Ei­ne her­stel­ler­frem­de Leis­tungs­stei­ge­rung durch Chip­tu­ning führt auch dann zu ei­ner über­mä­ßi­gen, nicht ver­trags­ge­mä­ßen Ab­nut­zung ei­nes Lea­sing­fahr­zeugs, wenn das Fahr­zeug nur vor­über­ge­hend mit ei­nem leis­tungs­ge­stei­ger­ten Mo­tor be­trie­ben und die Leis­tungs­stei­ge­rung vor der Rück­ga­be des Fahr­zeugs wie­der auf­ge­ho­ben wird. Denn mit her­stel­ler­frem­den Ein­grif­fen in die Mo­tor­elek­tro­nik ist die Ge­fahr ei­nes über­mä­ßi­gen und vor­zei­ti­gen Ver­schlei­ßes der An­triebs­ein­heit ver­bun­den. Ein po­ten­zi­el­ler Er­wer­ber des Fahr­zeugs wird des­halb, wenn er Kennt­nis von ei­ner auch nur zeit­wei­li­gen Leis­tungs­stei­ge­rung hat, nur ei­nen ge­rin­ge­ren Kauf­preis zu zah­len be­reit sein oder auf­grund der un­si­che­ren tech­ni­schen Aus­wir­kun­gen des Chip­tu­ning von ei­nem Er­werb ganz Ab­stand neh­men.

OLG Frank­furt a. M., Ur­teil vom 04.12.2014 – 12 U 137/13

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin ver­langt von der Be­klag­ten nach der re­gu­lä­ren Be­en­di­gung ei­nes Lea­sing­ver­tra­ges aus ab­ge­tre­te­nem Recht, ei­ne Wert­min­de­rung des Lea­sing­fahr­zeugs aus­zu­glei­chen. Grund­la­ge hier­für sind ein Lea­sing­ver­trag vom 21.08.2006 und ei­ne Über­nah­me­ver­ein­ba­rung vom 29.07.2007. Dort war der Rest­wert des Lea­sing­fahr­zeugs mit 55,88 % des An­schaf­fungs­prei­ses (55.480 € net­to) an­ge­ge­ben, und zwar mit dem Hin­weis, dass der an­ge­ge­be­ne Rest­wert nur bei ei­ner vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung von Be­deu­tung sei.

Die Par­tei­en strei­ten ins­be­son­de­re dar­über, ob das Lea­sing­fahr­zeug vor­über­ge­hend ei­nem so­ge­nann­ten Chip­tu­ning zur Leis­tungs­stei­ge­rung des Mo­tors un­ter­zo­gen wur­de und ob und ge­ge­be­nen­falls in wel­chem Um­fang dies ei­ne Min­de­rung des ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Rück­nah­me­wer­tes des Fahr­zeugs be­grün­det.

In­so­weit sieht die Lea­sing­ver­ein­ba­rung vor, dass der Lea­sing­neh­mer das Fahr­zeug nach Be­en­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges in ei­nem dem Al­ter und der ver­trags­ge­mä­ßen Fahr­leis­tung ent­spre­chen­den Er­hal­tungs­zu­stand, frei von Schä­den so­wie ver­kehrs- und be­triebs­si­cher zu­rück­zu­ge­ben hat. Für den Fall, dass das Fahr­zeug die­sem Zu­stand nicht ent­spricht und hier­durch im Wert ge­min­dert ist, ist der Lea­sing­neh­mer ver­trag­lich zum Aus­gleich des Min­der­wer­tes zu­züg­lich Um­satz­steu­er ver­pflich­tet.

Die Lea­sing­ge­be­rin hat ent­ge­gen ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen vor­pro­zes­su­al kein Gut­ach­ten zum Um­fang ei­ner durch über­mä­ßi­ge Ab­nut­zung be­grün­de­ten Wert­min­de­rung ein­ge­holt, son­dern das Fahr­zeug mit Ver­ein­ba­rung vom 10.05.2010 zum Preis von 22.450,14 € net­to an ei­nen Ver­trags­händ­ler ver­äu­ßert.

