Be­auf­tragt der Gläu­bi­ger ei­nen Ge­richts­voll­zie­her mit ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung, die von ei­ner Zug um Zug zu be­wir­ken­den Leis­tung des Gläu­bi­gers an den Schuld­ner ab­hängt, so muss der Ge­richts­voll­zie­her dem Schuld­ner die Ge­gen­leis­tung tat­säch­lich so an­bie­ten, wie sie zu be­wir­ken ist (§ 756 I ZPO i. V. mit § 294 BGB). Ein sol­ches den Ver­zug der An­nah­me be­grün­den­des An­ge­bot liegt nicht vor, wenn der Ge­richts­voll­zie­her in sei­nem Pro­to­koll über die Zwangs­voll­stre­ckung aus­drück­lich fest­stellt, dass ei­ne dem Schuld­ner zu über­ge­ben­de und zu über­eig­nen­de Sa­che die­sem im vor­ge­fun­de­nen Zu­stand nicht an­ge­bo­ten wer­den konn­te.

OLG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 05.06.2018 – I-21 U 8/18

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin be­stell­te im Au­gust 2007 bei der Be­klag­ten ins­ge­samt 100.000 Klemm­schrau­ben M 14 x 1 LH zum Preis von 48,90 € net­to je 100 Stück. In der Auf­trags­be­stä­ti­gung der Be­klag­ten heißt es un­ter an­de­rem, dass bei Son­der­an­fer­ti­gun­gen ma­te­ri­al­be­ding­te Men­gen­to­le­ran­zen von ±15 % als han­dels­üb­lich ak­zep­tiert gäl­ten. In der Fol­ge­zeit lie­fer­te die Be­klag­te der Klä­ge­rin ins­ge­samt 43.681 Schrau­ben, und die Klä­ge­rin zahl­te die ihr hie­für in Rech­nung ge­stell­ten Be­trä­ge. Mit Schrei­ben vom 29.06.2009 stell­te die Be­klag­te wei­te­re 61.319 Schrau­ben fäl­lig und ab­hol­be­reit. Zu ei­ner Lie­fe­rung oder Ab­ho­lung die­ser Schrau­ben kam es in der Fol­ge­zeit nicht.

Die Be­klag­te nahm die Klä­ge­rin dar­auf­hin vor dem LG Wup­per­tal auf Zah­lung von 41.804,08 € nebst Zin­sen, Zug um Zug ge­gen Lie­fe­rung von 71.319 Schrau­ben, in An­spruch. Das Land­ge­richt gab der Kla­ge mit Ur­teil vom 15.05.2012 statt. Auf die Be­ru­fung der Klä­ge­rin än­der­te das OLG Düs­sel­dorf das Ur­teil des Land­ge­richts da­hin ab, dass die Klä­ge­rin 48,90 € (nebst Zin­sen) je 100 Stück Klemm­schrau­ben an die Be­klag­te zu zah­len hat, Zug um Zug ge­gen Lie­fe­rung von 41.319 bis 71.319 Schrau­ben (OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 30.11.2012 – I-22 U 126/12) . Das Ur­teil ist seit Ja­nu­ar 2013 rechts­kräf­tig.

Die Be­klag­te bot der Klä­ge­rin zum Zwe­cke der Voll­stre­ckung ei­nes Be­trags von 55.947,11 € am 11.06.2013 Schrau­ben an. Der vom 06.06.2013 da­tie­ren­de Lie­fer­schein wies ei­ne Lie­fe­rung von 71.319 Klemm­schrau­ben in 133 Kar­tons auf zwei Eu­ro­palet­ten mit ei­nem Ge­wicht von 798 kg aus. Die Klä­ge­rin lehn­te die An­nah­me der Schrau­ben un­ter Hin­weis auf de­ren Man­gel­haf­tig­keit ab.

Weil die Kar­tons teil­wei­se feucht ge­wor­den wa­ren, ver­pack­te die Be­klag­te die Schrau­ben im An­schluss an den An­lie­fe­rungs­ver­such zum Teil neu. Sie be­auf­trag­te so­dann den Ober­ge­richts­voll­zie­her H mit der Voll­stre­ckung. Da­für lie­fer­te sie die Schrau­ben am 15.08.2013 noch­mals bei der Klä­ge­rin an. H ver­merk­te in sei­nem Voll­stre­ckungs­pro­to­koll vom 15.08.2013:

„Die stich­pro­ben­ar­ti­ge Über­prü­fung der an­zu­bie­ten­den Wa­re hat fol­gen­des Er­geb­nis ge­bracht:

a) die Be­schrif­tun­gen der Kar­tons wa­ren nicht ur­teils­kon­form – sie­he Fo­tos,

b) die Schrau­ben wa­ren nicht leh­ren­hal­tig,

c) die Schrau­ben wa­ren ver­dreckt bzw. oxi­diert,

d) nach gro­ber Schät­zung wur­de auch ei­ne Stück­zahl­dif­fe­renz fest­ge­stellt. Es kön­nen kei­nes­falls die auf dem Lie­fer­schein an­ge­führ­te Men­ge in den an­ge­lie­fer­ten Kar­tons sein.

Ab­schlie­ßend wur­de da­her fest­ge­stellt, dass die Wa­re in dem vor­ge­fun­de­nen Zu­stand nicht im We­ge der Zug-um-Zug-Leis­tung an­ge­bo­ten wer­den konn­te.“

Die Klä­ge­rin wies die Schrau­ben, von de­nen ei­ni­ge bei bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen Ver­un­rei­ni­gun­gen/Ver­fär­bun­gen/An­haf­tun­gen auf­wie­sen, un­ter Hin­weis auf de­ren Man­gel­haf­tig­keit zu­rück.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 21.08.2013 setz­te die Klä­ge­rin der Be­klag­ten ei­ne Frist bis zum 20.09.2013 zur Lie­fe­rung von min­des­tens 41.319 und höchs­tens 71.319 man­gel­frei­en, ins­be­son­de­re rost­frei­en und leh­ren­hal­ti­gen Schrau­ben. Nach­dem die Be­klag­te in­ner­halb der Frist nicht re­agiert hat­te, er­klär­te die Klä­ge­rin mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 24.09.2013 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Die Be­klag­te teil­te mit An­walts­schrei­ben vom 02.10.2013 mit, dass sie den Ge­richts­voll­zie­her zur Fort­set­zung der Zwangs­voll­stre­ckung auf­ge­for­dert ha­be.

Mit ih­rer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge hat die Klä­ge­rin er­rei­chen wol­len, dass die Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Ur­teil des OLG Düs­sel­dorf vom 30.11.2012 – I-22 U 126/12 – für un­zu­läs­sig er­klärt wird.

