut­ze macht. Auf die hier frag­li­che The­ma­tik ist dies nicht über­trag­bar. Auch kann ei­ne Wis­sens­zu­rech­nung nicht über ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 166 II BGB be­grün­det wer­den. Der Se­nat folgt in­so­weit den zu­tref­fen­den Aus­füh­run­gen des OLG Hamm in sei­nem Be­schluss vom 18.05.2017 – 2 U 39/17, BeckRS 2017, 115495 Rn. 6).

Für die in der Be­ru­fungs­be­grün­dung un­ter B und C her­an­ge­zo­ge­nen wei­te­ren an­geb­li­chen An­spruchs­grund­la­gen gilt das Vor­ste­hen­de ent­spre­chend.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ist auch nicht treu­wid­rig i. S. des § 242 BGB. Zwar kann im Ein­zel­fall ei­ne Rechts­aus­übung un­zu­läs­sig sein, wenn sich ob­jek­tiv das Ge­samt­bild ei­nes wi­der­sprüch­li­chen Ver­hal­tens er­gibt, weil das frü­he­re Ver­hal­ten mit dem spä­te­ren sach­lich un­ver­ein­bar ist und In­ter­es­sen der Ge­gen­sei­te im Hin­blick dar­auf vor­ran­gig schutz­wür­dig er­schei­nen (BGH, Beschl. v. 28.07.2015 – XII ZB 508/14, ju­ris Rn. 12). So liegt der Fall hier, eben­so wie in dem vom OLG Bran­den­burg (Beschl. v. 31.01.2017 – 2 U 39/16, BeckRS 2016, 126343 Rn. 20) ent­schie­de­nen Fall, nicht. Der Se­nat ist mit dem OLG Bran­den­burg der Auf­fas­sung, dass es nicht als treu­wid­rig zu be­wer­ten ist, wenn in der vor­lie­gen­den im Ver­trags­recht üb­li­chen Kon­stel­la­ti­on und bei der in § 438 BGB an­ge­leg­ten Ri­si­ko­ver­tei­lung letzt­lich der Käu­fer und nicht der eben­falls gut­gläu­bi­ge Ver­käu­fer das Ri­si­ko der Man­gel­haf­tig­keit trägt.

Die Be­klag­te hat beim Klä­ger zu­dem – man­gels ei­ge­ner Kennt­nis – im Hin­blick auf den Lauf der Ver­jäh­rung kei­nen be­son­de­ren Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen. So­weit die Kla­ge­par­tei un­ter Zif­fer 3 ih­res Schrift­sat­zes vom 29.05.2019 ei­ne An­ord­nung des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes ge­gen­über der Volks­wa­gen AG er­wähnt, dass auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ver­zich­tet wer­de, hat der in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­ge Klä­ger nicht dar­ge­tan, dass die Be­klag­te ge­gen­über dem Klä­ger auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ver­zich­tet hät­te. Sol­ches er­gibt sich auch nicht aus den vor­ge­leg­ten An­la­gen K 5 (An­ord­nung des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes vom 16.10.2015) noch aus der Mit­tei­lung der Volks­wa­gen AG vom 16.12.2015 (An­la­ge K 6, wo aus­drück­lich nur von der Volks­wa­gen AG die Re­de ist).

Der Se­nat geht von ei­nem Ver­zicht der Be­klag­ten auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung so­nach nicht aus.

Die Be­ru­fung des Klä­gers war nach al­le­dem zu­rück­zu­wei­sen.

An­lass, die Re­vi­si­on ge­mäß § 543 II ZPO zu­zu­las­sen, sieht der Se­nat nicht. Dass dem Kfz-Ver­trags­händ­ler nicht ei­ne even­tu­el­le Arg­list des Her­stel­lers zu­ge­rech­net wird, ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH und der Ober­ge­rich­te. Von die­sen weicht das Ur­teil des Se­nats nicht ab.

Hin­weis: In dem an­ge­führ­ten Hin­weis­be­schluss hat das LG Köln die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­ne VW/Au­di-Ver­trags­händ­le­rin – die dor­ti­ge Be­klag­te zu 1 – müs­se sich das Han­deln der Volks­wa­gen AG (dor­ti­ge Be­klag­te zu 2) ge­mäß § 123 II BGB zu­rech­nen las­sen, weil die Volks­wa­gen AG im Ver­hält­nis zu der Ver­trags­händ­le­rin kein „Drit­ter“ im Sin­ne die­ser Vor­schrift sei. In dem Be­schluss heißt es dies­be­züg­lich:

„Nach der ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung des BGH ist ein am Zu­stan­de­kom­men ei­nes Ver­trags Be­tei­lig­ter dann nicht als ‚Drit­ter‘ i. S. von § 123 II BGB an­zu­se­hen, wenn sein Ver­hal­ten dem des An­fech­tungs­geg­ners gleich­zu­set­zen ist. Dies ist über den Be­reich der ge­setz­li­chen oder rechts­ge­schäft­li­chen Ver­tre­tung hin­aus auch be­jaht wor­den bei ei­nem vom Er­klä­rungs­emp­fän­ger be­auf­trag­ten Ver­hand­lungs­füh­rer oder -ge­hil­fen so­wie bei ei­nem Be­tei­lig­ten, des­sen Ver­hal­ten dem Er­klä­rungs­emp­fän­ger we­gen be­son­ders en­ger Be­zie­hun­gen. zwi­schen bei­den oder we­gen sons­ti­ger be­son­de­rer Um­stän­de bil­li­ger­wei­se zu­ge­rech­net wer­den muss (BGH, Urt. v. 20.11.1995 – II ZR 209/94, NJW 1996, 1051 m. w. Nachw.). So ist das Ein­ste­hen­müs­sen des Ge­schäfts­herrn be­jaht wor­den, wenn der am Zu­stan­de­kom­men des Ge­schäfts Be­tei­lig­te we­gen sei­ner en­gen Be­zie­hung zum Ge­schäfts­herrn als des­sen Ver­trau­ens­per­son er­scheint (BGH, Urt. v. 17.11.1960 – VII ZR 115/59, BGHZ 33, 302, 308; Urt. v. 24.11.1995 – V ZR 40/94, NJW 1996, 451, 452 m. w. Nachw.). Da­bei ist nicht ent­schei­dend, ob ihm für die Ver­hand­lung Ver­tre­tungs­macht ein­ge­räumt wor­den ist. Viel­mehr kommt es dar­auf an, ob bei wer­ten­der Be­ur­tei­lung der tat­säch­li­chen Um­stän­de sein Ver­hal­ten dem Ge­schäfts­herrn zu­zu­rech­nen ist (BGH, Urt. v. 24.11.1995 – V ZR 40/94, NJW 1996, 451, 452)

Das Ge­richt ver­kennt nicht, dass die wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen der Be­klag­ten nicht de­ckungs­gleich sind. Un­ge­ach­tet des­sen spricht ei­ne wer­ten­de Be­trach­tung der Ein­zel­fal­l­um­stän­de für ei­ne Be­hand­lung der Be­klag­ten zu 2 als ‚Nicht-Drit­te‘. Die Klä­ge­rin be­fin­det sich zu der AU­DI AG – Toch­ter­un­ter­neh­men der Be­klag­ten zu 2 – in ei­nem stän­di­gen Ver­trags­ver­hält­nis. In die­sem Rah­men ge­stal­tet die Be­klag­te zu 1 ih­re Au­ßen­dar­stel­lung so, dass der un­be­fan­ge­ne Kun­de sie leicht für ei­ne Nie­der­las­sung des Her­stel­lers hal­ten könn­te. Wie dem Ge­richt aus an­de­ren Ver­fah­ren be­kannt ist, ist letzt­lich das ge­sam­te äu­ße­re Er­schei­nungs­bild ei­nes Ver­trags­händ­lers durch die Cor­po­ra­te Iden­ti­ty des Her­stel­lers vor­ge­ge­ben. Hier­zu fü­gen sich pas­send die Fo­tos vom Ein­gangs­be­reich der Be­klag­ten zu 1: Auf der Leucht­re­kla­me heißt es ‚Au­di Zen­trum B.‘ und nicht ‚R-GmbH & Co. KG‘ (S. 7 des Schrift­sat­zes vom 14.11.2016). Des­glei­chen ist die Rech­nung für das Neu­fahr­zeug (An­la­ge K 1) un­ter dem Brief­kopf ‚Au­di Zen­trum B.‘ ver­fasst, wäh­rend die Be­klag­te zu 1 nur im ‚Klein­ge­druck­ten‘ ge­nannt ist. Ei­ne sol­che ‚Mi­mi­kry‘ des Ver­trags­händ­lers in Ab­spra­che mit dem Her­stel­ler ist le­gi­tim; al­ler­dings ent­spricht es dann auch der Bil­lig­keit, wenn der Ver­trags­händ­ler sich ei­ne Täu­schung des Her­stel­lers ge­mäß § 123 II BGB zu­rech­nen las­sen muss, und zwar ge­ra­de auch dann, wenn die­ser – wie hier – den Bo­den des Rechts ver­lässt. Hier­mit muss­te der Ver­trags­händ­ler nicht rech­nen, noch we­ni­ger aber der an dem stän­di­gen Ver­trags­ver­hält­nis un­be­tei­lig­te Kun­de.“

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