Ein Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag i. S. des § 491 I BGB a.F. muss un­ter an­de­rem „klar und ver­ständ­lich“ An­ga­ben über „das ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags“ ent­hal­ten (§ 492 II BGB a.F. i. V. mit Art. 247 § 6 I Nr. 5 EGBGB a.F.). Dies be­deu­tet nach der Vor­stel­lung des deut­schen Ge­setz­ge­bers, dass dem Dar­le­hens­neh­mer zu ver­deut­li­chen ist, wie er selbst den Ver­trag kün­di­gen kann und wann ei­ne Kün­di­gung des Dar­le­hens­ge­bers wirk­sam ist. Der Dar­le­hens­neh­mer muss des­halb auch dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung nach § 314 BGB mög­lich ist. Fehlt die­ser Hin­weis, so be­ginnt die Frist, in­ner­halb der der Dar­le­hens­neh­mer sein Wi­der­rufs­recht aus­üben kann, erst mit Nach­ho­lung die­ser An­ga­be (§ 356b II 1 BGB a.F. i. V. mit § 492 VI BGB a.F.).

LG Arns­berg, Ur­teil vom 17.11.2017 – I-2 O 45/17

Sach­ver­halt: Der Klä­ger er­warb im Ok­to­ber 2014 von der S-GmbH für pri­va­te Zwe­cke ei­nen Ge­braucht­wa­gen zum Preis von 36.290 €. Ei­nen Teil des Kauf­prei­ses fi­nan­zier­te er, in­dem er mit der Be­klag­ten – der Volks­wa­gen Bank GmbH – am 20.10.2014 ei­nen von der S-GmbH ver­mit­tel­ten Dar­le­hens­ver­trag über ei­nen Net­to­dar­le­hens­be­trag von 22.290 € schloss. Der Klä­ger er­hielt ei­ne Ab­schrift des von ihm un­ter­zeich­ne­ten Dar­le­hens­an­trags und be­stä­tig­te die Kennt­nis­nah­me der Wi­der­rufs­be­leh­rung so­wie den Er­halt des For­mu­lars „Eu­ro­päi­sche Stan­dard­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­kre­di­te“. Fer­ner be­stä­tig­te der Klä­ger, dass er über die Mög­lich­keit, sei­ne re­gel­mä­ßi­gen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Dar­le­hen durch ei­nen „Kre­dit­schutz­brief“ ab­zu­si­chern, und die da­mit ver­bun­de­nen Vor­tei­le in­for­miert wor­den sei, aber auf die­sen Schutz ver­zich­te.

Die Be­klag­te zahl­te den Dar­le­hens­be­trag an die S-GmbH aus.

Mit Schrei­ben vom 12.07.2016 er­klär­te der Klä­ger den Wi­der­ruf sei­ner auf den Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges ge­rich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung. Die Be­klag­te wies mit Schrei­ben vom 23.09.2016 dar­auf hin, dass ein Wi­der­ruf nicht mehr mög­lich sei, da die vier­zehn­tä­gi­ge Wi­der­rufs­frist be­reits ab­ge­lau­fen sei. Dar­auf­hin for­der­te der Klä­ger die Be­klag­te mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 25.10.2016 auf, die Wirk­sam­keit sei­nes Wi­der­rufs und das Be­ste­hen ei­nes Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis­ses an­zu­er­ken­nen. Die Be­klag­te er­wi­der­te dar­auf mit Schrei­ben vom 31.10.2016, dass ein Wi­der­ruf nicht mehr mög­lich sei, da sie dem Klä­ger sei­ner­zeit ei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Wi­der­rufs­be­leh­rung er­teilt ha­be.

Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, er ha­be den Wi­der­ruf recht­zei­tig er­klärt, da die Wi­der­rufs­frist nicht zu lau­fen be­gon­nen ha­be. Ihm sei – so meint der Klä­ger – schon kei­ne Ver­trags­ur­kun­de i. S. des § 356b I BGB zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den. Dar­über hin­aus ent­hal­te die Wi­der­rufs­be­leh­rung un­ter an­de­rem des­halb nicht die er­for­der­li­chen Pflicht­an­ga­ben, weil ein Hin­weis dar­auf feh­le, dass er – der Klä­ger – den Dar­le­hens­ver­trag nach § 314 BGB au­ßer­or­dent­lich kün­di­gen kön­ne.

