Fehlt ei­nem ver­kauf­ten Kfz die vom Ver­käu­fer zu be­schaf­fen­de Her­stel­ler­ga­ran­tie oder ist die­se bei Über­ga­be des Fahr­zeugs be­reits teil­wei­se ab­ge­lau­fen, so liegt kein Sach­man­gel i. S. des § 459 I BGB vor. Viel­mehr kommt al­lein ei­ne Haf­tung des Ver­käu­fers we­gen der Ver­let­zung ei­ner Ne­ben­pflicht in Be­tracht.

BGH, Ur­teil vom 24.04.1996 – VI­II ZR 114/95

Die­se Ent­schei­dung ist zum „al­ten“ Schuld­recht und vor In­kraft­tre­ten der ZPO-Re­form 2002 er­gan­gen. Sie kann nicht oh­ne Wei­te­res auf das seit dem 01.01.2002 gel­ten­de Recht über­tra­gen wer­den (so ist z. B. an die Stel­le der Wan­de­lung der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ge­tre­ten). Die ge­nann­ten Vor­schrif­ten exis­tie­ren heu­te mög­li­cher­wei­se nicht mehr oder ha­ben ei­nen an­de­ren In­halt.

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin be­treibt ein im Han­dels­re­gis­ter nicht ein­ge­tra­ge­nes Un­ter­neh­men. Des­sen Be­triebs­ver­mö­gen be­steht im We­sent­li­chen aus ei­nem Lkw, den der Ehe­mann der Klä­ge­rin fährt.

Im Fe­bru­ar 1992 ließ die Klä­ge­rin ih­ren Ehe­mann bei der Be­klag­ten ei­ne dort vor­rä­ti­ge Vol­vo-Sat­tel­zug­ma­schi­ne zum Preis von 182.400 DM brut­to aus­su­chen. Die­ses Fahr­zeug hat­te die Be­klag­te nicht über den deut­schen Ge­ne­ral­im­por­teur be­zo­gen, son­dern aus Frank­reich im­por­tiert, wo es am 18.11.1991 aus­ge­lie­fert wor­den war. Am 18.03.1992 un­ter­zeich­ne­te die Klä­ge­rin – „nach Kennt­nis­nah­me und un­ter An­er­ken­nung der um­sei­ti­gen Ge­schäfts­be­din­gun­gen“ – ei­nen auf die Sat­tel­zug­ma­schi­ne ge­rich­te­ten „Auf­trag für neue Kraft­fahr­zeu­ge“.

Die in Be­zug ge­nom­me­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen lau­ten aus­zugs­wei­se:

„V. Ge­währ­leis­tung

1. Das ge­brauch­te Fahr­zeug bzw. die ge­brauch­te Kauf­sa­che ist ver­kauft un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung …
2. Für neue Fahr­zeu­ge bzw. neue Kauf­sa­chen und de­ren Tei­le über­nimmt die Ver­käu­fe­rin Ge­währ­leis­tung für die Dau­er von sechs Mo­na­ten vom Ta­ge der Lie­fe­rung an. Die Ge­währ­leis­tung ist be­schränkt auf das Recht der Nach­bes­se­rung oder Er­satz­lie­fe­rung. Bei Fehl­schla­gen der Nach­bes­se­rung oder Er­satz­lie­fe­rung ist es dem Käu­fer ge­stat­tet, Her­ab­set­zung der Ver­gü­tung oder Rück­gän­gig­ma­chung des Kauf­ver­tra­ges zu ver­lan­gen.“

Be­reits zu­vor hat­te die Klä­ge­rin der L-GmbH den Ab­schluss ei­nes Lea­sing­ver­tra­ges über den Lkw an­ge­tra­gen. Die­sen An­trag nahm die L-GmbH un­ter dem 08.05.1992 an. § 6 der dem Lea­sing­ver­trag zu­grun­de lie­gen­den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen lau­tet aus­zugs­wei­se:

