1. § 476 BGB ist richt­li­ni­en­kon­form da­hin aus­zu­le­gen, dass die dort zu­guns­ten des Käu­fers vor­ge­se­he­ne Be­weis­last­um­kehr schon dann greift, wenn dem Käu­fer der Nach­weis ge­lingt, dass sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten ab Ge­fahr­über­gang ei­ne Man­gel­er­schei­nung ge­zeigt hat, die – un­ter­stellt, sie hät­te ih­re Ur­sa­che in ei­nem dem Ver­käu­fer zu­zu­rech­nen­den Um­stand – ei­ne Haf­tung des Ver­käu­fers be­grün­den wür­de. Da­ge­gen muss der Käu­fer we­der dar­le­gen und nach­wei­sen, auf wel­che Ur­sa­che der man­gel­haf­te Zu­stand zu­rück­zu­füh­ren ist, noch dass die­se Ur­sa­che in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ver­käu­fers fällt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15 Rn. 36).
  2. Im An­wen­dungs­be­reich des § 476 BGB hat der Ver­käu­fer in­fol­ge der Be­weis­last­um­kehr den Be­weis zu er­brin­gen, dass die ge­setz­li­che Ver­mu­tung, be­reits bei Ge­fahr­über­gang ha­be ein – zu­min­dest in der Ent­ste­hung be­grif­fe­ner – Sach­man­gel vor­ge­le­gen, nicht zu­trifft. Er hat al­so dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, dass ein Sach­man­gel zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs noch nicht vor­han­den war, weil er sei­nen Ur­sprung in ei­nem Han­deln oder Un­ter­las­sen nach die­sem Zeit­punkt hat und dem Ver­käu­fer da­mit nicht zu­zu­rech­nen ist (im An­schluss an BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15 Rn. 55).

LG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 04.11.2016 – 14e O 250/14

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin ver­langt von der Be­klag­ten die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kfz-Kauf­ver­tra­ges.

Sie er­warb von der Be­klag­ten am 22.02.2014 ei­nen Ford Mon­deo Tur­nier 2.0 TDCi mit Au­to­ma­tik­ge­trie­be zum Preis von 8.499 € brut­to. Die Lauf­leis­tung des Pkw be­trug da­mals 160.396 km.

An­fang Mai 2014 teil­te die Klä­ge­rin ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Be­klag­ten te­le­fo­nisch mit, dass sie das Fahr­zeug in ei­ner Werk­statt ha­be un­ter­su­chen las­sen. Dort ha­be man ihr mit­ge­teilt, dass der Pkw ei­nen Ge­trie­be­scha­den ha­be. Die Mit­ar­bei­te­rin der Be­klag­ten bat die Klä­ge­rin, das Fahr­zeug zur Be­klag­ten zu brin­gen, da­mit die­se es un­ter­su­chen und ge­ge­be­nen­falls re­pa­rie­ren kön­ne.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 09.05.2014 zeig­te die Klä­ge­rin der Be­klag­ten die fol­gen­den Män­gel an und for­der­te die Be­klag­te zu Nach­bes­se­rung bis zum 23.05.2014 auf:

  • Beim Ein­le­gen des Rück­wärts­gangs und un­mit­tel­bar an­schlie­ßen­der Be­tä­ti­gung des Gas­pe­dals set­ze sich das Fahr­zeug nicht be­stim­mungs­ge­mäß rück­wärts in Be­we­gung. Statt­des­sen dreh­te der Mo­tor im Leer­lauf nach oben.
  • Wenn die Klä­ge­rin mit dem Fahr­zeug ei­ne Ge­schwin­dig­keit von cir­ca 25 km/h fah­re und an­schlie­ßend das Gas­pe­dal be­tä­ti­ge, ru­cke­le das Fahr­zeug sehr stark.
  • Wenn die Klä­ge­rin bei ge­rin­ger Ge­schwin­dig­keit den Fuß vom Gas­pe­dal neh­me, ru­cke­le das Fahr­zeug eben­falls sehr stark, da die Au­to­ma­tik des Fahr­zeugs zu spät in den er­for­der­li­chen Gang schal­te.
  • Schließ­lich wei­se der Dreh­zahl­mes­ser im Be­reich ei­ner Dreh­zahl von circ 2.000 U/min sehr star­ke Dreh­zahl­schwan­kun­gen auf.