Das Land­ge­richt hat nach Be­weis­auf­nah­me auf ei­nen Min­der­wert in Hö­he von 7.140 € er­kannt. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, die Klä­ge­rin kön­ne aus ab­ge­tre­te­nem Recht ei­nen Min­der­wert von 25 % des ver­ein­bar­ten Rest­wer­tes (36.892,95 € brut­to) be­an­spru­chen, weil das Lea­sing­fahr­zeug nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me wäh­rend ei­ner Lauf­leis­tung von 9.000 km bis 10.000 km mit ei­nem her­stel­ler­frem­den, vor der Rück­ga­be be­sei­tig­ten Chip­tu­ning be­trie­ben wor­den sei. Das Land­ge­richt hat sach­ver­stän­dig be­ra­ten fest­ge­stellt, dass die Kos­ten für ei­ne voll­stän­di­ge Er­neue­rung der von ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung be­trof­fe­nen Mo­tor-und An­triebs­tei­le 14.089,20 € brut­to be­tra­gen.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te teil­wei­se Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … Ei­ne her­stel­ler­frem­de Leis­tungs­stei­ge­rung ei­nes Lea­sing­fahr­zeugs durch Chip­tu­ning be­grün­det auch dann ei­ne über­mä­ßi­ge, nicht ver­trags­ge­mä­ße Ab­nut­zung der Lea­sing­s­a­che, wenn sie nur vor­über­ge­hend für ei­nen nicht ganz un­er­heb­li­chen Zeit­raum im Ge­brauch und bei der Rück­ga­be wie­der auf­ge­ho­ben war.

Die Be­mes­sung des mer­kan­ti­len Min­der­werts des Lea­sing­fahr­zeugs im We­ge der Schät­zung ge­mäß § 287 II ZPO er­folgt in Fäl­len über­mä­ßi­gen Ver­schlei­ßes nicht abs­trakt, son­dern un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­auf­fas­sung und der Hö­he von vor­aus­sicht­li­chen Re­pa­ra­tur­kos­ten.

Ei­ne er­neu­te Be­weis­auf­nah­me zu den Fest­stel­lun­gen ei­ner vor­über­ge­hen­den Leis­tungs­stei­ge­rung war hin­ge­gen nicht er­for­der­lich.

1. Der An­spruch der Klä­ge­rin auf Aus­gleich ei­nes Min­der­werts ge­mäß Ab­schnitt XVI Nr. 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Lea­sing­ge­be­rin ist nur teil­wei­se, in Hö­he von 1.408,92 € be­grün­det. Die Klä­ge­rin ist für den An­spruch auf­grund Ab­tre­tung vom 12.07.2011 ak­tiv­le­gi­ti­miert ge­mäß § 398 BGB.

a) Die Be­klag­te war ge­mäß Ab­schnitt XVI Nr. 2 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Lea­sing­ge­be­rin in Ver­bin­dung mit der Ver­ein­ba­rung vom 29.07.2007 ver­pflich­tet, das Fahr­zeug in ei­nem al­ters­an­ge­mes­se­nen und ver­trags­ge­mä­ßen Er­hal­tungs­zu­stand oh­ne Schä­den an die Lea­sing­ge­be­rin zu­rück­zu­ge­ben, wo­bei auf nor­ma­lem Ge­brauch be­ru­hen­de Ab­nut­zung dem nicht ent­ge­gen­steht.