Mit der Kla­ge hat der Klä­ger im We­sent­li­chen die Fest­stel­lung be­gehrt, dass er der Be­klag­ten in­fol­ge sei­nes Wi­der­rufs vom 12.07.2016 aus dem hier in­ter­es­sie­ren­den Dar­le­hens­ver­trag we­der Zins- noch Til­gungs­leis­tun­gen schul­de. Die Be­klag­te ist der Kla­ge mit dem Ar­gu­ment ent­ge­gen­ge­tre­ten, dass ih­re Wi­der­rufs­be­leh­rung nicht zu be­an­stan­den sei; auf die Mög­lich­keit ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung nach § 314 BGB müs­se sie nicht hin­wei­sen. Wi­der­kla­gend hat die Be­klag­te – hilfs­wei­se – die Fest­stel­lung be­gehrt, dass der Klä­ger, soll­te sein Wi­der­ruf wirk­sam sein, den von der S-GmbH er­wor­be­nen Pkw her­aus­zu­ge­ben so­wie ei­ne – nach ei­ner be­stimm­ten For­mel zu be­rech­nen­de – Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die mit dem Fahr­zeug zu­rück­ge­leg­ten Ki­lo­me­ter und Er­satz für nicht ab­nut­zungs­be­ding­te Sub­stanz­schä­den leis­ten müs­se.

Kla­ge und Hilfs­wi­der­kla­ge hat­ten zum Teil Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Die Kla­ge des Klä­gers ist zu­läs­sig und in dem aus dem Te­nor er­sicht­li­chen Um­fang be­grün­det.

1. Hin­sicht­lich der Zu­läs­sig­keit der Kla­ge des Klä­gers be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Ins­be­son­de­re das für die Zu­läs­sig­keit des Kla­ge­an­trags zu 1 ge­mäß § 256 I ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist ge­ge­ben. Das be­rech­tig­te In­ter­es­se an der als­bal­di­gen Fest­stel­lung, dass der Klä­ger nach er­klär­tem Wi­der­ruf kei­ne wei­te­ren Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen schul­det, folgt aus dem Um­stand, dass die Be­klag­te die Wirk­sam­keit des Wi­der­rufs be­strei­tet und sich ge­gen­über dem Klä­ger ei­nes ver­trag­li­chen Er­fül­lungs­an­spruchs aus § 488 I 2 BGB be­rühmt (vgl. BGH, Urt. v. 16.05.2017 – XI ZR 586/15, ju­ris Rn. 9 ff.). Der Klä­ger muss sich auch nicht vor­ran­gig dar­auf ver­wei­sen las­sen, ge­gen die Be­klag­te im We­ge der Leis­tungs­kla­ge vor­zu­ge­hen, da sich das mit der ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge be­gehr­te In­ter­es­se nicht durch ei­ne Leis­tungs­kla­ge ab­bil­den lässt (vgl. BGH, Urt. v. 16.05.2017 – XI ZR 586/15, ju­ris Rn. 16).

2. Der Kla­ge­an­trag zu 1 ist be­grün­det. Der An­spruch der Be­klag­ten auf Zah­lung der Zins- und Til­gungs­ra­ten ist ge­mäß § 355 I 1 BGB er­lo­schen. Da­nach sind die Ver­trags­par­tei­en an ih­re auf Ab­schluss des Ver­tra­ges ge­rich­te­ten Wil­lens­er­klä­run­gen nicht mehr ge­bun­den, wenn dem Ver­brau­cher ein Wi­der­rufs­recht zu­steht und er sei­ne Wil­lens­er­klä­rung frist­ge­recht wi­der­ru­fen hat.