Nach­dem die Be­klag­te auf das Schrei­ben nicht re­agiert hat­te, er­klär­te die Klä­ge­rin mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 03.06.2014 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag und for­der­te die Be­klag­te auf, ihr den Kauf­preis Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs zu er­stat­ten.

Die Klä­ge­rin be­haup­tet, das Fahr­zeug lei­de an den an­ge­zeig­ten Män­geln. Die­se sei­en be­reits bei der Über­ga­be des Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin an­ge­legt ge­we­sen: Sie sei­en be­reits vor­han­den ge­we­sen, je­doch sei­en sie nicht of­fen­sicht­lich zu­ta­ge ge­tre­ten. Die Be­klag­te ha­be zu kei­ner Zeit er­klärt, dass sie die Män­gel be­sei­ti­gen wer­de.

Die Be­klag­te tritt der auf Rück­zah­lung des um ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung ver­min­der­ten Kauf­prei­ses ent­ge­gen. Sie be­strei­tet die be­haup­te­ten Män­gel und macht gel­tend, das Fahr­zeug sei der Klä­ge­rin in ei­nem ein­wand­frei­en Zu­stand über­ge­ben wor­den. Die von der Klä­ge­rin ge­schil­der­ten Sym­pto­me sei­en al­le­samt bei Über­ga­be we­der vor­han­den noch an­ge­legt ge­we­sen; Ge­gen­tei­li­ges kön­ne an­ge­sichts der Fahr­leis­tung der Klä­ge­rin von 17.000 km nicht ge­mäß § 476 BGB ver­mu­tet wer­den. Es sei schwer vor­stell­bar, dass die Klä­ge­rin seit der Über­ga­be des Fahr­zeugs im Fe­bru­ar 2014 bis zum Auf­tre­ten von Man­gel­sym­pto­men im Mai 2014 – al­so zwei Mo­na­te lang – mit ei­nem Ge­trie­be­scha­den ge­fah­ren sei. Viel­mehr sei die­ser Scha­den durch ei­nen Fahr­feh­ler der Klä­ge­rin ver­ur­sacht wor­den. Dar­über hin­aus – so meint die Be­klag­te – sei die ihr ge­setz­te Frist bis zum 23.05.2014 zu kurz be­mes­sen ge­we­sen. Sie – die Be­klag­te – sei zu je­dem Zeit­punkt be­reit ge­we­sen, Schä­den zu be­sei­ti­gen. Ent­spre­chen­des ha­be man be­reits bei dem Te­le­fon­ge­spräch An­fang Mai 2014 oh­ne jeg­li­che Be­schrän­kung oder Be­fris­tung ge­äu­ßert.

Die Kla­ge hat­te im We­sent­li­chen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Die Klä­ge­rin hat ge­gen den Be­klag­ten ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Be­tra­ges in Hö­he von 3.165,81 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw ge­mäß §§ 437 Nr. 2 Fall 1, 323, 346, 348 BGB.

1. Mit an­walt­li­chem Schrift­satz vom 03.06.2014 hat die Klä­ge­rin den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klärt. Nach §§ 437 Nr. 2, 323 I BGB war die Klä­ge­rin auch zum Rück­tritt be­rech­tigt, da das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug man­gel­be­haf­tet ist.

Nach § 323 I BGB kann der Gläu­bi­ger ei­ner Leis­tung vom Ver­trag zu­rück­tre­ten, wenn der Schuld­ner ei­ne fäl­li­ge Leis­tung nicht oder nicht ver­trags­ge­mäß er­bringt und der Gläu­bi­ger er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung be­stimmt hat.

2. Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me durch Ein­ho­lung ei­nes schrift­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S steht zu der Über­zeu­gung des Ge­richts fest, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw … man­gel­haft ist. Nach dem Grund­satz der frei­en Be­weis­wür­di­gung ge­mäß § 286 ZPO ist ein Be­weis dann er­bracht, wenn das Ge­richt un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me so­wie den sons­ti­gen Um­stän­den und dem Ak­ten­in­halt von der Rich­tig­keit ei­ner Tat­sa­chen­be­haup­tung der­art über­zeugt ist, dass ver­nünf­ti­gen Zwei­feln Schwei­gen ge­bo­ten ist.