„1. Für Sach- und Rechts­män­gel des Lea­sing­ob­jek­tes leis­tet der Lea­sing­ge­ber nur in der Wei­se Ge­währ, dass er mit Ab­schluss die­ses Lea­sing­ver­tra­ges sei­ne kauf­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che ein­schließ­lich Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen an den Lea­sing­neh­mer ab­tritt. Der Lea­sing­neh­mer nimmt die­se Ab­tre­tung an. Die Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che um­fas­sen auch das Recht auf Wan­de­lung (Rück­gän­gig­ma­chung des Kau­fes) und Min­de­rung (Her­ab­set­zung des Kauf­prei­ses). Die hier­aus re­sul­tie­ren­den Zah­lungs­an­sprü­che sind je­doch nicht mit ab­ge­tre­ten …
4. Der Lea­sing­neh­mer wird im Ge­währ­leis­tungs­fall aus ab­ge­tre­te­nem Recht Leis­tung an den Lea­sing­ge­ber ver­lan­gen bzw. ei­nen ent­spre­chen­den Kla­ge­an­trag stel­len.“

Am 08.04.1992 er­klär­te die L-GmbH ge­gen­über der Be­klag­ten, sie tre­te in die Be­stel­lung der Klä­ge­rin ein. Dem­ge­mäß stell­te die Be­klag­te der L-GmbH den mit der Klä­ge­rin für das Fahr­zeug ver­ein­bar­ten Preis in Rech­nung, und zwar mit der Maß­ga­be, dass 54.720 DM von der Klä­ge­rin zu zah­len sei und den Rest (127.680 DM) die L-GmbH zu zah­len ha­be.

Die L-GmbH hat den auf sie ent­fal­len­den Be­trag voll­stän­dig, die Klä­ge­rin den auf sie ent­fal­len­den Be­trag teil­wei­se ge­zahlt.

Die Klä­ge­rin hat das Fahr­zeug am 30.04.1992 über­nom­men; bis En­de Ju­ni 1994 sind da­mit min­des­tens 312.000 km zu­rück­ge­legt wor­den.

Nach­dem sie das Fahr­zeug am 30.04.1992 über­nom­men hat­te, ließ die Klä­ge­rin mit An­walts­schrei­ben vom 23.10.1992 die Wan­de­lung des Kauf­ver­tra­ges er­klä­ren; mit Schrei­ben vom 02.11. und vom 08.12.1992 ließ sie au­ßer­dem den Lea­sing­ver­trag we­gen Irr­tums und we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung ge­gen­über der L-GmbH an­fech­ten.

Mit ih­rer Kla­ge be­gehrt die Klä­ge­rin aus ab­ge­tre­te­nem Recht der L-GmbH die Wan­de­lung des Kauf­ver­trags. Sie be­haup­tet, das ihr von der Be­klag­ten ge­lie­fer­te Fahr­zeug sei man­gel­haft, weil es sich um ei­nen „Grau­im­port“ han­de­le. Es sei nicht mit ei­ner Ga­ran­tie der Vol­vo Deutsch­land GmbH aus­ge­stat­tet. Au­ßer­dem sei­en die von der Vol­vo Deutsch­land GmbH ein­ge­führ­ten Fahr­zeu­ge mit ei­ner Ga­ran­tie von 24 Mo­na­ten aus­ge­stat­tet, wäh­rend mit dem von der Be­klag­ten ge­lie­fer­ten Fahr­zeug nur ei­ne sol­che über 12 Mo­na­te ver­bun­den sei. Die­se Ga­ran­tie­frist ha­be au­ßer­dem be­reits mit der Aus­lie­fe­rung am 18.11.1991 be­gon­nen. Im Üb­ri­gen sei das Fahr­zeug an­ders aus­ge­stat­tet als die für Deutsch­land pro­du­zier­ten Last­kraft­wa­gen. Die Aus­stat­tung des ge­lie­fer­ten Fahr­zeugs sei auch nicht iden­tisch mit der des­je­ni­gen, das ihr Ehe­mann vor dem Kauf be­sich­tigt ha­be.

Die Be­klag­te macht im We­ge der Wi­der­kla­ge den rest­li­chen Kauf­preis ein­schließ­lich Fi­nan­zie­rungs­kos­ten von 14.414,73 DM nebst Zin­sen gel­tend.