a) Das Wi­der­rufs­recht des Klä­gers folgt aus §§ 495 I BGB in der maß­geb­li­chen Fas­sung vom 13.06.2014. Da­nach steht dem Dar­le­hens­neh­mer bei ei­nem Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag ein Wi­der­rufs­recht nach § 355 BGB zu. Bei dem zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ver­trag han­delt es sich um ei­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag i. S. des § 491 I BGB. Der Klä­ger han­del­te bei Ver­trags­schluss als Pri­vat­mann, mit­hin als Ver­brau­cher i. S. des § 13 BGB. Bei Ab­schluss des Ver­tra­ges han­del­te die Be­klag­te als Un­ter­neh­me­rin, da der Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges ih­rem ge­werb­li­chen Tä­tig­keits­be­reich zu­zu­ord­nen ist.

b) Der Klä­ger hat mit Schrei­ben vom 12.07.2016 den Wi­der­ruf er­klärt.

Der Wi­der­ruf er­folg­te ins­be­son­de­re frist­ge­recht. Die Wi­der­rufs­frist be­trägt ge­mäß § 355 II BGB grund­sätz­lich 14 Ta­ge und be­ginnt mit Ver­trags­schluss, so­weit nichts an­de­res be­stimmt ist. Ent­hält die dem Ver­brau­cher zur Ver­fü­gung ge­stell­te Ver­trags­ur­kun­de nicht die Pflicht­an­ga­ben nach § 492 II BGB, be­ginnt die Frist ge­mäß § 356b II 1 BGB erst mit Nach­ho­lung die­ser An­ga­ben.

Der Dar­le­hens­ver­trag ent­hält die ge­mäß § 492 II BGB er­for­der­li­chen An­ga­ben nach Art. 247 §§ 6 bis 13 EGBGB je­den­falls des­halb nicht, weil der Klä­ger nicht hin­rei­chend über sein Kün­di­gungs­recht auf­ge­klärt wor­den ist. Nach Art. 247 § 6 I Nr. 5 EGBGB muss der Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag kla­re und ver­ständ­li­che „An­ga­ben über das ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren bei Kün­di­gung des Ver­trags“ ent­hal­ten. Ob un­ter die­se An­ga­ben das au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gungs­recht des Ver­brau­chers aus § 314 BGB zu zäh­len ist, ist in der Li­te­ra­tur nicht un­um­strit­ten.

Nach An­sicht von Kes­sal-Wulf soll über je­de Form der Ver­trags­be­en­di­gung bei re­gu­lä­rem Ver­trags­ver­lauf, mit­hin über or­dent­li­che Kün­di­gungs­grün­de, zu in­for­mie­ren sein (vgl. Stau­din­ger/Kes­sal-Wulf, BGB, Neu­be­arb. 2012, § 492 Rn. 46). Nach An­sicht von Schürn­brand spricht die Aus­le­gung der Norm für die An­nah­me, dass (al­lein) auf das Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers ab­zu­stel­len sei, so­dass bei un­be­fris­te­ten Ver­trä­gen § 500 BGB zu be­ach­ten, bei be­fris­te­ten auf das Kün­di­gungs­recht des § 314 hin­zu­wei­sen sei (vgl. MünchKomm-BGB/Schürn­brand, 7. Aufl. [2017], § 492 Rn. 27).

Was un­ter den „An­ga­ben über das ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren bei Kün­di­gung des Ver­tra­ges“ zu ver­ste­hen ist, ist durch Aus­le­gung zu er­mit­teln.

Nach der Vor­stel­lung des deut­schen Ge­setz­ge­bers soll die Re­ge­lung dem Dar­le­hens­neh­mer ver­deut­li­chen, wann ei­ne Kün­di­gung des Dar­le­hens­ge­bers wirk­sam sei und wie der Dar­le­hens­neh­mer selbst den Ver­trag kün­di­gen kön­ne, so­dass bei be­fris­te­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen zu­min­dest dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den müs­se, dass ei­ne Kün­di­gung nach § 314 BGB mög­lich sei (vgl. BT-Drs. 16/11643, S. 128).