b) Ein Chip­tu­ning zur Leis­tungs­stei­ge­rung des Mo­tors ei­nes Lea­sing­fahr­zeugs geht … über den üb­li­chen, ver­trags­ge­mä­ßen Ge­brauch und die da­mit ein­her­ge­hen­de ge­wöhn­li­che Ab­nut­zung hin­aus, weil die Ge­fahr ei­nes über­mä­ßi­gen Ver­schlei­ßes, für die die Bau­tei­le kon­struk­tiv nicht aus­ge­legt sind, auch bei ver­gleichs­wei­se kur­zer Lauf­zeit be­steht. Dies gilt je­den­falls bei her­stel­ler­frem­den Ein­grif­fen in die Mo­tor­elek­tro­nik zur Leis­tungs­stei­ge­rung. Denn ne­ben dem Er­lö­schen der Be­triebs­er­laub­nis durch leis­tungs­stei­gern­de Maß­nah­men steht auf­grund der Fest­stel­lun­gen im Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen S vom 14.01.2013 fest, dass die Bau­tei­le auch bei ei­ner Fahr­stre­cke von le­dig­lich 9.000–10.000 km re­gel­mä­ßig ei­nem er­höh­ten Ver­schleiß un­ter­lie­gen, wenn der Mo­tor mit ei­ner vom Her­stel­ler nicht vor­ge­se­he­nen er­höh­ten Leis­tung be­trie­ben wird. Der dies­be­züg­li­chen Wür­di­gung durch das Land­ge­richt hat die Be­ru­fung nichts Durch­grei­fen­des ent­ge­gen­zu­set­zen. Die aus­führ­lich be­grün­de­ten Fest­stel­lun­gen, wes­halb ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung zu ei­ner be­son­de­ren Be­las­tung der be­trof­fe­nen Bau­grup­pen und zu de­ren vor­zei­ti­gem Ver­schleiß führt, hat die Be­ru­fung in der Sa­che nicht er­schüt­tert. Das Be­ru­fungs­ge­richt teilt die über­zeu­gen­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts. Denn sie ist aus­führ­lich und wi­der­spruchs­frei auf der Grund­la­ge des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens be­grün­det wor­den.

Das Be­ru­fungs­ge­richt geht in­so­weit mit dem OLG Karls­ru­he (Urt. v. 24.03.2006 – 1 U 181/06, NJW 2007, 443) da­von aus, dass das Chip­tu­ning ei­nen Sub­st­anz­ein­griff dar­stellt. In der Recht­spre­chung zum Kauf­recht ist weit­ge­hend an­er­kannt, dass dies je­den­falls bei län­ge­rem Ge­brauch ei­nen Sach­man­gel der Kauf­sa­che dar­stellt (vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 16.10.2009 – I-22 U 166/08, ju­ris; OLG Hamm, Urt. v. 09.02.2012 – I-28 U 186/10, DAR 2012, 261). Ein sol­cher kann auch in dem Ver­dacht ei­ner nach­tei­li­gen Ver­än­de­rung der Be­schaf­fen­heit lie­gen (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 06.11.2008 – 1 U 30/08, OLGR 2009, 284).

Zu der­ar­ti­gen Ein­grif­fen, die nicht nach Her­stel­ler­vor­ga­ben er­fol­gen, ist der Lea­sing­neh­mer auf­grund der Lea­sing­ver­ein­ba­rung, nach der nach­träg­li­che Än­de­run­gen und zu­sätz­li­che Ein­bau­ten der vor­he­ri­gen schrift­li­chen Zu­stim­mung des Lea­sing­ge­bers be­dür­fen (Ab­schnitt VI­II Nr. 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen) nicht be­rech­tigt und hat sie bei Be­en­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges wie­der zu ent­fer­nen. Dies trifft auf das her­stel­ler­frem­de Chip­tu­ning ins­be­son­de­re des­halb zu, weil mit ei­ner sol­chen vom Her­stel­ler nicht frei­ge­ge­be­nen Leis­tungs­stei­ge­rung nach der Ver­kehrs­an­schau­ung die Ge­fahr ei­nes über­mä­ßi­gen und vor­zei­ti­gen Ver­schlei­ßes der An­triebs­ein­heit ver­bun­den ist und ein po­ten­zi­el­ler Er­wer­ber des Fahr­zeugs bei Kennt­nis von ei­ner auch nur zeit­wei­li­gen der­ar­ti­gen Leis­tungs­stei­ge­rung ei­nen ge­rin­ge­ren Kauf­preis zu zah­len be­reit ist oder auf­grund der un­si­che­ren tech­ni­schen Aus­wir­kun­gen von ei­nem Er­werb ins­ge­samt Ab­stand näh­me …