Das Land­ge­richt hat Kla­ge und Wi­der­kla­ge mit der Be­grün­dung ab­ge­wie­sen, zwi­schen den Par­tei­en sei un­strei­tig, dass die Klä­ge­rin den Lea­sing­ver­trag an­ge­foch­ten ha­be Sie kön­ne sich da­her nicht auf die dar­in ent­hal­te­ne Ab­tre­tung des Rechts auf Wan­de­lung be­ru­fen. Schuld­ne­rin der Rest­kauf­preis­for­de­rung der Be­klag­ten sei al­lein die L-GmbH. Auf die Be­ru­fung bei­der Par­tei­en hat das Be­ru­fungs­ge­richt das land­ge­richt­li­che Ur­teil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge – un­ter Zu­rück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Land­ge­richt – dem Grun­de nach für ge­recht­fer­tigt er­klärt.

Die da­ge­gen ge­rich­te­te Re­vi­si­on der Be­klag­ten hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat aus­ge­führt:

Die Klä­ge­rin ha­be den Lea­sing­ver­trag nicht wirk­sam an­ge­foch­ten. We­gen der en­gen Ver­knüp­fung von Lea­sing­ver­trag und Kauf­ver­trag kön­ne der Lea­sing­neh­mer, dem die kauf­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­rech­te ab­ge­tre­ten sei­en, ei­ne An­fech­tung we­gen Irr­tums nicht auf sol­che Um­stan­de stüt­zen, die zu­gleich ei­nen Sach­man­gel i. S. des § 459 I BGB dar­stell­ten. Au­ßer­dem ha­be die Klä­ge­rin das Vor­lie­gen ei­nes Irr­tums im Zeit­punkt der An­fech­tungs­er­klä­rung eben­so wie die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Arg­listan­fech­tung nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­tan. Auch sei die Klä­ge­rin nach dem Ver­brau­cher­kre­dit­ge­setz … nicht be­rech­tigt ge­we­sen, sich von den ver­trag­li­chen Ab­spra­chen mit der Be­klag­ten zu lö­sen.

Das Wan­de­lungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin sei da­ge­gen be­rech­tigt. Hier­bei kön­ne of­fen­blei­ben, ob es über­haupt die von ihr be­haup­te­ten Aus­stat­tungs­un­ter­schie­de … ge­be und ob sol­che Aus­stat­tungs­un­ter­schie­de an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Klä­ge­rin sich ein ganz be­stimm­tes Fahr­zeug aus­ge­sucht ha­be, ge­eig­net sei­en, ei­nen Feh­ler i. S. des § 459 I BGB zu be­grün­den; auch brau­che nicht auf­ge­klärt zu wer­den, ob die Ga­ran­tie­re­ge­lun­gen des Her­stel­lers für die nach Deutsch­land ge­lie­fer­ten und für die für den fran­zö­si­schen Markt pro­du­zier­ten Fahr­zeu­ge un­ter­schied­lich lan­ge Ga­ran­tie­fris­ten fest­leg­ten.

Das Fahr­zeug ha­be näm­lich je­den­falls in­so­weit ei­nen er­heb­li­chen Man­gel auf­ge­wie­sen, als bei Ge­fahr­über­gang an die Klä­ge­rin na­he­zu sechs Mo­na­te der Her­stel­ler­ga­ran­tie ver­stri­chen ge­we­sen sei­en. Um die­se Frist ha­be sich der An­spruch der Klä­ge­rin, der in­so­weit in dem Lea­sing­ver­trag al­le Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che ab­ge­tre­ten ge­we­sen sei­en, auf Er­satz al­ler Scha­den, die nicht nach­weis­lich von ihr zu ver­tre­ten sei­en, ver­kürzt. In die­ser Ver­kür­zung der Ga­ran­tie­frist sei ein dem Fahr­zeug an­haf­ten­der, sei­nen Wert her­ab­set­zen­der Um­stand und so­mit ein Feh­ler i. S. des § 459 I BGB zu se­hen. Hier­bei sei nicht ent­schei­dend, ob tat­säch­lich wäh­rend der frag­li­chen Zeit ein ga­ran­tie­pflich­ti­ger Scha­den ein­ge­tre­ten sei. Ge­gen­über die­sem Man­ge­l­ein­wand kön­ne die Be­klag­te sich nicht auf ih­re Ge­schäfts­be­din­gun­gen be­ru­fen. Es kön­ne of­fen­blei­ben, ob die­se über­haupt wirk­sam ver­ein­bart wor­den sei­en. Sie sei­en un­klar und wi­der­sprüch­lich. Nach der Über­schrift han­de­le es sich um den Auf­trag für ein neu­es Kraft­fahr­zeug, nach dem wei­te­ren Text aber um die Be­stel­lung ei­nes nä­her be­schrie­be­nen ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung; le­dig­lich für neue Fahr­zeu­ge über­neh­me die Be­klag­te als Ver­käu­fe­rin die Ge­währ­leis­tung für die Dau­er von sechs Mo­na­ten vom Ta­ge der Lie­fe­rung an, al­ler­dings be­schränkt auf das Recht der Nach­bes­se­rung oder Er­satz­lie­fe­rung. Ei­ne Nach­bes­se­rung oder Er­satz­lie­fe­rung kom­me aber im Hin­blick auf den Man­gel der Her­stel­ler­ga­ran­tie schon im An­satz nicht in Be­tracht.