Sie hat be­haup­tet, die Be­klag­te ha­be ihr bei bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen nicht die im Lie­fer­schein an­ge­ge­be­ne Men­ge an Schrau­ben an­ge­bo­ten. Die Min­dest­men­ge von cir­ca 41.000 Schrau­ben – so hat die Klä­ge­rin zu­nächst be­haup­tet – sei nicht an­nä­hernd er­reicht ge­we­sen. Spä­ter hat die Klä­ge­rin be­haup­tet, es sei­en al­len­falls cir­ca 50.000 Schrau­ben an­trans­por­tiert wor­den. Wei­ter hat die Klä­ge­rin gel­tend ge­macht, dass die ihr an­ge­bo­te­nen Schrau­ben ent­ge­gen der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung nicht leh­ren­hal­tig ge­we­sen sei­en. Nur leh­ren­hal­ti­ge Schrau­ben ent­sprä­chen dem Stand der Tech­nik; je­den­falls bei – wie hier – si­cher­heits­re­le­van­ten Son­der­schrau­ben rei­che ei­ne Mut­tern­gän­gig­keit nicht aus. Ein be­trächt­li­cher Teil der an­ge­bo­te­nen Schrau­ben sei zu­dem oxi­diert und ver­dreckt ge­we­sen. Die Ver­ros­tun­gen be­ruh­ten ent­we­der auf ei­ner feh­ler­haf­ten Pro­duk­ti­on oder auf ei­ner nicht ord­nungs­ge­mä­ßen, ins­be­son­de­re nicht tro­cke­nen La­ge­rung durch die Be­klag­te. Die Schrau­ben sei­en für die be­son­ders si­cher­heits­emp­find­li­che au­to­mo­ti­ve in­dus­try be­stimmt ge­we­sen, die nur Pro­duk­te ab­neh­me, die auch op­tisch in ei­nem ein­wand­frei­en Zu­stand sei­en. Dies ha­be die Be­klag­te ge­wusst.

Die Be­klag­te hat be­haup­tet, sie ha­be der Klä­ge­rin bei bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen wie an­ge­kün­digt 71.319 Schrau­ben an­ge­bo­ten. Die­se sei­en leh­ren­hal­tig ge­we­sen, ob­wohl die Leh­ren­hal­tig­keit nicht ver­trag­lich ver­ein­bart ge­we­sen sei. Sie – die Be­klag­te – ha­be nur mut­tern­gän­gi­ge Schrau­ben ge­schul­det, und je­den­falls die Mut­tern­gän­gig­keit sei ge­ge­ben ge­we­sen. Au­ßer­dem sei be­reits nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin nur ei­ne ge­rin­ge An­zahl der Schrau­ben von Ver­un­rei­ni­gun­gen be­trof­fen ge­we­sen; es ha­be da­her nur ein un­we­sent­li­cher Man­gel vor­ge­le­gen, der zu­dem durch ein­fa­ches Rei­ni­gen der Schrau­ben oh­ne Wei­te­res hät­te be­sei­tigt wer­den kön­nen. Et­wai­ge Oxi­die­run­gen oder Ver­un­rei­ni­gun­gen – so hat die Be­klag­te gel­tend ge­macht – fie­len zu­dem in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Klä­ge­rin, da die­se sich seit dem 29.06.2009 und da­her auch im Zeit­raum der Ver­schlech­te­rung im An­nah­me­ver­zug be­fun­den ha­be. Sie – die Be­klag­te – selbst ha­be die Schrau­ben je­der­zeit tro­cken ge­la­gert.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge mit Ur­teil vom 16.06.2017 statt­ge­ge­ben.

Es hat aus­ge­führt, die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge nach § 767 ZPO sei der statt­haf­te Rechts­be­helf zur Gel­tend­ma­chung ei­ner rechts­ver­nich­ten­den Ein­wen­dung ge­gen­über dem ti­tu­lier­ten An­spruch und als sol­cher be­grün­det. In­fol­ge des wirk­sam mit Schrei­ben vom 24.09.2013 er­klär­ten Rück­tritts sei der ti­tu­lier­te Zah­lungs­an­spruch der Be­klag­ten er­lo­schen und der Klä­ge­rin ste­he ei­ne ma­te­ri­ell-recht­li­che Ein­wen­dung ge­gen den durch das Ur­teil fest­ge­stell­ten An­spruch zu.

Die Be­klag­te ha­be die fäl­li­ge Ver­bind­lich­keit zur Lie­fe­rung von 41.319 bis 71.319 Klemm­schrau­ben M 14 x 1 LH bis zum Ab­lauf der von der Klä­ge­rin ge­setz­ten Frist nicht er­füllt. Sie ha­be der Klä­ge­rin die Leis­tung auch nicht in ei­ner den An­nah­me­ver­zug be­grün­den­den Wei­se an­ge­bo­ten, denn die An­ge­bo­te vom 11.06. und vom 15.08.2013 sei­en kei­ne ord­nungs­ge­mä­ßen tat­säch­li­chen An­ge­bo­te i. S. von § 294 BGB ge­we­sen. Ein ord­nungs­ge­mä­ßes An­ge­bot i. S. von § 294 BGB lie­ge nur vor, wenn die ge­schul­de­te Leis­tung (sach-)man­gel­frei und in der ge­schul­de­ten Men­ge an­ge­bo­ten wer­de. Die Be­klag­te ha­be die ge­schul­de­te Leis­tung we­der sach­man­gel­frei noch in der ge­schul­de­ten Men­ge an­ge­bo­ten. Die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben sei­en zu­min­dest teil­wei­se man­gel­haft ge­we­sen, da sie Ver­un­rei­ni­gun­gen auf­ge­wie­sen hät­ten. Da­bei kön­ne die Ab­we­sen­heit von äu­ße­ren Feh­lern wie Ver­schmut­zun­gen auch oh­ne da­hin ge­hen­de Be­schaf­fen­heits- oder Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung als üb­lich i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB er­war­tet wer­den. Selbst wenn die Ver­un­rei­ni­gun­gen, wie von Be­klag­ten­sei­te be­haup­tet, durch ei­ne ein­fa­che Rei­ni­gung hät­ten ent­fernt wer­den kön­nen, kön­ne es je­den­falls bei ei­ner Lie­fe­rung von mehr als 70.000 Ein­zel­tei­len nicht der Klä­ge­rin ob­lie­gen, die zu rei­ni­gen­den Ein­zel­tei­le aus­zu­sor­tie­ren und ein­zeln ei­ner sol­chen Rei­ni­gung zu un­ter­zie­hen. Dies gel­te ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass nach dem ge­sam­ten In­halt der Ver­hand­lun­gen so­wie dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me nicht da­von aus­zu­ge­hen sei, dass le­dig­lich ei­ni­ge we­ni­ge Schrau­ben von den Ver­un­rei­ni­gun­gen be­trof­fen ge­we­sen sei­en. So zeig­ten ins­be­son­de­re die bei den bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen ge­fer­tig­ten Licht­bil­der Kar­tons mit ei­ner grö­ße­ren An­zahl ver­un­rei­nig­ter Schrau­ben. Auch un­ter Zu­grun­de­le­gung der Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen sei nicht von ei­ner „un­er­heb­li­chen Er­schei­nung“ aus­zu­ge­hen, da da­nach im­mer­hin sehr vie­le der cir­ca 7.650 Schrau­ben in 17 der 171 prä­sen­tier­ten Kar­tons Ab­la­ge­run­gen der Kar­to­na­ge auf­wie­sen.