c) Ge­gen die Ver­pflich­tung, das Fahr­zeug in ei­nem Zu­stand ge­mäß Ab­schnitt VI­II Nr. 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen zu er­hal­ten, hat die Be­klag­te ver­sto­ßen. Denn sie hat das Fahr­zeug vor­über­ge­hend mit ei­nem Chip­tu­ning be­trie­ben. Die Be­klag­te war ver­pflich­tet, das Fahr­zeug nach Maß­ga­be des Lea­sing­ver­tra­ges im nor­ma­len Ge­brauchs­zu­stand zu­rück­ge­ben und war auf­grund der Über­nah­me­ver­ein­ba­rung mit dem ers­ten Lea­sing­neh­mer L vom 29.07.2007 auch für den Zu­stand und die Ab­nut­zung ver­ant­wort­lich, wel­che in der Zeit des ers­ten Lea­sing­ver­tra­ges ent­stan­den sind.

d) Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me vor dem Land­ge­richt steht fest, dass die Be­klag­te ge­gen die­se Ver­pflich­tung ver­sto­ßen hat. Dem­nach war das Lea­sing­fahr­zeug wäh­rend der Zeit des Be­sit­zes und Be­triebs durch die Be­klag­te vor­über­ge­hend wäh­rend ei­ner Lauf­zeit von 9.000–10.000 km mit ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung aus­ge­rüs­tet, die durch Ein­grif­fe in die Steue­rung der Mo­tor­elek­tro­nik be­wirkt wor­den war und vor Rück­ga­be der Lea­sing­s­a­che an die Lea­sing­ge­be­rin bzw. de­ren Ver­trags­händ­le­rin rück­gän­gig ge­macht wor­den ist.

Die An­grif­fe der Be­ru­fung ge­gen die dies­be­züg­li­chen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts blei­ben er­folg­los. Denn es be­ste­hen kei­ne kon­kre­ten An­halts­punk­te für Zwei­fel i. S. von § 529 I Nr. 1 ZPO an den von dem Land­ge­richt im We­ge der Be­weis­auf­nah­me da­zu ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen. Die Be­weis­wür­di­gung ist ge­schlos­sen und wird durch die Be­ru­fung nicht er­schüt­tert. De­ren An­nah­me, die Be­weis­wür­di­gung durch das Land­ge­richt sei ab­we­gig und schlecht­hin nicht ver­tret­bar, teilt das Be­ru­fungs­ge­richt nicht. Das Land­ge­richt hat sich viel­mehr aus­führ­lich und über­zeu­gend mit den Be­kun­dun­gen der Zeu­gen aus­ein­an­der­ge­setzt und ist un­ter um­fas­sen­der Wür­di­gung al­ler Um­stän­de zu dem Schluss ge­kom­men, dass ei­ne her­stel­ler­frem­de Leis­tungs­stei­ge­rung … wäh­rend der Lauf­zeit des Lea­sing­ver­tra­ges an die­sem Fahr­zeug vor­ge­nom­men wur­de. Dem tritt das Be­ru­fungs­ge­richt bei. Maß­geb­lich hier­für ist ne­ben der Aus­sa­ge des Zeu­gen Z ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten des Be­klag­ten selbst, der nach ei­ner spä­te­ren Über­tra­gung ei­ner ak­tu­el­len Mo­tor­steue­rungs­soft­ware durch den Ver­trags­händ­ler ei­ne feh­len­de Mo­tor­leis­tung des Fahr­zeugs be­män­gelt hat. So­weit sich die Be­klag­te auf man­geln­des Ver­schul­den be­ruft, ist dies nach den Fest­stel­lun­gen wi­der­legt, da ihr Ge­schäfts­füh­rer Kennt­nis von der Leis­tungs­stei­ge­rung hat­te.