II. Die­se Er­wä­gun­gen hal­ten ei­ner recht­li­chen Nach­prü­fung nicht in vol­lem Um­fang stand.

1. Nicht ge­folgt wer­den kann dem Be­ru­fungs­ge­richt in­so­weit, als es ei­nen Feh­ler i. S. des § 459 I BGB dar­in sieht, dass bei Über­ga­be des Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin von der Her­stel­ler­ga­ran­tie bei­na­he sechs Mo­na­te ab­ge­lau­fen wa­ren. Be­schaf­fen­heits­merk­ma­le im Sin­ne des Feh­ler­be­griffs die­ser Vor­schrift kön­nen sich zwar auch aus recht­li­chen Be­zie­hun­gen des Kauf­ge­gen­stan­des zu sei­ner Um­welt er­ge­ben, doch müs­sen die­se Be­zie­hun­gen in der Be­schaf­fen­heit des Kauf­ge­gen­stan­des selbst ih­ren Grund ha­ben, ihm selbst un­mit­tel­bar in­ne­woh­nen, von ihm aus­ge­hen, sie dür­fen sich nicht erst durch Her­an­zie­hen von au­ßer­halb des Kauf­ge­gen­stan­des lie­gen­den Ver­hält­nis­sen oder Um­stän­den er­ge­ben (BGH, Urt. v. 30.10.1987 – V ZR 144/86, WM 1988, 48 [un­ter II 1 a bb] m. w. Nachw.).