Ent­spre­chend den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S weist das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug Män­gel an der Kupp­lung auf. Die­se kenn­zeich­nen sich durch ei­nen spo­ra­disch feh­len­den Vor­trieb so­wohl in der Stu­fe D als auch in der Stu­fe R so­wie durch ex­trem har­te Über­tra­gungs­stö­ße beim Gang­wech­sel. Auf­grund die­ser Er­schei­nun­gen weist der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw nicht die­je­ni­ge Be­schaf­fen­heit auf, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann.

Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S ist in sich nach­voll­zieh­bar und schlüs­sig. Der Sach­ver­stän­di­ge hat das Fahr­zeug in Au­gen­schein ge­nom­men und ei­ne Pro­be­fahrt durch­ge­führt. Zu­dem greift er im Rah­men des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens auf die Fahr­zeu­gin­for­ma­tio­nen so­wie vor­lie­gen­de Re­pa­ra­tur- und War­tungs­be­schei­ni­gun­gen zu­rück. Nach ei­ge­ner Prü­fung schließt sich das Ge­richt den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S voll­um­fäng­lich an.

3. Auch ist … da­von aus­zu­ge­hen, dass der vom Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­te Man­gel be­reits im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs, näm­lich bei Über­ga­be des Pkw an die Klä­ge­rin im Fe­bru­ar 2014, vor­ge­le­gen hat und nicht erst nach­träg­lich ent­stan­den ist. Nach § 476 BGB wird ver­mu­tet, dass die Sa­che be­reits bei Ge­fahr­über­gang man­gel­haft war, wenn sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang ein Sach­man­gel zeigt, es sei denn, die­se Ver­mu­tung ist mit der Art der Sa­che oder des Man­gels un­ver­ein­bar.

Nach der neue­ren Recht­spre­chung des BGH ist § 476 BGB im We­ge ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Ver­mu­tungs­wir­kung be­reits dann ein­greift, wenn dem Käu­fer der Nach­weis ge­lingt, dass sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten ab Ge­fahr­über­gang ein man­gel­haf­ter Zu­stand (ei­ne „Man­gel­er­schei­nung“) ge­zeigt hat, der – un­ter­stellt, er hät­te sei­ne Ur­sa­che in ei­nem dem Ver­käu­fer zu­zu­rech­nen­den Um­stand – des­sen Haf­tung we­gen Ab­wei­chung von der ge­schul­de­ten Be­schaf­fen­heit be­grün­den wür­de. Da­ge­gen muss der Käu­fer we­der dar­le­gen und nach­wei­sen, auf wel­che Ur­sa­che die­ser Zu­stand zu­rück­zu­füh­ren ist, noch dass die­se in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ver­käu­fers fällt. Dem Käu­fer ob­liegt mit­hin ent­spre­chend der neue­ren Recht­spre­chung des BGH nicht mehr der Nach­weis, dass ein er­wie­se­ner­ma­ßen erst nach Ge­fahr­über­gang ein­ge­tre­te­ner aku­ter Man­gel sei­ne Ur­sa­che in ei­nem la­ten­ten Man­gel hat (BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15 Rn. 36).

Der Be­klag­ten ist nicht der Nach­weis ge­lun­gen, dass der vor­lie­gen­de Man­gel nicht be­reits zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs vor­ge­le­gen hat. Hier­für trägt er aber die Dar­le­gungs- und Be­weis­last. Der Ver­käu­fer hat den Nach­weis zu er­brin­gen, dass die auf­grund ei­nes bin­nen sechs Mo­na­ten nach Ge­fahr­über­gang ein­ge­tre­te­nen man­gel­haf­ten Zu­stands ein­grei­fen­de ge­setz­li­che Ver­mu­tung, be­reits zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs ha­be ein – zu­min­dest in der Ent­ste­hung be­grif­fe­ner – Sach­man­gel vor­ge­le­gen, nicht zu­trifft. Er hat al­so dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, dass ein Sach­man­gel zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs noch nicht vor­han­den war, weil er sei­nen Ur­sprung in ei­nem Han­deln oder Un­ter­las­sen nach die­sem Zeit­punkt hat und ihm da­mit nicht zu­zu­rech­nen ist (BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15 Rn. 55).

Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten des ge­richt­lich be­stell­ten Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S kommt zu dem Er­geb­nis, dass aus tech­ni­scher Sicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass der Man­gel auf ei­ne Fehl­be­die­nung des Fahr­zeug­füh­rers zu­rück­zu­füh­ren ist. Auf­grund des Um­stands, dass der Man­gel durch die A-GmbH be­reits bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 166.942 fest­ge­stellt wur­de, kann auch ei­ne Ur­säch­lich­keit des­sen, dass der Ge­trie­be­öl­wech­sel nicht ent­spre­chend den Vor­ga­ben des Fahr­zeug­her­stel­lers bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 180.000 durch­ge­führt wur­de, aus­ge­schlos­sen wer­den.