e) Der Durch­set­zung des An­spruchs auf Aus­gleich der ab­nut­zungs­be­ding­ten Wert­min­de­rung steht nicht ent­ge­gen, dass die Lea­sing­ge­be­rin im Rah­men der Rück­nah­me des Fahr­zeugs kein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zu ei­ner Wert­min­de­rung ein­ge­holt hat. Denn dies ist kei­ne An­spruchs­vor­aus­set­zung, son­dern dient der Be­wei­ser­leich­te­rung. Folg­lich hat die Klä­ge­rin le­dig­lich die be­weis­recht­li­chen Kon­se­quen­zen dar­aus zu tra­gen, dass Fest­stel­lun­gen über den Um­fang ei­nes Scha­dens nicht ge­trof­fen wer­den konn­ten.

f) Die Be­mes­sung der Wert­min­de­rung ge­mäß Ab­schnitt XVI Nr. 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen kann im We­ge der Schät­zung ge­mäß § 287 II ZPO er­fol­gen. Sie ist Rechts­an­wen­dung und be­darf aus­rei­chen­der tat­säch­li­cher An­knüp­fungs­punk­te, die ge­ge­be­nen­falls un­ter Hin­zu­zie­hung ei­nes Sach­ver­stän­di­gen fest­zu­stel­len sind. Sie darf je­doch nicht voll­stän­dig dem Sach­ver­stän­di­gen über­las­sen und auch nicht von den Tat­be­stän­den der Wert­min­de­rung ab­ge­kop­pelt wer­den, de­ren Be­mes­sung sie dient. Bei Be­ach­tung die­ser Maß­stä­be un­ter­liegt die Schät­zung auf­grund ih­res Pro­gno­se­cha­rak­ters nur ei­ner ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung.

Die Ent­schei­dung des Land­ge­richts, den mer­kan­ti­len Min­der­wert ei­nes zeit­wei­li­gen Chip­tu­nings nach sach­ver­stän­di­ger Be­ra­tung abs­trakt mit 25 % des ver­ein­bar­ten Rest­wer­tes von rund 31.000 € zu be­mes­sen, wird den An­for­de­run­gen an ei­ne Schät­zung an­hand der kon­kre­ten Um­stän­de des Ein­zel­falls nicht in je­der Hin­sicht ge­recht und war auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten ab­zu­än­dern.

Da­bei war zu be­rück­sich­ti­gen, dass das Fahr­zeug ent­ge­gen der An­kaufs­be­stä­ti­gung des Ver­trags­händ­lers vom 10.05.2010 un­strei­tig kei­nen re­pa­rier­ten Un­fall­scha­den oder … Män­gel auf­wies, son­dern nach den obi­gen Fest­stel­lun­gen nur zeit­wei­lig mit ei­nem Chip­tu­ning be­trie­ben wor­den war. Die­ses ist auch bei der hier fest­stell­ba­ren Lauf­leis­tung von 9000-10.000 km wäh­rend der Leis­tungs­stei­ge­rung ge­eig­net, die Dau­er­halt­bar­keit des Mo­tors und des An­triebs­strang zu be­ein­träch­ti­gen. Dies hat das Land­ge­richt auf der Grund­la­ge des Gut­ach­tens X zu Recht fest­ge­stellt. Nicht be­rück­sich­tigt hat das Land­ge­richt hin­ge­gen, dass der Sach­ver­stän­di­ge die Kos­ten für ei­ne voll­stän­di­ge Er­neue­rung von Mo­tor­tei­len und des An­triebs­strangs mit 11.793,20 € net­to oder 14.089,20 € brut­to kal­ku­liert hat und dass die von ihm für an­ge­mes­sen er­ach­te­te Wert­min­de­rung mehr als 50 % der voll­stän­di­gen Kos­ten der Er­neue­rung aus­macht. Ei­ne sol­che Wert­min­de­rung er­scheint im Hin­blick auf die üb­li­che Lauf­leis­tung ei­nes groß­vo­lu­mi­gen Die­sel­mo­tors wie vor­lie­gend, die un­ter nor­ma­len Be­triebs­be­din­gun­gen bei min­des­tens 200.000 km liegt, un­an­ge­mes­sen hoch, weil sie für ei­nen sehr ge­rin­gen An­teil an der Lauf­leis­tung von höchs­tens 10.000 km be­reits 50 % der re­gel­mä­ßig erst nach lan­ger Lauf­leis­tung an­fal­len­den Kos­ten des voll­stän­di­gen Aus­tauschs der be­trof­fe­nen An­triebs­tei­le zu­bil­ligt. Für die Be­mes­sung der Wert­min­de­rung ist es viel­mehr er­for­der­lich, ei­nen an­ge­mes­se­nen Be­zug zu den vor­aus­sicht­li­chen Re­pa­ra­tur­kos­ten her­zu­stel­len. Da­bei hat das Be­ru­fungs­ge­richt den er­höh­ten Ver­schleiß durch die Leis­tungs­stei­ge­rung, den das Land­ge­richt auf der Ba­sis des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu Recht an­ge­nom­men hat, be­rück­sich­tigt. Dies recht­fer­tigt ei­ne Be­mes­sung der Wert­min­de­rung mit 10 % der kal­ku­lier­ten Aus­tausch­kos­ten we­gen ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung wäh­rend 5 % der üb­li­chen Lauf­zeit. Der auf der Grund­la­ge der nicht an­ge­grif­fe­nen Kal­ku­la­ti­on des Sach­ver­stän­di­gen X von 14.089,20 € brut­to er­mit­tel­te Be­trag der Wert­min­de­rung be­läuft sich auf 1408,92 € und war der Klä­ge­rin zu­zu­spre­chen. Im Üb­ri­gen ist die Kla­ge in der Haupt­for­de­rung un­be­grün­det.