Im Er­geb­nis nicht von Be­deu­tung sei in die­sem Zu­sam­men­hang die Fra­ge, ob sich die Klä­ge­rin in dem Zeit­raum der Durch­feuch­tung der Kar­tons in An­nah­me­ver­zug be­fun­den ha­be. Denn die Be­klag­te ha­be we­der dar­ge­legt noch be­wie­sen, dass die Durch­feuch­tung nicht auf ei­nem grob fahr­läs­si­gen Ver­hal­ten ih­rer­seits be­ruh­te (vgl. § 300 I BGB). Die Kam­mer hal­te es nicht für plau­si­bel, dass die Be­klag­te die Kar­tons – wie von ihr be­haup­tet – tro­cken ge­la­gert und so­dann ent­spre­chend den An­ga­ben des Zeu­gen E tro­cken in Fo­lie ein­ge­schweißt und an­ge­lie­fert ha­be. In die­sem Fall ver­blie­be kein Zeit­raum, in dem die Durch­feuch­tung hät­te ein­tre­ten kön­nen.

Die Be­klag­te ha­be zu­dem nicht nach­ge­wie­sen, dass sie zu­min­dest mut­tern­gän­gi­ge Schrau­ben an­ge­bo­ten ha­be. Sie kön­ne sich nicht auf das Er­geb­nis des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens be­ru­fen, da nicht fest­ge­stellt wer­den kön­ne, ob der Sach­ver­stän­di­ge die der Klä­ge­rin an­ge­bo­te­nen oder an­de­re bei der Be­klag­ten ge­la­ger­te Schrau­ben un­ter­sucht ha­be. Nach den An­ga­ben des Ge­schäfts­füh­rers der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 12.05.2017 sei­en wei­te­re Kar­tons aus dem La­ger auf die dem Sach­ver­stän­di­gen prä­sen­tier­ten Pa­let­ten „oben drauf“ ge­stellt und dem Sach­ver­stän­di­gen da­mit 85.900 Schrau­ben in 171 Kar­tons zur Un­ter­su­chung dar­ge­bo­ten wor­den, ob­wohl die Be­klag­te nach ih­ren ei­ge­nen An­ga­ben nur 71.319 Schrau­ben in 133 bzw. 136 Kar­tons an­ge­bo­ten ha­ben will. Auf ei­ne et­waig über die Mut­tern­gän­gig­keit hin­aus ge­schul­de­te Leh­ren­hal­tig­keit der Schrau­ben kom­me es da­mit nicht mehr ent­schei­dend an.

Die Be­klag­te kön­ne fer­ner nicht nach­wei­sen, dass sie bei den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen die in dem Lie­fer­schein an­ge­ge­be­ne Men­ge von 71.319 Schrau­ben an­ge­bo­ten ha­be. Nach dem Ur­teil des OLG Düs­sel­dorf sei zwar (le­dig­lich) ei­ne Lie­fe­rung von 41.319 bis 71.319 Schrau­ben ge­schul­det ge­we­sen; nach­dem die Be­klag­te je­doch be­ab­sich­tigt ha­be, ent­spre­chend des von ihr aus­ge­stell­ten Lie­fer­scheins die Lie­fe­rung von 71.319 Schrau­ben ab­zu­rech­nen, stel­le auch nur das An­ge­bot ei­ner Lie­fe­rung von 71.319 Schrau­ben ein ord­nungs­ge­mä­ßes An­ge­bot dar. Auf­grund des ge­sam­ten In­halts der Ver­hand­lun­gen und des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me sei die Kam­mer da­von über­zeugt, dass die Be­klag­te bei bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen deut­lich we­ni­ger als 71.319 Schrau­ben an­ge­bo­ten ha­be.

Mit ih­rer da­ge­gen ge­rich­te­ten Be­ru­fung hat die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter­ver­folgt. Sie ist der An­sicht, die Klä­ge­rin sei be­reits nicht wirk­sam vom Ver­trag zu­rück­ge­tre­ten. Nach­dem der Ver­trag be­reits seit Jah­ren wei­ten­teils ord­nungs­ge­mäß er­füllt wor­den sei, ha­be die Klä­ge­rin nicht wirk­sam von dem ge­sam­ten Ver­trag zu­rück­tre­ten kön­nen. Ein In­ter­es­sen­weg­fall i. S. des § 323 V 1 BGB sei we­der ge­ge­ben noch von der Klä­ge­rin dar­ge­legt wor­den. Da­mit ge­he die Er­klä­rung der Klä­ge­rin vom 24.09.2013 ins Lee­re, wo­bei of­fen­sicht­lich auch die Klä­ge­rin selbst nicht die Rück­ab­wick­lung des ge­sam­ten Ver­trags ge­wollt ha­be.

Es sei auch kein Rück­tritts­grund ge­ge­ben. Die An­ge­bo­te vom 11.06. und 15.08.2013 stell­ten je­weils ver­trags­ge­mä­ße An­ge­bo­te dar, da sie – die Be­klag­te – die ge­schul­de­te Leis­tung in bei­den Fäl­len sach­man­gel­frei und in der ge­schul­de­ten Men­ge an­ge­bo­ten ha­be. Die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben wie­sen ins­be­son­de­re kei­ne Ver­un­rei­ni­gun­gen oder sons­ti­ge Er­schei­nun­gen auf; zu­dem könn­ten sol­che oh­ne ent­spre­chen­de Be­schaf­fen­heits- oder Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung nicht als Man­gel i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB gel­ten. Dass die Schrau­ben feh­ler­frei sei­en, ha­be auch die durch­ge­führ­te Be­weis­auf­nah­me er­ge­ben, da der sei­tens des Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­te rein op­ti­sche Man­gel in Form von Ver­fär­bun­gen aus­drück­lich nicht zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­tüch­tig­keit füh­re und in Be­zug auf die Ge­samt­men­ge des Lo­ses un­er­heb­lich sei. Die recht­lich nicht re­le­van­ten Er­schei­nun­gen an ein­zel­nen Schrau­ben hät­te die Klä­ger zu­dem oh­ne Wei­te­res in zu­mut­ba­rer Wei­se selbst be­sei­ti­gen kön­nen. So­weit das Land­ge­richt sei­ne An­nah­me, es sei­en Schrau­ben in grö­ße­rer An­zahl ver­un­rei­nigt ge­we­sen, al­lein auf die von der Klä­ge­rin bei An­lie­fe­rung ge­fer­tig­ten Licht­bil­der stüt­zen wol­le, sei dies be­reits kei­ne Grund­la­ge, die ei­ne Be­ur­tei­lung i. S. von § 286 ZPO er­lau­be.