Der in Recht­spre­chung und Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, das Feh­len der (Her­stel­ler-)Ga­ran­tie, der ihr teil­wei­ser Ab­lauf gleich­zu­set­zen wä­re, sei als Sach­man­gel zu be­trach­ten (Stau­din­ger/Hon­sell, BGB, 13. Aufl., § 459 Rn. 92, So­er­gel/Hu­ber, BGB, 12. Aufl., § 459 Rn. 301, Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 5. Aufl., Rn. 439 und 627, OLG Frank­furt, Urt. v. 30.09.1983 – 22 U 32/83, MDR 1984, 141, OLG Stutt­gart, Urt. v. 19.11.1984 – 2 U 15/84, RIW/AWD 1985, 243, LG Bie­le­feld, Urt. v. 18.12.1970 – 5 O 486/70, MDR 1971, 661), ver­mag der Se­nat nicht zu fol­gen. Zwar ist dem Be­ru­fungs­ge­richt dar­in zu­zu­stim­men, dass die Ver­kür­zung der Ga­ran­tie­frist ei­nen den Wert des Fahr­zeugs – un­ter Um­stan­den er­heb­lich – her­ab­set­zen­den Um­stand dar­stellt; das Feh­len der Ga­ran­tie oder die Ver­kür­zung der Ga­ran­tie­frist kann im Ein­zel­fall von gro­ßem wirt­schaft­li­chen Ge­wicht sein (so et­wa LG Bie­le­feld, Urt. v. 18.12.1970 – 5 O 486/70, MDR 1971, 661). Auch mag zu­tref­fen, dass der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens üb­li­cher­wei­se das Be­ste­hen ei­ner – vol­len, das heißt erst bei Lie­fe­rung an ihn be­gin­nen­den – Ga­ran­tie des Her­stel­lers vor­aus­set­zen darf (vgl. hier­zu BGH, Urt. v. 20.02.1986 – I ZR 149/83, WM 1986, 776 [un­ter II 1 b bb]; Se­nat, Urt. v. 09.07.1986 – VI­II ZR 184/85, WM 1986, 1321 [un­ter II 2]). Der Be­griff des Feh­lers i. S. des § 459 I BGB setzt in­des­sen wei­ter vor­aus, dass der frag­li­che Um­stand nicht nur ei­ne recht­li­che Be­zie­hung der Kauf­sa­che zur Um­welt dar­stellt, son­dern dass die­se Be­zie­hung in der Be­schaf­fen­heit der Kauf­sa­che ih­ren Grund hat, ihr al­so an­haf­tet. Dem­entspre­chend ist in der Recht­spre­chung die durch die räum­li­che La­ge be­ding­te recht­li­che Un­mög­lich­keit, Kel­ler­räu­me als Woh­nun­gen zu be­nut­zen (BGH, Urt. v. 20.03.1987 – V ZR 27/86, NJW 1987, 2511 [un­ter I]), als Feh­ler an­er­kannt wor­den, nicht da­ge­gen ei­ne von der Be­schaf­fen­heit des er­wor­be­nen Wohn­rau­mes un­ab­hän­gi­ge, für den Käu­fer un­güns­ti­ge steu­er­li­che Be­hand­lung der Kos­ten des Er­werbs (BGH, Urt. v. 30.10.1987 – V ZR 144/86, WM 1988, 48) so­wie gleich­falls nicht die cha­rak­ter­li­che Un­zu­ver­läs­sig­keit ei­nes maß­geb­li­chen Mit­ar­bei­ters ei­nes ver­kauf­ten Un­ter­neh­mens (Se­nat, Urt. v. 16.01.1991 – VI­II ZR 335/89, WM 1991, 589 [un­ter II 3 a bb]).

Da­nach ist die Ver­kür­zung der Ga­ran­tie­frist für ein ver­kauf­tes Fahr­zeug nicht als Feh­ler i. S. des § 459 I BGB zu be­trach­ten, weil hier­von we­der die Be­schaf­fen­heit des Fahr­zeu­ges be­trof­fen ist (wie hier MünchKomm-BGB/Wes­ter­mann, 3. Aufl., § 459 Rn. 37; Er­man/Gru­ne­wald, BGB, 9. Aufl., § 459 Rn. 10), noch der in der Ab­kür­zung der Ga­ran­tie lie­gen­de, für die Kauf­sa­che nach­tei­li­ge Um­stand in ih­rer Be­schaf­fen­heit wur­zelt.

2. Da das Be­ru­fungs­ge­richt of­fen­ge­las­sen hat, ob dem Fahr­zeug wei­te­re, von der Klä­ge­rin be­haup­te­te Man­gel an­haf­ten, ist dem Se­nat ei­ne ei­ge­ne Sach­ent­schei­dung ver­wehrt (§ 565 I ZPO). Für die wei­te­re Ver­hand­lung wird auf fol­gen­de Um­stän­de hin­ge­wie­sen:

a) Da feh­len­de Ga­ran­ti­en oder ab­ge­kürz­te Ga­ran­tie­fris­ten kei­nen Sach­man­gel dar­stel­len (sie­he oben II 1), kommt es auf die vom Be­ru­fungs­ge­richt er­ör­ter­te, aber nicht ent­schie­de­ne Fra­ge, ob die Ga­ran­tie­re­ge­lun­gen des Her­stel­lers für die nach Deutsch­land ge­lie­fer­ten und für die für den fran­zö­si­schen Markt pro­du­zier­ten Fahr­zeu­ge un­ter­schied­lich lan­ge Ga­ran­tie­fris­ten auf­wei­sen, nicht an.