Die Kla­ge­for­de­rung kann ins­be­son­de­re nicht auf die Dif­fe­renz zwi­schen dem ver­ein­bar­ten Rest­wert von 31.002,22 € net­to und dem Er­lös aus der Ver­äu­ße­rung vom 10.05.2010 in Hö­he von 22.450,14 € net­to ge­stützt wer­den, weil der Rest­wert nach den Ver­trags­be­din­gun­gen nur in dem hier nicht ge­ge­be­nen Fall vor­zei­ti­ger Ver­trags­be­en­di­gung als Be­rech­nungs­grö­ße ge­mäß Ab­schnitt XV der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen Be­deu­tung er­langt. Ei­ne Ein­stands­pflicht für die Er­zie­lung des Rest­wer­tes un­ab­hän­gig von über­mä­ßi­gem Ver­schleiß des Fahr­zeugs bei voll­stän­di­ger Ver­trags­be­en­di­gung hat die Be­klag­te nicht über­nom­men.

g) Die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ist un­be­grün­det. Die Klä­ge­rin macht kei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend, der in der kur­zen Frist des § 548 I BGB ver­jährt, son­dern ih­ren ver­trag­lich be­grün­de­ten An­spruch auf die Ge­gen­leis­tung we­gen Män­geln bei Rück­ga­be. Die­ser un­ter­liegt – wie das Land­ge­richt zu Recht ent­schie­den hat – der drei­jäh­ri­gen Re­gel­ver­jäh­rung aus den §§ 195, 199 BGB und wur­de nach Rück­ga­be des Fahr­zeugs im Jahr 2009 durch die im März 2011 zu­ge­stell­te Kla­ge recht­zei­tig ge­hemmt ge­mäß § 204 I Nr. 1 BGB

2. … Die Re­vi­si­on wur­de zu­ge­las­sen ge­mäß § 543 II ZPO, weil die Fra­ge, ob ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung ei­nes Lea­sings­fahr­zeugs auch oh­ne kon­kret fest­ge­stell­te Schä­den ein über den üb­li­chen Ge­brauch hin­aus­ge­hen­der, wert­min­dern­der Um­stand ist, sich in ei­ner Viel­zahl von Fäl­len stel­len kann und – so­weit er­sicht­lich – im Be­reich des Lea­sing­rechts bis­lang höchst­rich­ter­lich noch nicht ent­schie­den ist.

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