Fer­ner ha­be sie – die Be­klag­te – die al­len­falls rein op­ti­schen und recht­lich nicht re­le­van­ten Er­schei­nun­gen nicht i. S. von § 300 I BGB zu ver­tre­ten. Die Klä­ge­rin ha­be sich seit dem 29.09.2009 im An­nah­me­ver­zug be­fun­den, da sie die Ab­nah­me der schon da­mals ver­trags­ge­recht an­ge­bo­te­nen Wa­re zu Un­recht ab­ge­lehnt ha­be. Au­ßer­dem sei die Klä­ge­rin vor­leis­tungs­pflich­tig; sie hät­te mit­hin zu­nächst ih­re Zah­lung leis­ten müs­sen, be­vor sie an­schlie­ßend ih­ren An­nah­me­ver­zug durch die tat­säch­li­che An­nah­me der Wa­re hät­te be­en­den kön­nen.

So­weit die Er­schei­nun­gen an den Schrau­ben von ei­ner Durch­feuch­tung der Kar­tons her­rüh­ren soll­ten, stam­me die­se Durch­feuch­tung je­den­falls nicht aus ih­rer – der Be­klag­ten – Sphä­re. Die Schrau­ben sei­en zu al­len Zei­ten ord­nungs­ge­mäß und tro­cken ge­la­gert wor­den; je­den­falls sei aus­ge­schlos­sen, dass ir­gend­wel­che un­üb­li­chen Er­schei­nun­gen an den Schrau­ben au­ßer­halb des Zeit­raums des An­nah­me­ver­zugs der Klä­ge­rin ein­ge­tre­ten sei­en.

Die Be­klag­te be­haup­tet wei­ter, wie dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zu ent­neh­men sei, sei­en die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben auch mut­tern­gän­gig ge­we­sen. In­so­weit spie­le kei­ne Rol­le, ob der Sach­ver­stän­di­ge nur die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben oder auch an­de­re Schrau­ben be­gut­ach­tet ha­be. Denn die Be­gut­ach­tung ha­be er­ge­ben, dass al­le un­ter­such­ten Schrau­ben mut­tern­gän­gig und in ih­rer Funk­ti­on und Ver­wend­bar­keit nicht be­ein­träch­tigt sei­en.

Schließ­lich meint die Be­klag­te, dass auch ein An­ge­bot von we­ni­ger Schrau­ben als im Lie­fer­schein an­ge­ge­ben (71.319 Schrau­ben) je­den­falls dann ein ord­nungs­ge­mä­ßes An­ge­bot sei, wenn min­des­tens 41.319 Schrau­ben an­ge­bo­ten wür­den. Denn der Lie­fer­schein be­grün­de we­der ei­ne ei­ge­ne, noch mo­di­fi­zie­re er ei­ne be­reits be­ste­hen­de Lie­fer­ver­pflich­tung. Nach­dem die Klä­ge­rin letzt­lich zu­ge­stan­den ha­be, dass sie – die Be­klag­te – cir­ca 50.000 Schrau­ben an­trans­por­tiert ha­be, kön­ne ei­ne Min­der­men­ge nicht fest­ge­stellt wer­den. Bei den strei­ti­gen An­lie­fe­run­gen han­de­le es sich um teil­ba­re Leis­tun­gen, wel­che bei ei­ner man­gel­haf­ten Teil­quan­ti­tät nicht ins­ge­samt nach § 266 BGB zu­rück­ge­wie­sen wer­den könn­ten.

Die Be­klag­te hat für den Fall, dass ih­re Be­ru­fung Er­folg hat, wi­der­kla­gend die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die Klä­ge­rin mit der An­nah­me von Schrau­ben in Ver­zug ist.

Die Klä­ge­rin hat gel­tend ge­macht, die Be­klag­te ha­be den Nach­weis, dass die von ihr an­ge­lie­fer­ten Schrau­ben mut­tern­gän­gig ge­we­sen sei­en, nicht er­bracht. Der Sach­ver­stän­di­ge ha­be ge­ra­de nicht fest­ge­stellt, dass al­le Schrau­ben mut­tern­gän­gig ge­we­sen sei­en. Ge­ra­de die Tat­sa­che, dass die Be­klag­te dem Sach­ver­stän­di­gen weit mehr Schrau­ben prä­sen­tiert ha­be, als ihr – der Klä­ge­rin – da­mals an­ge­lie­fert wor­den sei­en, ver­hin­de­re den kon­kre­ten Rück­schluss aus der stich­pro­ben­ar­ti­gen Über­prü­fung des Sach­ver­stän­di­gen auf den tat­säch­li­chen Zu­stand der an­ge­lie­fer­ten Schrau­ben. Das gel­te um­so mehr, als der Sach­ver­stän­di­ge die Stich­pro­ben aus­schließ­lich aus den Kar­tons ent­nom­men ha­be, die von der Be­klag­ten „oben drauf“ ge­stellt wor­den sei­en, wo­bei es sich ge­ra­de um die „zu­sätz­li­chen Schrau­ben­men­gen“ ge­han­delt ha­be.

Sie – die Klä­ge­rin – sei im Üb­ri­gen im­mer an­nah­me­be­reit ge­we­sen. Al­ler­dings ha­be sich im­mer wie­der ge­zeigt, dass die Be­klag­te nicht in der La­ge ge­we­sen sei, die von ihr ab­ge­ru­fe­nen Men­gen zu lie­fern. Fer­ner sei zu kei­nem Zeit­punkt Vor­kas­se ver­ein­bart wor­den; je­den­falls gel­te die Ab­re­de „Vor­kas­se“ nicht für die hier in Re­de ste­hen­de (Rest-)Lie­fe­rung, da die Be­klag­te Zah­lung nur Zug um Zug ge­gen Lie­fe­rung der Schrau­ben ver­lan­gen kön­ne.

Die Be­ru­fung war er­folg­los.

Aus den Grün­den: B. Die zu­läs­si­ge Be­ru­fung ist un­be­grün­det. We­der hat die Be­klag­te ei­nen Rechts­feh­ler des an­ge­foch­te­nen Ur­teils i. S. des § 546 ZPO dar­ge­tan, der sich zu ih­ren Un­guns­ten aus­ge­wirkt hat, noch recht­fer­ti­gen die vom Se­nat ge­mäß § 529 I ZPO sei­ner Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen­den Tat­sa­chen ei­ne vom Land­ge­richt ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge zu­guns­ten der Be­klag­ten. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge aus den zu­tref­fen­den Er­wä­gun­gen statt­ge­ge­ben.