4.​Die Klä­ge­rin hat der Be­klag­ten er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung ge­setzt.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 09.05.2014 wur­de die Be­klag­te da­zu auf­ge­for­dert, die Män­gel … bis zum 23.05.2014 nach vor­he­ri­ger Ter­min­ab­spra­che ei­ner Be­sei­ti­gung zu­zu­füh­ren. Das Ge­richt geht da­von aus, dass die ge­setz­te Frist von 14 Ta­gen an­ge­mes­sen ist. Hier­auf kommt es je­doch im Er­geb­nis nicht an, da ei­ne un­an­ge­mes­sen kur­ze Frist­set­zung je­den­falls den Lauf ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist in Gang setzt (BGH, Urt. v. 21.06.1985 – V ZR 134/84, NJW 1985, 2640).

Im Rah­men des Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gens ist zu be­ach­ten, dass die Ob­lie­gen­heit des Käu­fers sich nicht auf ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Auf­for­de­rung zur Nach­er­fül­lung be­schränkt, son­dern auch die Be­reit­schaft des Käu­fers, dem Ver­käu­fer die Kauf­sa­che zur Über­prü­fung der er­ho­be­nen Män­gel­rü­gen für ei­ne ent­spre­chen­de Un­ter­su­chung zur Ver­fü­gung zu stel­len, um­fasst. Der Ver­käu­fer ist nicht ver­pflich­tet, sich auf ein Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gen des Käu­fers ein­zu­las­sen, be­vor die­ser ihm nicht Ge­le­gen­heit zu ei­ner sol­chen Un­ter­su­chung der Kauf­sa­che ge­ge­ben hat. Denn dem Ver­käu­fer soll es mit der ihm vom Käu­fer ein­zu­räu­men­den Ge­le­gen­heit zur Nach­er­fül­lung ge­ra­de er­mög­licht wer­den, die ver­kauf­te Sa­che dar­auf zu über­prü­fen, ob der be­haup­te­te Man­gel be­steht und ob er be­reits im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs vor­ge­le­gen hat, auf wel­cher Ur­sa­che er be­ruht so­wie ob und auf wel­che Wei­se er be­sei­tigt wer­den kann, und hier­zu ge­ge­be­nen­falls Be­wei­se zu si­chern. Der Ver­käu­fer kann von der ihm zu­ste­hen­den Un­ter­su­chungs­mög­lich­keit nur Ge­brauch ma­chen, wenn ihm der Käu­fer die Kauf­sa­che zu die­sem Zweck zur Ver­fü­gung stellt (BGH, Urt. v. 10.03.2010 – VI­II ZR 310/08, NJW 2010, 1448 Rn. 12).

Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me steht es nach der Über­zeu­gung des Ge­richts fest, dass die Klä­ge­rin der Be­klag­ten auch Ge­le­gen­heit zur Nach­bes­se­rung ein­ge­räumt hat. Die Zeu­gin G hat in ih­rer Ver­neh­mung in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­sagt, die Klä­ge­rin ha­be am Te­le­fon ge­sagt, sie wä­re nicht be­reit, das Fahr­zeug vor­bei­zu­brin­gen, da sich dies nicht loh­ne, und sie wer­de ih­ren Rechts­an­walt ein­schal­ten. Aus die­ser Aus­sa­ge al­lei­ne kann noch kei­ne end­gül­ti­ge Ver­wei­ge­rung der Klä­ge­rin in Be­zug auf ih­re Mit­wir­kungs­ob­lie­gen­heit ent­nom­men wer­den. Dies gilt vor al­lem vor dem Hin­ter­grund, dass we­ni­ge Ta­ge nach dem Te­le­fon­ge­spräch der Be­klag­ten das an­walt­li­che Schrei­ben vom 09.05.2014 zu­ge­stellt wur­de, in wel­chem zur Män­gel­be­sei­ti­gung auf­ge­for­dert wur­de. Mit die­sem Schrei­ben wur­de die Be­klag­te auch nicht le­dig­lich zur An­er­ken­nung der Nach­er­fül­lungs­pflicht oh­ne Mög­lich­keit ei­ner vor­he­ri­gen Un­ter­su­chung auf­ge­for­dert, son­dern viel­mehr zur Durch­füh­rung der Män­gel­be­sei­ti­gung. So­weit zur Durch­füh­rung der Män­gel­be­sei­ti­gung auf­ge­for­dert wird, ist dar­in aber zwangs­wei­se auch die Ge­le­gen­heit des Schuld­ners zur Prü­fung um­fasst.