Für die­ses Ver­ständ­nis von der Norm spricht ne­ben dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers ins­be­son­de­re ei­ne eu­ro­pa­rechts­kon­for­me Aus­le­gung. Nach Art. 10 II lit. s der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie sind die „ein­zu­hal­ten­den Mo­da­li­tä­ten bei der Aus­übung des Rechts auf Kün­di­gung“ des Kre­dit­ver­trags in kla­rer und prä­gnan­ter Form an­zu­ge­ben. Zu die­sen Mo­da­li­tä­ten zählt je­den­falls die Be­nen­nung des Kün­di­gungs­grun­des, wie aus Art. 10 II lit. p der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie folgt. Da­nach ist un­ter an­de­rem über Fol­gen­des zu in­for­mie­ren: „das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Wi­der­rufs­rechts so­wie die Frist und die an­de­ren Mo­da­li­tä­ten für die Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts“. Da­bei spricht ge­ra­de der Zweck der Norm für die An­nah­me, dass der Ver­brau­cher über al­le in Be­tracht kom­men­den Kün­di­gungs­grün­de in­for­miert wer­den soll.

Ei­ne da­hin ge­hen­de Aus­le­gung der Reg­lung(en) führt auch nicht zu ei­ner über­schie­ßen­den Um­set­zung der Richt­li­nie. Aus dem Er­wä­gungs­grund 33 der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie er­gibt sich kei­ne Ein­schrän­kung der In­for­ma­ti­ons­pflicht auf or­dent­li­che Kün­di­gungs­rech­te. Die Vor­schrift stellt le­dig­lich klar, dass dem Ver­brau­cher ein or­dent­li­ches Kün­di­gungs­recht bei un­be­fris­te­ten Ver­trä­gen zu­ste­hen soll­te. Dass der Ver­brau­cher ge­mäß Art. 10 II lit. s der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie aber nur über die­se or­dent­li­chen Kün­di­gungs­rech­te in­for­miert wer­den soll, ist den Er­wä­gun­gen nicht zu ent­neh­men. Ge­gen ein sol­ches Ver­ständ­nis spricht ins­be­son­de­re auch, dass ei­ne be­schränk­te An­ga­be von Kün­di­gungs­grün­den zu ei­nem er­schwer­ten Ver­ständ­nis bei­trägt. Für den Ver­brau­cher ist oh­ne Wei­te­res nicht er­kenn­bar, ob es sich bei den dann er­teil­ten Hin­wei­sen auf die Kün­di­gungs­grün­de um ei­ne ab­schlie­ßen­de Be­nen­nung al­ler Kün­di­gungs­grün­de han­delt oder nicht.

Der Ver­brau­cher ist ge­mäß § 492 II BGB i. V. mit Art. 247 § 6 I Nr. 5 EGBGB voll­um­fäng­lich dar­über zu in­for­mie­ren, ob ihm ein Kün­di­gungs­recht zu­steht oder nicht. Zwar muss der Dar­le­hens­neh­mer nicht über al­le mög­li­chen Lö­sungs­rech­te in­for­miert wer­den, nach dem Er­geb­nis der Ge­set­zes­aus­le­gung aber über al­le mög­li­chen Kün­di­gungs­grün­de. So­fern in der Recht­spre­chung teil­wei­se ver­tre­ten wird, dass nur über ein or­dent­li­ches Kün­di­gungs­recht zu be­leh­ren sei, schließt sich die Kam­mer die­ser An­sicht aus den oben ge­nann­ten Grün­den nicht an.

Auf ei­ne Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on kann sich die Be­klag­te nicht be­ru­fen, da Art. 247 § 6 I EGBGB, an­ders als et­wa Art. 247 § 6 II 3 EGBGB, ei­ne sol­che Re­ge­lung nicht ent­hält. Ei­ne Nach­ho­lung der er­for­der­li­chen In­for­ma­ti­on i. S. des § 492 VI BGB ist nicht er­folgt, so­dass die Wi­der­rufs­frist im Zeit­punkt der Wi­der­rufs­er­klä­rung noch nicht zu lau­fen be­gon­nen hat­te.