I. Die von der Klä­ge­rin er­ho­be­ne Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge i. S. von § 767 ZPO ist be­grün­det. Das Land­ge­richt hat zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass die Klä­ge­rin nach Rechts­kraft des Ur­teils wirk­sam nach § 323 I BGB von dem Ver­trag mit der Be­klag­ten zu­rück­ge­tre­ten ist, so­dass ihr ei­ne ma­te­ri­ell-recht­li­che Ein­wen­dung ge­gen den durch das Ur­teil des OLG Düs­sel­dorf (I-22 U 126/12) ti­tu­lier­ten An­spruch der Be­klag­ten zu­steht.

1. Die Be­klag­te hat die fäl­li­ge Ver­bind­lich­keit zur Lie­fe­rung von 41.319 bis 71.319 Klemm­schrau­ben M 14 x 1 LH bis zum Ab­lauf der von der Klä­ge­rin ge­setz­ten Nach­frist nicht ver­trags­ge­mäß er­füllt.

Das Land­ge­richt hat im Er­geb­nis zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te der Klä­ge­rin die ge­schul­de­ten Schrau­ben bei den bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen am 11.06. und am 15.08.2013 nicht ver­trags­ge­mäß an­ge­bo­ten hat. An die­se Fest­stel­lun­gen ist der Se­nat nach § 529 I Nr. 1 ZPO ge­bun­den, da das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung die vom Ge­richt des ers­ten Rechts­zugs fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen zu­grun­de zu le­gen hat, so­weit nicht kon­kre­te An­halts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen be­grün­den und des­halb ei­ne er­neu­te Fest­stel­lung ge­bie­ten. Der­ar­ti­ge An­halts­punk­te für Zwei­fel an der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der dies­be­züg­li­chen Fest­stel­lun­gen hat der Se­nat nicht, so­dass kei­ne Ver­an­las­sung be­steht, von dem land­ge­richt­li­chen Be­wei­s­er­geb­nis ab­zu­wei­chen, bzw. ei­ne ei­ge­ne Tat­sa­chen­fest­stel­lung vor­zu­neh­men.

a) So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ruft, sie ha­be der Klä­ge­rin am 15.08.2013 die Schrau­ben ver­trags­ge­mäß an­ge­bo­ten, wur­de be­reits kein tat­säch­li­ches An­ge­bot un­ter­brei­tet. Be­auf­tragt der Gläu­bi­ger ei­nen Ge­richts­voll­zie­her mit ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung, die von ei­ner Zug-um-Zug zu be­wir­ken­den Leis­tung des Gläu­bi­gers an den Schuld­ner ab­hängt (§ 756 ZPO), muss die Ge­gen­leis­tung dem Schuld­ner durch den Ge­richts­voll­zie­her tat­säch­lich so an­ge­bo­ten wer­den, wie sie zu be­wir­ken ist (§ 294 BGB; vgl. Zöl­ler/Stö­ber, ZPO, 32. Aufl. [2018], § 756 Rn. 6; Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 5. Aufl. [2016], § 756 Rn. 11).

Un­ab­hän­gig da­von, ob die Schrau­ben man­gel­haft wa­ren, wur­den der Klä­ge­rin die Schrau­ben am 15.08.2013 nicht tat­säch­lich an­ge­bo­ten. Der Zeu­ge H hat als be­auf­trag­ter Ge­richts­voll­zie­her in sei­nem Pro­to­koll über die Zwangs­voll­stre­ckung … aus­drück­lich ver­merkt: „Ab­schlie­ßend wur­de da­her fest­ge­stellt, dass die Wa­re in dem vor­ge­fun­de­nen Zu­stand nicht im We­ge der Zug-um-Zug-Leis­tung an­ge­bo­ten wer­den konn­te.“ (Her­vor­he­bung durch die Ver­fas­ser).

Bei dem nach § 762 ZPO über die Voll­stre­ckungs­hand­lung zu er­stel­len­den Pro­to­koll des Ge­richts­voll­zie­hers han­delt es sich um ei­ne öf­fent­li­che Ur­kun­de, der Be­weis­kraft nach §§ 415, 418 ZPO zu­kommt (Zöl­ler/Sei­bel, ZPO, 32. Aufl. [2018], § 762 Rn. 9). Da­mit be­grün­det das Pro­to­koll vol­len Be­weis hin­sicht­lich der in ihm be­zeug­ten Tat­sa­chen. Dass der Ge­richts­voll­zie­her die Wa­re nicht an­ge­bo­ten hat, wur­de sei­tens der Be­klag­ten auch nicht be­strit­ten. Da­mit gab es am 15.08.2018 kein An­ge­bot der Be­klag­ten an die Klä­ge­rin.

Die Be­klag­te kann sich auch nicht auf die Ent­schei­dung des BGH vom 07.07.2005 (I ZB 7/05, ju­ris Rn. 10) be­ru­fen, wo­nach der Ge­richts­voll­zie­her den Ein­wand des Voll­stre­ckungs­schuld­ners, die Zug um Zug als Ge­gen­leis­tung be­zeich­ne­te Sa­che sei mit ei­nem Man­gel be­haf­tet, nicht zu be­ach­ten ha­be. Denn es geht hier nicht um die Be­ach­tung ei­nes Ein­wands des Voll­stre­ckungs­schuld­ners, son­dern der Ge­richts­voll­zie­her hat auf­grund der von ihm per­sön­lich ge­tä­tig­ten Fest­stel­lun­gen vor Ort von ei­nem An­ge­bot ab­ge­se­hen.

Er­gän­zend gel­ten für den An­lie­fe­rungs­ver­such vom 15.08.2013 die fol­gen­den un­ter b aus­ge­führ­ten Er­wä­gun­gen der Man­gel­haf­tig­keit der an­ge­bo­te­nen Schrau­ben, da bei bei­den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen un­strei­tig die­sel­ben Schrau­ben an­ge­bo­ten wur­den.

b) So­weit die Be­klag­te sich auf ihr An­ge­bot vom 11.06.2013 be­ruft, konn­te die Be­klag­te nicht zur Über­zeu­gung des Se­nats dar­le­gen und be­wei­sen, dass sie die Wa­re man­gel­frei und da­mit ver­trags­ge­mäß an­ge­bo­ten hat.

aa) Der Se­nat geht mit der Kam­mer da­von aus, dass die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben auf­grund der Ver­un­rei­ni­gun­gen/An­haf­tun­gen als sach­man­gel­be­haf­tet an­zu­se­hen sind. Der Ein­wand der Be­klag­ten, das Land­ge­richt ha­be be­reits feh­ler­haft fest­ge­stellt, dass die an­ge­bo­te­nen Schrau­ben auf­grund der Ver­schmut­zun­gen/Ver­fär­bun­gen sach­man­gel­be­haf­tet ge­we­sen sei­en, ver­mag nicht durch­zu­grei­fen.