Nach Er­halt die­ses Schrei­bens hät­te es der Be­klag­ten ob­le­gen, sich an den Klä­ger­ver­tre­ter zu wen­den und das wei­te­re Vor­ge­hen in Be­zug auf die Durch­füh­rung der Män­gel­be­sei­ti­gung zu be­spre­chen. Un­strei­tig hat die Be­klag­te auf das an­walt­li­che Schrei­ben des Klä­ger­ver­tre­ters vom 09.05.2014 je­doch kei­ne Re­ak­ti­on ge­zeigt. Die Klä­ge­rin durf­te je­doch da­von aus­ge­hen, dass sich die Be­klag­te in Re­ak­ti­on auf das an­walt­li­che Schrei­ben eben­falls schrift­lich oder te­le­fo­nisch rück­äu­ßern wür­de. Man­gels ei­ner sol­chen Rück­äu­ße­rung muss­te die Klä­ge­rin da­von aus­ge­hen, dass die Be­klag­te an ih­rem frü­he­ren An­ge­bot zur Man­ge­l­er­for­schung nicht mehr fest­hal­ten wür­de. Vor die­sem Hin­ter­grund war es der Klä­ge­rin nicht zu­zu­mu­ten, das Fahr­zeug oh­ne vor­he­ri­ge Ter­min­ab­spra­che und oh­ne er­neu­te Mit­tei­lung der Be­klag­ten, dass sie das Fahr­zeug un­ter­su­chen wer­de, zu den Ge­schäfts­räu­men der Be­klag­ten zu ver­brin­gen.

5. So­weit die Klä­ge­rin das Fahr­zeug in dem ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit­raum seit Über­ga­be im Fe­bru­ar 2014 ge­nutzt hat, hat sie ent­spre­chen­de Nut­zun­gen ge­zo­gen. Die­se sind als Wert­er­satz ge­mäß § 346 II 1 Nr. 1 BGB dem Rück­zah­lungs­an­spruch der Klä­ge­rin ge­gen­zu­rech­nen.

Die Hö­he der Nut­zungs­ver­gü­tung be­misst sich nach dem Um­fang der tat­säch­li­chen Nut­zung im Ver­hält­nis zur vor­aus­sicht­li­chen Ge­samt­nut­zungs­dau­er des Fahr­zeugs. Zu ver­gü­ten ist der­je­ni­ge Teil des Fahr­zeug­werts, der dem An­teil der Nut­zungs­dau­er durch den Käu­fer an der vor­aus­sicht­li­chen Ge­samt­nut­zungs­dau­er ent­spricht (li­nea­re Teil­wert­ab­schrei­bung).

Die Klä­ge­rin hat den Pkw über­nom­men mit ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 160.396 Aus­weis­lich der klä­ge­ri­schen An­ga­ben im Schrift­satz vom 14.09.2016 weist der Pkw nun­mehr ei­nen Ki­lo­me­ter­stand von 248.000 auf. Mit­hin hat die Klä­ge­rin das Fahr­zeug 87.604 km ge­nutzt.

Nach § 287 BGB legt das Ge­richt der Be­rech­nung als zu er­war­ten­de Ge­samt­lauf­leis­tung ins­ge­samt … 300.000 km zu­grun­de. Da das Fahr­zeug bei Über­nah­me durch die Klä­ge­rin be­reits ei­ne Lauf­leis­tung von 160.396 km auf­wies, be­trug die da­ma­li­ge noch zu er­war­ten­de Lauf­leis­tung 139.606 km.

Der Wert­er­satz­an­spruch der Be­klag­ten be­rech­net sich wie folgt:

{\frac{\text{Brut­to­kauf­preis}\times\text{ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter}}{\text{zu er­war­ten­de Lauf­leis­tung}}} = {\frac{\text{8.499 €}\times\text{87.604 km}}{\text{139.606 km}}} = \text{5.333,19 €.}

6. Der An­spruch hin­sicht­lich der Zin­sen be­ruht auf §§ 291, 288 I BGB. …

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