b) Die Be­ru­fung der Klä­ge­rin auf die von ihr be­haup­te­ten Aus­stat­tungs­un­ter­schie­de zwi­schen dem be­stell­ten und dem schließ­lich ge­lie­fer­ten Fahr­zeug kann nur dann Er­folg ha­ben, wenn der Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss, auf den die Be­klag­te sich be­ruft, un­wirk­sam ist. Hier­zu wird das Be­ru­fungs­ge­richt, wie die Re­vi­si­on in an­de­rem Zu­sam­men­hang zu Recht rügt, zu­nächst fest­zu­stel­len ha­ben, „als was“ das Fahr­zeug ver­kauft wur­de. Han­delt es sich bei dem zwi­schen den Par­tei­en zu­nächst ab­ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag, wie die „Be­stel­lung“ nach ih­rem Wort­laut ver­mu­ten lässt („ge­braucht, wie be­sich­tigt und un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung“), um ei­nen Ge­braucht­wa­gen­kauf, so ist die Ge­währ­leis­tung hier­für nach Nr. V 1 der dem Kauf­ver­trag zu­grun­de­lie­gen­den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten wirk­sam aus­ge­schlos­sen (Se­nat, Urt. v. 23.11.1994 – VI­II ZR 19/94, WM 1995, 160 [un­ter II 2 a]). Han­delt es sich da­ge­gen um den Ver­kauf ei­nes Neu­fahr­zeugs, so ist die Ge­währ­leis­tung nach Nr. V 2 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen wirk­sam (§ 11 Nr. 10 lit. b AGBG) auf Nach­bes­se­rung oder Er­satz­lie­fe­rung und erst hilfs­wei­se auf Wan­de­lung oder Min­de­rung be­schränkt.

c) Falls, was das Be­ru­fungs­ge­richt an­nimmt, die Be­klag­te der Klä­ge­rin die Lie­fe­rung ei­nes Fahr­zeugs mit – vol­ler – Werks­ga­ran­tie schul­de­te, kommt an­ge­sichts der von der Vor­in­stanz an­ge­nom­me­nen ab­ge­kürz­ten Ga­ran­tie, die die Be­klag­te der Klä­ge­rin ver­schafft hat, die Ver­let­zung ei­ner kauf­ver­trag­li­chen Ne­ben­leis­tungs­pflicht durch die Be­klag­te in Be­tracht mit der Fol­ge, dass der Klä­ge­rin mög­li­cher­wei­se Rech­te aus dem Ge­sichts­punkt der po­si­ti­ven Ver­trags­ver­let­zung zu­ste­hen (vgl. BGH, Urt. v. 07.03.1983 – VI­II ZR 331/81, BGHZ 87, 88 [92], Pa­landt/Hein­richs, BGB, 55. Aufl., § 276 Rn. 112). Die Klä­ge­rin als Lea­sing­neh­me­rin ver­mag in­des­sen der­ar­ti­ge An­sprü­che nur aus ab­ge­lei­te­tem Recht zu er­he­ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt wird da­her, ge­ge­be­nen­falls nach ent­spre­chen­dem Vor­trag der Par­tei­en, zu prü­fen ha­ben, ob den dem Lea­sing­ver­trag zu­grun­de­lie­gen­den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ei­ne der­ar­ti­ge Ab­tre­tung zu ent­neh­men ist.

d) Aus­weis­lich des Ur­teils­te­nors hält das Be­ru­fungs­ge­richt auch den An­spruch der Klä­ge­rin ge­gen die Be­klag­te, sie von al­len ge­gen­über der Lea­sing­ge­be­rin be­ste­hen­den Ver­bind­lich­kei­ten aus dem Lea­sing­ver­trag zu be­frei­en, für „dem Grun­de nach ge­recht­fer­tigt“. In­des­sen war der Er­lass ei­nes Grun­dur­teils über das der Hö­he nach un­be­stimm­te Frei­stel­lungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin, al­so über ei­nen un­be­zif­fer­ten An­spruch, man­gels ei­nes nach Grund und Hö­he strei­ti­gen An­spruchs ge­mäß § 304 I ZPO nicht zu­läs­sig (BGH, Urt. v. 30.11.1989 – IX ZR 249/88, NJW 1990, 1366 [un­ter 1 b cc]).

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