Zu­tref­fend hat das Land­ge­richt aus­ge­führt, dass auch oh­ne da­hin ge­hen­de Be­schaf­fen­heits- oder Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung die Ab­we­sen­heit von äu­ße­ren Feh­lern wie Ver­schmut­zun­gen/An­haf­tun­gen als üb­li­che Be­schaf­fen­heit i. S. der § 651 Satz 1, § 434 I 2 Nr. 2 BGB von dem Be­stel­ler vor­aus­ge­setzt wer­den kann. Auch wenn die­se Ab­la­ge­run­gen nach Aus­sa­ge des Sach­ver­stän­di­gen mit ho­her Wahr­schein­lich­keit von der Kar­to­na­ge in­fol­ge ei­ner un­sach­ge­mä­ßen La­ge­rung stam­men und letzt­lich kei­ne Be­ein­träch­ti­gung der Funk­ti­on dar­stel­len, sind die­se Ver­schmut­zun­gen/An­haf­tun­gen, die dem Be­trach­ter als Rost- und Kor­ro­si­ons­fol­gen er­schei­nen, nicht hin­zu­neh­men. Zum ei­nen ist der Be­stel­ler nicht ge­hal­ten, die man­gel­haft er­schei­nen­de Wa­re zu­nächst ent­ge­gen­zu­neh­men, um so­dann im Rah­men ei­ner auf­wen­di­gen Sach­ver­stän­di­gen­be­gut­ach­tung, wie sie hier in dem vor­lie­gen­den Rechts­streit vor­ge­nom­men wur­de, fest­stel­len zu las­sen, ob und um wel­che Art von Man­gel (Kor­ro­si­on, Rost, An­haf­tun­gen von Kar­ton) es sich han­delt. Zum an­de­ren woll­te die Klä­ge­rin die Schrau­ben wei­ter­ver­trei­ben, die auf­grund ih­res Er­schei­nungs­bilds min­der­wer­tig und man­gel­haft er­schei­nen (vgl. Licht­bil­der in dem Gut­ach­ten vom 07.01.2015 …). Auch den von der Be­klag­ten mit Schrift­satz vom 11.05.2018 … vor­ge­leg­ten Licht­bil­dern ver­mag der Se­nat kein an­der­wei­ti­ges, „bes­se­res“ Er­schei­nungs­bild zu ent­neh­men. Zu­dem hat der Ge­schäfts­füh­rer der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 31.01.2014 aus­drück­lich er­klärt, „dass er nicht be­strei­te, dass die auf den Fo­tos zur Kla­ge­schrift er­kenn­ba­ren Schrau­ben den Zu­stand wie­der­ge­ben, wie er sich zum Zeit­punkt der An­lie­fe­rung dar­stell­te.“

Wei­ter ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass es sich hier um zeich­nungs­ge­bun­de­ne si­cher­heits­emp­find­li­che Son­der­schrau­ben in Form von selbst­si­chern­den Klemm­schrau­ben mit Links- und Fein­ge­win­de han­delt, die ei­nem er­höh­ten Si­cher­heits­stan­dard ver­pflich­tet sind. Un­ab­hän­gig da­von, ob die Be­klag­te wuss­te, dass die­se Schrau­ben an die au­to­mo­ti­ve in­dus­try wei­ter­ver­trie­ben wer­den soll­ten, wird von der­ar­ti­gen Schrau­ben auch in op­ti­scher Hin­sicht ein dem Si­cher­heits­ge­dan­ken ge­schul­de­tes ein­wand­frei­es Er­schei­nungs­bild er­war­tet. Der Be­haup­tung der Klä­ge­rin, dass es sich um der­ar­ti­ge Si­cher­heits­schrau­ben han­del­te, ist die Be­klag­te nicht qua­li­fi­ziert ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie hat le­dig­lich pau­schal be­strit­ten, dass es sich bei den Schrau­ben um ein si­cher­heits­re­le­van­tes Teil han­de­le. In­so­weit hät­te es ihr als Fach­be­trieb für die Her­stel­lung von „Spe­zi­al­schrau­ben und Dreh­tei­len“ ob­le­gen, die Be­haup­tung un­ter Dar­le­gung der Ein­zel­hei­ten, um wel­che Art von Schrau­ben es sich denn han­del­te, wenn nicht um Si­cher­heits­schrau­ben, sub­stan­zi­iert zu be­strei­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass sich die Be­klag­te in ih­rer Kla­ge­schrift in dem Ver­fah­ren I-22 U 126/12OLG Düs­sel­dorf – da­mit rühmt, dass sie seit 1975 Prä­zi­si­ons­tei­le in al­le Wirt­schafts­zwei­ge – ob nun Berg­bau, Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer, Bun­des­wehr, che­mi­sche In­dus­trie oder An­la­gen- und Ma­schi­nen­bau – lie­fert. Es ist auch dem E-Mail-Ver­kehr der Par­tei­en zu ent­neh­men, dass die Par­tei­en vor der Pro­duk­ti­on der Schrau­ben über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg über die kon­kre­ten Ma­ße und Aus­füh­rungs­for­men der Schrau­ben dis­ku­tiert ha­ben und mehr­fach Mus­ter an­ge­fer­tigt wer­den muss­ten (vgl. An­la­gen K 12 und K 13). Da­mit er­scheint auch die Be­haup­tung der Be­klag­ten, sie ha­be nicht ge­wusst, für wel­chen Zweck die Schrau­ben be­nö­tigt wor­den sei­en, nicht plau­si­bel.

bb) Von der Man­gel­haf­tig­keit der Schrau­ben ist auch dann aus­zu­ge­hen, wenn die Ver­un­rei­ni­gun­gen/An­haf­tun­gen, wie von Be­klag­ten­sei­te be­haup­tet, durch ein­fa­che Rei­ni­gung hät­ten ent­fernt wer­den kön­nen. Denn bei ei­ner Lie­fe­rung von mehr als 50.000 oder – wie von der Be­klag­ten be­haup­tet – 70.000 Ein­zel­tei­len ob­liegt es nicht der Klä­ge­rin als Be­stel­le­rin, die zu rei­ni­gen­den Ein­zel­tei­le aus­zu­sor­tie­ren und die­se so­dann ein­zeln ei­ner Rei­ni­gung zu un­ter­zie­hen. Dies gilt ins­be­son­de­re auch des­halb, weil da­von aus­zu­ge­hen ist, dass die Rei­ni­gung der ein­zel­nen Ril­len des Schrau­ben­ge­win­des nicht ma­schi­nell, son­dern nur mit­tels fi­li­gra­nen Werk­zeugs und mit er­heb­li­chem Zeit­auf­wand vor­ge­nom­men wer­den kann. Ent­spre­chend hat der Sach­ver­stän­di­ge Dr.-Ing. M in sei­nem Gut­ach­ten aus­ge­führt, dass die Ab­la­ge­run­gen „ab­ge­schabt“ wer­den könn­ten. Selbst wenn die An­haf­tun­gen – wie von der Be­klag­ten be­haup­tet – ma­schi­nell in ei­nem gal­va­ni­schen Bad be­sei­tigt wer­den könn­ten, wä­re es Auf­ga­be der Be­klag­ten, die be­trof­fe­nen Schrau­ben her­aus­zu­su­chen und ei­ne ent­spre­chen­de rück­stands­lo­se Rei­ni­gung so­wie ent­spre­chen­de Trock­nung vor­zu­neh­men.

