Ein Nach­bes­se­rungs­ver­such des Ver­käu­fers führt nur dann da­zu, dass be­züg­lich des Man­gels, dem der Nach­bes­se­rungs­ver­such galt, die Ver­jäh­rung der Män­gel­an­sprü­che des Käu­fers er­neut be­ginnt, wenn der Ver­käu­fer zu­gleich sei­ne Nach­bes­se­rungs­pflicht i. S. des § 212 I Nr. 1 BGB an­er­kennt.

LG Mün­chen I, Ur­teil vom 10.06.2011 – 12 O 3387/11

Sach­ver­halt: Der Klä­ger, ein Ver­ein, ver­langt von der Be­klag­ten die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen Lkw, den er mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten ge­schlos­sen hat.

Der Klä­ger be­stell­te am 04.20.2008 bei der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten ei­nen Lkw zum Preis von 67.116 € brut­to ab­züg­lich ei­nes Nach­las­ses von 2.013,48 €, al­so zu ei­nem Preis von 65.102,52 €. Ge­lie­fert wur­de der Lkw am 04.11.2008.

Dem Kauf­ver­trag la­gen die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Ver­käu­fe­rin zu­grun­de, in de­nen es un­ter VI­II 2 hieß:

„An­sprü­che des Käu­fers we­gen Sach­män­geln ver­jäh­ren ab­wei­chend vom Ge­setz in ei­nem Jahr ab Über­ga­be des Kauf­ge­gen­stan­des. Die­se ver­kürz­te Ver­jäh­rung gilt nicht in Fäl­len …“

Im De­zem­ber 2008 tra­ten di­ver­se Män­gel an dem Fahr­zeug auf, die durch ei­ne Nach­bes­se­rung im März 2009 nicht voll­stän­dig be­sei­tigt wer­den konn­ten. Am 13.07.2009 wur­de der Lkw dann aber in re­pa­rier­tem Zu­stand dem Klä­ger über­ge­ben.

Die­ser rüg­te mit An­walts­schrei­ben vom 16.03.2010 wei­te­re Män­gel und for­der­te die Be­klag­te zur Nach­bes­se­rung auf. Mit An­walts­schrei­ben vom 20.04.2010 er­klär­te der Klä­ger dann den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag.

Er be­haup­tet, schon im März 2010 sei­en neue – er­heb­li­che – Män­gel auf­ge­tre­ten; so sei­en un­ter an­de­rem der Fahr­ten­schrei­ber und die Wisch­was­ser­pum­pe aus­ge­fal­len, und der An­las­ser, der be­reits frü­her de­fekt ge­we­sen und nach­ge­bes­sert wor­den sei, sei er­neut funk­ti­ons­un­fä­hig ge­wor­den. Nach­dem die Be­klag­te zu ei­ner Re­pa­ra­tur nicht in der La­ge ge­we­sen sei, ha­be ihr Mit­ar­bei­ter M ge­gen­über dem Klä­ger­ver­tre­ter das Ein­ver­ständ­nis mit ei­ner Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges er­klärt.

Die Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: Et­wai­ge Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che des Klä­gers – und da­mit auch der An­spruch auf Rück­ab­wick­lung – sind ver­jährt.

1. Die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Ver­käu­fe­rin sind un­strei­tig Ver­trags­in­halt ge­wor­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers ist die Ver­kür­zung der Ver­jäh­rungs­frist (Vll 2 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen) wirk­sam.

a) Ei­ne Un­wirk­sam­keit der Klau­sel ge­mäߧ§ 474, 475 BGB schei­det aus. Der Klä­ger hat selbst nicht gel­tend ge­macht, Ver­brau­cher im Sin­ne die­ser Re­ge­lun­gen zu sein. Dies schei­tert im Üb­ri­gen be­reits dar­an, dass der Klä­ger als Ver­ein kei­ne na­tür­li­che Per­son und da­mit kein Ver­brau­cher ist.

b) Die Klau­sel ver­stößt auch nicht ge­gen § 309 Nr. 7 lit. a oder b BGB. Denn die dort ge­re­gel­ten Tat­be­stän­de sind aus dem Gel­tungs­be­reich der Ver­jäh­rungs­ver­kür­zung aus­drück­lich aus­ge­nom­men.

c) Eben­so ver­stößt die Klau­sel nicht ge­gen § 309 Nr. 8 lit. b ff BGB. Ein Fall des § 438 Nr. 2 BGB (Bau­werk) liegt nicht vor; im Üb­ri­gen ist ei­ne Ver­kür­zung der Ver­jäh­rung, so­fern sie ein Jahr nicht un­ter­schrei­tet, nach die­ser Re­ge­lung zu­läs­sig.