3. So­weit der Klä­ger die Frei­stel­lung von vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten be­gehrt, steht ihm ein sol­cher An­spruch nicht zu.

a) Ei­ne zur Scha­dens­er­satz­haf­tung füh­ren­de ob­jek­ti­ve Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten er­gibt sich, an­ders als der Klä­ger meint, nicht aus der Wei­ge­rung der Be­klag­ten, den er­klär­ten Wi­der­ruf an­zu­er­ken­nen. In­so­fern durf­te die Be­klag­te ih­re Rechts­po­si­ti­on ver­tei­di­gen, oh­ne sich schon des­we­gen der Haf­tung aus­zu­set­zen (vgl. OLG Karls­ru­he, Urt. v. 14.03.2017 – 17 U 52/16, ju­ris Rn. 16).

b) Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch er­gibt sich auch nicht aus dem Ge­sichts­punkt des Ver­zugs. § 286 BGB setzt ei­nen voll­wirk­sa­men und fäl­li­gen An­spruch des Gläu­bi­gers ge­gen den Schuld­ner vor­aus, auf den sich die Mah­nung be­zie­hen muss (vgl. BGH, Urt. v. 21.02.2017 – XI ZR 467/15, ju­ris Rn. 24). Der Klä­ger hat in sei­nem Schrei­ben vom 12.07.2016 zwar um Be­stä­ti­gung des Wi­der­rufs und in­so­fern um Rück­ab­wick­lung ge­be­ten; er hat sei­ne be­an­spruch­te Leis­tung aber nicht klar be­zeich­net. Der Klä­ger be­nö­tig­te auch kei­ne wei­te­ren Aus­künf­te, um sei­ne An­sprü­che aus §§ 360, 355 ff. BGB zu be­zif­fern, so­dass zu sei­nen Guns­ten nicht der all­ge­mei­ne Grund­satz greift, dass der aus­kunfts­pflich­ti­ge Schuld­ner durch ei­ne un­be­zif­fer­te Auf­for­de­rung in Ver­zug ge­rät (vgl. BGH, Urt. v. 21.02.2017 – XI ZR 467/15, ju­ris Rn. 24). In dem … Schrei­ben der Be­klag­ten vom 14.07.2016 ist auch kei­ne ernst­haf­te und end­gül­ti­ge Leis­tungs­ver­wei­ge­rung zu se­hen, die ei­ne Mah­nung ent­behr­lich ma­chen könn­te.

An­de­re Um­stän­de, die ei­nen Ver­zug­s­ein­tritt be­grün­den könn­ten, sind we­der dar­ge­tan noch sonst er­sicht­lich.

II. Die (Hilfs-)Wi­der­kla­ge ist teil­wei­se un­zu­läs­sig, im Üb­ri­gen zu­läs­sig und be­grün­det.

1. Die Be­klag­te hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Fest­stel­lung, dass der Klä­ger dem Grun­de nach zum Wert­er­satz ver­pflich­tet ist, da der Klä­ger dies in Ab­re­de stellt. Ei­ne Leis­tungs­kla­ge ist der Be­klag­ten der­zeit nicht zu­mut­bar, da ihr die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den muss, das Fahr­zeug zu­nächst zu be­gut­ach­ten, um ih­ren Wert­er­satz­an­spruch be­zif­fern zu kön­nen.

So­weit die Be­klag­te dar­über hin­aus die Fest­stel­lung be­gehrt, dass der Klä­ger zum Wert­er­satz in Form von Nut­zungs­ent­schä­di­gung für den Ge­brauch des Fahr­zeugs nach ei­ner nä­her be­zeich­ne­ten Be­rech­nungs­for­mel ver­pflich­tet ist, ist die­ser An­trag un­zu­läs­sig. Die Fest­stel­lung be­zieht sich in­so­weit auf ei­ne kon­kre­te Be­rech­nungs­grund­la­ge, nicht auf das Be­ste­hen ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses selbst (vgl. Zöl­ler/Gre­ger, ZPO, 32. Aufl. [2017], § 256 Rn. 5).