cc) Bei den vor­lie­gen­den Ver­schmut­zun­gen/An­haf­tun­gen han­delt es sich auch nicht um ei­nen nur un­we­sent­li­chen Man­gel. Das Land­ge­richt hat vor dem Hin­ter­grund der Ge­samt­um­stän­de, der vor­ge­leg­ten Licht­bil­der so­wie dem Er­geb­nis der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt, dass nicht le­dig­lich ver­ein­zel­te Schrau­ben von den Ver­un­rei­ni­gun­gen be­trof­fen wa­ren. Be­reits den bei den An­lie­fe­rungs­ver­su­chen ge­fer­tig­ten Licht­bil­dern sind meh­re­re Kar­tons mit ei­ner grö­ße­ren – nicht un­er­heb­li­chen – An­zahl ver­un­rei­nig­ter Schrau­ben zu ent­neh­men. Die­se Fest­stel­lun­gen wer­den auch durch die Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen be­stä­tigt, der aus­ge­führt hat, dass sich in der „Grup­pe A“ (ca. 7.650 Schrau­ben in 17 Kar­tons) „sehr vie­le, au­gen­schein­lich ‚kor­ro­dier­te‘ Tei­le“ be­fan­den“ (S. 5 des Gut­ach­tens). So­weit die Be­klag­te tat­säch­lich – wie von ihr be­haup­tet – die Höchst­men­ge von 71.319 Schrau­ben an­ge­lie­fert hät­te, ent­sprä­che der An­teil be­reits mehr als 10 %. So­weit sie le­dig­lich die von der Klä­ge­rin be­haup­te­te Men­ge von 50.000 Schrau­ben an­ge­lie­fert hat, wä­re es ein An­teil von mehr als 15 %. Da­mit kann hier nicht von ei­ner un­we­sent­li­chen Men­ge ge­spro­chen wer­den.

So­weit der Sach­ver­stän­di­ge in sei­ner Zu­sam­men­fas­sung auf Sei­te 10 sei­nes Gut­ach­tens vom 07.01.2015 zu dem Er­geb­nis kommt, in Be­zug auf die Ge­samt­men­ge die­ses Lo­ses sei die­se Er­schei­nung un­er­heb­lich, ist zum ei­nen zu be­rück­sich­ti­gen, dass dem Sach­ver­stän­di­gen un­strei­tig weit­aus mehr Schrau­ben und Kar­tons zur Be­gut­ach­tung be­reit ge­stellt wur­den, als der Klä­ge­rin an­ge­bo­ten wor­den wa­ren, so­dass der Sach­ver­stän­di­ge die ver­hält­nis­mä­ßi­ge Men­ge der ver­un­rei­nig­ten Schrau­ben nicht zu­tref­fend be­ur­tei­len konn­te. Zu­dem han­delt es sich bei der Fra­ge, ob ei­ne „un­er­heb­li­chen Men­ge“ vor­liegt, um ei­ne Rechts­fra­ge, die vom Ge­richt zu be­ant­wor­ten ist.

Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten war die Klä­ge­rin auf­grund der Ver­un­rei­ni­gun­gen/An­haf­tun­gen auch da­zu be­rech­tigt, die ge­sam­te Lie­fe­rung zu­rück­wei­sen, auch wenn es sich um ei­ne grund­sätz­lich teil­ba­re Lie­fe­rung han­del­te. Denn be­reits auf­grund der ge­fer­tig­ten Licht­bil­der er­scheint es der Klä­ge­rin nicht zu­mut­bar, sich die ein­zel­nen nicht man­gel­be­haf­te­ten Schrau­ben aus der Ge­samt­lie­fe­rung her­aus­zu­su­chen. Fer­ner war die Klä­ge­rin auch nicht da­zu ver­pflich­tet, zu­nächst al­le Kar­tons zu öff­nen und dar­auf­hin zu un­ter­su­chen, ob sich in al­len Kar­tons man­gel­haf­te Schrau­ben be­fan­den, um dann die ein­zel­nen Kar­tons her­aus­zu­su­chen und an­zu­neh­men, in de­nen kei­ne man­gel­haf­ten Schrau­ben zu fin­den wa­ren. Viel­mehr wä­re es Auf­ga­be der Be­klag­ten ge­we­sen, die Kar­tons mit den ver­un­rei­nig­ten Schrau­ben aus­zu­sor­tie­ren und der Klä­ge­rin nur die Kar­tons mit den ein­wand­frei­en Schrau­ben an­zu­bie­ten.

dd) Die Be­klag­te hat die Man­gel­haf­tig­keit zu ver­tre­ten. Auch hier sind die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zu­grun­de zu le­gen, wo­nach die Be­klag­te we­der dar­ge­legt noch be­wie­sen hat, dass die Ab­la­ge­run­gen/An­haf­tun­gen an den Schrau­ben nicht auf ei­nem grob fahr­läs­si­gen Ver­hal­ten ih­rer­seits be­ru­hen (§ 300 I BGB).

Grund­sätz­lich ob­liegt dem Schuld­ner nach § 280 I 2 BGB die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass er die Pflicht­ver­let­zung nicht zu ver­tre­ten hat. Da­bei kommt es auf den zu ver­tre­ten­den Ver­schul­dens­grad nicht an. Be­steht ei­ne Haf­tungs­mil­de­rung, ge­nügt der Nach­weis, dass er den Grad an Sorg­falt be­ach­tet hat, für den er ein­zu­ste­hen hat. Dem­nach hat der Schuld­ner im Rah­men des An­nah­me­ver­zugs die­je­ni­gen Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen, aus de­nen sich er­gibt, dass der Un­ter­gang oder die Ver­schlech­te­rung der Leis­tung nicht auf Vor­satz oder gro­ber Fahr­läs­sig­keit be­ruht (MünchKomm-BGB/Ernst, 7. Aufl. [2016], § 300 Rn. 4; Be­ckOK-BGB/Un­berath, Stand: 01.03.2011 [45. Edi­ti­on], § 300 Rn. 4; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 77. Aufl. [2018], § 300 Rn. 2 und § 280 Rn. 34 ff., 40).

Es ob­lag mit­hin der Be­klag­ten, Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, aus de­nen nach­voll­zieh­bar dar­auf ge­schlos­sen wer­den kann, dass die Ver­schlech­te­rung je­den­falls nicht auf ei­nem grob fahr­läs­si­gen Ver­hal­ten ih­rer­seits be­ruh­te. Dies ist der Be­klag­ten auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht ge­lun­gen, nach­dem sie hier­auf be­reits in dem erst­in­stanz­li­chen Ur­teil hin­ge­wie­sen wur­de.