d) So­weit der Klä­ger meint, die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­jäh­rung sei­en nicht ge­nü­gend prä­zi­se ge­fasst, trifft dies nicht zu. Zwar ist um­strit­ten, ob bei – man­gel­haf­ter – Nach­er­fül­lung die Ver­jäh­rungs­frist neu zu lau­fen be­ginnt (vgl. Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, § 438 Rn. 16a), doch steht dies der Wirk­sam­keit der Klau­sel nicht ent­ge­gen.

Die For­mu­lie­rung der Klau­sel folgt der ge­setz­li­chen Re­ge­lung: Sie ent­hält zum ei­nen – in­so­weit in Ab­wei­chung von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung – die Ver­kür­zung der Ver­jäh­rungs­frist von zwei Jah­ren auf ein Jahr und zum an­de­ren die An­knüp­fung des Be­ginns des Frist­laufs an die Über­ga­be des Kauf­ge­gen­stan­des, in­so­weit in Über­ein­stim­mung mit § 438 II BGB.

So­weit die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, dass bei Nach­lie­fe­rung die Ver­jäh­rung neu zu lau­fen be­ginnt, wird der – ur­sprüng­li­che – Kauf­ge­gen­stand er­setzt durch den nach­ge­lie­fer­ten. Zu die­sem Fall trifft die Klau­sel kei­ne wei­ter­ge­hen­de Re­ge­lung als das Ge­setz; el­nem neu­en Lauf der Frist steht die Klau­sel nicht ent­ge­gen, ab­ge­se­hen da­von, dass ei­ne sol­che Fall­ge­stal­tung hier nicht in­mit­ten steht.

So­weit sich die Fra­ge stellt, ob bei ei­ner Nach­bes­se­rung be­züg­lich des kon­kre­ten nach­ge­bes­ser­ten Man­gels die Ver­jäh­rungs­frist er­neut zu lau­fen be­ginnt – und zwar un­ab­hän­gig von ei­nem An­er­kennt­nis des Man­gels durch den Ver­käu­fer –, sieht die ge­setz­li­che Re­ge­lung ei­nen sol­chen Neu­be­ginn nicht vor; Wort­laut und Sinn des § 438 BGB las­sen ei­nen sol­chen Neu­be­ginn nicht zu, zu­mal der Ge­setz­ge­ber die Pro­ble­ma­tik bei der Neu­fas­sung im Rah­men des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes kann­te (vgl. hier­zu OLG Cel­le, Urt. v. 20.06.2006 – 16 U 287/05, NJW 2006, 2643).

Auch in An­se­hung der vom Klä­ger her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des BGH (Urt. v. 05.10.2005 – VI­II ZR 16/05, NJW 2006, 47) hält die Kam­mer ei­nen Neu­be­ginn der Ver­jäh­rungs­frist bei fehl­ge­schla­ge­ner Nach­bes­se­rung für den je­wei­li­gen Man­gel für mit dem Wort­laut und der Zweck­set­zung des Ge­set­zes nicht ver­ein­bar. In­so­weit brauch­te die Ver­käu­fe­rin in ih­rer Ver­jäh­rungs­re­ge­lung auch kei­ne dif­fe­ren­zie­ren­de Re­ge­lung für die­se Fäl­le vor­zu­se­hen. Je­den­falls aber stellt bei die­ser Sach­la­ge ei­ne Re­ge­lung, die für – fehl­ge­schla­ge­ne – Nach­bes­se­run­gen kei­ne Son­der­re­ge­lung ent­hält, kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Käu­fers dar, die zu ei­ner Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung ge­mäß § 307 BGB füh­ren könn­te.

Mit­hin er­gibt sich, dass die Ver­jäh­rungs­frist wirk­sam auf ein Jahr ab Über­ga­be des Kauf­ge­gen­stan­des ver­kürzt wur­de.