Dem Kla­ge­an­trag fehlt auch hin­sicht­lich der be­gehr­ten Fest­stel­lung, dass der Klä­ger zur Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs ver­pflich­tet ist, das be­rech­tig­te In­ter­es­se an ei­ner als­bal­di­gen Fest­stel­lung. Schon im In­ter­es­se ei­ner end­gül­ti­gen Klä­rung der Streit­sa­che fehlt es re­gel­mä­ßig am Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn die Par­tei ihr Be­geh­ren mit ei­ner Leis­tungs­kla­ge gel­tend ma­chen kann. Der Be­klag­ten ist ei­ne Leis­tungs­kla­ge, ge­rich­tet auf Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs, oh­ne Wei­te­res mög­lich und zu­mut­bar. Dar­über hin­aus hat der Klä­ger nie in Ab­re­de ge­stellt, zur Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs ver­pflich­tet zu sein. …

2. Die in­so­weit zu­läs­si­ge Kla­ge hat in der Sa­che Er­folg.

Der Klä­ger ist der Be­klag­ten dem Grun­de nach zum Wert­er­satz ge­mäß §§ 355, 357c BGB ver­pflich­tet. Zwar sind nach § 358 IV 1 BGB auf die Rück­ab­wick­lung des ver­bun­de­nen Ver­tra­ges die §§ 357 bis 357b ent­spre­chend an­zu­wen­den. So­weit der fi­nan­zier­te Ver­trag nicht wi­der­ru­fen wer­den kann, et­wa weil es sich bei dem ver­bun­de­nen Ver­trag – wie vor­lie­gend – um ei­nen in Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag han­delt, rich­tet sich die Rück­ab­wick­lung aber nach §§ 355, 357c BGB. Ei­ne Ver­wei­sung in § 358 IV 1 BGB auch auf § 357c er­üb­rigt sich mit Blick auf die – hin­sicht­lich der Ver­triebs­form dif­fe­ren­zie­ren­de – Son­der­vor­schrift des § 358 IV 3 BGB (vgl. MünchKomm-BGB/Ha­ber­sack,, 7. Aufl. [2016], § 358 Rn. 78a).

Ge­mäß § 357c Satz 3 BGB ist § 357 VII BGB mit der Maß­ga­be ent­spre­chend an­zu­wen­den, dass an die Stel­le der Un­ter­rich­tung nach Art. 246a § 1 II 1 Nr. 1 EGBGB die Un­ter­rich­tung nach Art. 246 III EGBGB tritt. Dem­entspre­chend hat der Ver­brau­cher Wert­er­satz für ei­nen Wert­ver­lust der Wa­re zu leis­ten, wenn der Wert­ver­lust auf ei­nen Um­gang mit der Wa­re zu­rück­zu­füh­ren ist, der zur Prü­fung der Be­schaf­fen­heit, der Ei­gen­schaft und der Funk­ti­ons­wei­se der Wa­re nicht not­wen­dig war, und der Un­ter­neh­mer den Ver­brau­cher nach Art. 246 III EGBGB un­ter­rich­tet hat.

Die Wi­der­rufs­be­leh­rung muss da­nach ei­nen Hin­weis auf das Recht zum Wi­der­ruf, ei­nen Hin­weis dar­auf, dass der Wi­der­ruf durch Er­klä­rung ge­gen­über dem Un­ter­neh­mer er­folgt und kei­ner Be­grün­dung be­darf, den Na­men und die la­dungs­fä­hi­ge An­schrift des­je­ni­gen, ge­gen­über dem der Wi­der­ruf zu er­klä­ren ist, und ei­nen Hin­weis auf Dau­er und Be­ginn der Wi­der­rufs­frist so­wie dar­auf, dass zur Frist­wah­rung die recht­zei­ti­ge Ab­sen­dung der Wi­der­rufs­er­klä­rung ge­nügt, ent­hal­ten. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend er­füllt. Auf ei­ne Be­leh­rung i. S. des Art. 246a § 1 II 1 Nr. 1 EGBGB kommt es da­her nicht an. …

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