Die Schrau­ben be­fan­den sich die gan­ze Zeit über un­strei­tig in der Sphä­re der Be­klag­ten. Die­se hat­te die Schrau­ben aus­weis­lich ih­res Schrei­bens vom 29.06.2009 „ab­hol­be­reit“ ge­stellt. Mit­hin ob­lag es der Be­klag­ten im Rah­men ih­rer Dar­le­gungs­last, kon­kre­te Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, die den Rück­schluss zu­las­sen, sie tref­fe hin­sicht­lich der Auf­be­wah­rung und La­ge­rung der Schrau­ben kein grob fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten.

Der Sach­ver­stän­di­gen M hat in sei­nem Gut­ach­ten vom 07.01.2015 (S. 10) fest­ge­stellt, dass die Ver­un­rei­ni­gun­gen/An­haf­tun­gen auf ei­ner un­sach­ge­mä­ßen La­ge­rung der Schrau­ben be­ru­hen. In­so­weit ver­weist der Sach­ver­stän­di­ge dar­auf, dass die Schrau­ben der „Grup­pe A“ nicht in Kunst­stoff­beu­teln ver­packt wa­ren. Die Be­klag­te hat in ih­ren Schrift­sät­zen vom 09.12.2013  und vom 14.02.2014 ein­ge­räumt, dass Fol­ge der lan­gen La­ge­rung Ver­fär­bun­gen und Oxi­da­tio­nen sein kön­nen. In ih­rem Schrift­satz vom 11.05.2018 hat die Be­klag­te dar­auf ab­ge­stellt, dass spe­zi­ell nur die Schrau­ben von den Ver­un­rei­ni­gun­gen/An­haf­tun­gen be­trof­fen sei­en, die nicht zu­sätz­lich in Kunst­stoff­beu­teln ver­packt wor­den sei­en. Dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten ist da­mit nicht zu ent­neh­men, wann und wo und durch wel­che Um­stän­de die Ver­schlech­te­rung ein­ge­tre­ten sein soll. Al­lein fest­stell­bar ist, dass die­se wäh­rend der La­ge­rung bei der Be­klag­ten ein­ge­tre­ten ist. Sie hat kei­ne Tat­sa­chen dar­ge­tan, auf­grund de­rer nach­voll­zieh­bar an­ge­nom­men wer­den könn­te, dass sie nicht grob fahr­läs­sig ge­han­delt hat wäh­rend der La­ge­rungs­zeit. Ihr pau­scha­ler Vor­trag, die Kar­tons sei­en zu je­der Zeit tro­cken ge­la­gert wor­den, ver­mag sie nicht zu ent­las­ten. Es wä­re in­so­weit er­for­der­lich und von ihr als Fach­fir­ma zu er­war­ten ge­we­sen, im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, wie der­ar­ti­ge Schrau­ben grund­sätz­lich rich­tig zu la­gern sind und un­ter Be­ach­tung wel­cher Vor­ga­ben die Be­klag­te die La­ge­rung der Schrau­ben ver­an­lasst hat. Dass grund­sätz­lich auch ei­ne län­ge­re La­ge­rung oh­ne ein­tre­ten­de Ver­un­rei­ni­gun­gen/Ab­la­ge­run­gen mög­lich ist, zei­gen die Schrau­ben, die in den Plas­tik­beu­teln ver­packt wa­ren. Ins­be­son­de­re hat die Be­klag­te in­so­weit nicht zu er­klä­ren ver­mocht, war­um nicht al­le Schrau­ben in Plas­tik­beu­teln in den Kar­tons auf­be­wahrt wur­den, wenn dies schein­bar ei­ner ord­nungs­ge­mä­ßen La­ge­rung ent­sprach.

2. Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten war die Klä­ge­rin auf­grund des Ur­teils nicht da­zu ver­pflich­tet, ih­re Zah­lung im Vor­aus zu leis­ten, denn in dem Ur­teil wur­de le­dig­lich ei­ne Ver­ur­tei­lung Zug um Zug aus­ge­spro­chen.

3. Die Klä­ge­rin hat der Be­klag­ten mit An­walts­schrift­satz vom 21.08.2013 er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Leis­tung ge­setzt. So­dann hat sie ih­ren Rück­tritt wirk­sam ge­gen­über der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 24.09.2013 er­klärt.

Da­bei hat sich die Rück­tritts­er­klä­rung zwei­fels­frei nur auf die in dem Ur­teil te­n­o­rier­te Teil­ver­pflich­tung zur Lie­fe­rung der rest­li­chen Schrau­ben in ei­ner An­zahl von 41.319 bis 71.319 be­zo­gen. Be­reits die Nach­frist­set­zung mit Lie­fe­rungs­auf­for­de­rung vom 21.08.2013 be­zog sich aus­drück­lich nur auf die Lie­fe­rung von „min­des­tens 41.319 und höchs­tens 71.319 Klemm­schrau­ben M 14 x 1 LH“, auf wel­che die Klä­ge­rin in ih­rer Rück­tritts­er­klä­rung Be­zug ge­nom­men hat. Dass auch ein Teil­rück­tritt im Hin­blick auf ei­ne Teil­leis­tung ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten mög­lich ist, er­gibt sich be­reits aus § 323 V 1 BGB. Denn die­ser be­sagt, dass der Gläu­bi­ger bei ei­ner Teil­leis­tung nur dann von dem gan­zen Ver­trag zu­rück­tre­ten kann, wenn er an der Teil­leis­tung kein In­ter­es­se hat. Dar­aus folgt im Um­kehr­schluss, dass der Rück­tritt hin­sicht­lich der Teil­leis­tung je­den­falls zu­läs­sig ist (vgl. hier­zu auch Mün­che­ner-Kom­men­tar/Ernst, a.a.O., § 323 Rn. 3). Letzt­lich steht hier auch nur die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge hin­sicht­lich ei­nes Ti­tels, der sich eben­falls nur über die­se Teil­leis­tungs­ver­pflich­tung ver­hält, in Streit.

Dass der Klä­ge­rin die Mög­lich­keit des Rück­tritts vom Ver­trag auch aus an­de­ren Grün­den ge­le­gen ge­kom­men sein mag, spielt ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten für den vor­lie­gen­den Rechts­streit kei­ne Rol­le. Al­lein ent­schei­dend ist, dass die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ein Rück­tritts­recht nach § 323 I BGB vor­la­gen.

II. Über die Even­tual­wi­der­kla­ge, die die Be­klag­te mit ih­rer Be­ru­fungs­be­grün­dung er­ho­ben hat, war nicht zu ent­schei­den, da die in­ner­pro­zes­sua­le Be­din­gung – Er­folg ih­rer Be­ru­fung – un­ter wel­cher sie die Wi­der­kla­ge er­ho­ben hat, nicht ein­ge­tre­ten ist. …

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