2. Da­mit schei­den An­sprü­che des Klä­gers aus.

a) So­weit er Män­gel an­ge­führt hat, die im De­zem­ber 2008 fest­ge­stellt wur­den, sind die­se – nach ei­ge­nem Vor­trag des Klä­gers – spä­tes­tens im Ju­li 2009 be­ho­ben ge­we­sen. In­so­weit kann der Klä­ger schon des­halb auf die­se Män­gel sei­nen Rück­tritt nicht stüt­zen. Dem­entspre­chend hat der Klä­ger den Kla­ge­an­spruch auch auf die im März 2010 auf­ge­tre­te­nen Män­gel ge­stützt.

b) So­weit der Klä­ger in der münd­li­chen Ver­hand­lung er­klärt hat, der An­las­ser, der im März 2010 funk­ti­ons­un­tüch­tig ge­wor­den sei, sei be­reits zu­vor man­gel­haft ge­we­sen und nach­ge­bes­sert wor­den, führt dies zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung.

Zum ei­nen fehlt schon ein sub­stan­zi­ier­ter Sach­vor­trag da­zu, wann ge­nau zu­vor wel­cher Man­gel am An­las­ser vor­han­den ge­we­sen bzw. be­sei­tigt wor­den sein soll. Hier­auf hat auch die Be­klag­te hin­ge­wie­sen. In der Kla­ge­schrift hat der Klä­ger ei­nen Man­gel am An­las­ser für den Zeit­raum vor März 2010 nicht vor­ge­tra­gen; auch aus den vor­ge­leg­ten An­walts­schrei­ben, mit de­nen Män­gel ge­rügt wur­den, er­gibt sich dies­be­züg­lich nichts.

Zum an­de­ren greift die Ver­jäh­rung – wie aus­ge­führt – auch in den Fäl­len ei­ner fehl­ge­schla­ge­nen Nach­bes­se­rung. Ei­ne Hem­mung der Ver­jäh­rung für die­sen Man­gel hat der Klä­ger nicht hin­rei­chend kon­kret vor­ge­tra­gen; sie ist auch im Üb­ri­gen an­ge­sichts des Sach­vor­trags des Klä­gers nicht er­sicht­lich.

c) So­weit der Klä­ger im nach­ge­las­se­nen Schrift­satz pau­schal die Be­haup­tung auf­ge­stellt hat, es ha­be sich im­mer wie­der um die glei­chen Män­gel ge­han­delt, steht die­ser Vor­trag im Wi­der­spruch zu den kon­kre­ten Man­gel­be­haup­tun­gen des Klä­gers. Es ist nicht er­sicht­lich, dass die vom Klä­ger im März be­haup­te­ten Män­gel, auf die er den Rück­tritt stüt­zen will, be­reits zu­vor auf­ge­tre­ten sind, ab­ge­se­hen von dem Man­gel am An­las­ser (hier­zu s. aber die Aus­füh­run­gen un­ter 2 b). In­so­weit geht auch der vom Klä­ger an­ge­bo­te­nen Sach­ver­stän­di­gen­be­weis ins Lee­re.

Im Üb­ri­gen greift auch in­so­weit – wie aus­ge­führt – der Ver­jäh­rungs­ein­wand durch. Auch in­so­weit ist der Tat­be­stand ei­ner Hem­mung der Ver­jäh­rung nicht kon­kret für ein­zel­ne Män­gel dar­ge­tan oder er­sicht­lich.

d) Hin­sicht­lich der Män­gel, die im März 2010 auf­ge­tre­ten sein sol­len, sind Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che eben­falls ver­jährt. Die Ver­jäh­rungs­frist en­de­te ein Jahr nach Über­ga­be des Kauf­ge­gen­stan­des, al­so noch im Jah­re 2009.

3. Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ist auch nicht im Hin­blick auf die Be­haup­tung des Klä­gers, der Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten M ha­be Ein­ver­ständ­nis mit ei­ner Rück­ab­wick­lung be­kun­det, ver­an­lasst. Denn der Klä­ger hat nicht schlüs­sig dar­ge­legt und un­ter Be­weis ge­stellt, dass die­ser Mit­ar­bei­ter zur Ab­ga­be ei­ner ent­spre­chen­den Er­klä­rung be­voll­mäch­tigt war; die Be­klag­te hat dies be­strit­ten. Da­mit fehlt es aber un­ab­hän­gig da­von, dass die Be­klag­te auch die Ab­ga­be ei­ner sol­chen­Er­klä­rung be­strit­ten hat, je­den­falls an ei­ner die Be­klag­te bin­den­den Ab­re­de.

4. Un­ter die­sen Um­stän­den kann of­fen­blei­ben, ob und wel­che Män­gel im Ein­zel­nen vor­ge­le­gen ha­ben und ob sie so er­heb­lich wa­ren, dass ein Rück­tritt auf sie ge­stützt wer­den könn­te …

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