1. Ist nach Wan­de­lung ei­nes voll er­füll­ten Kauf­ver­trags der Wert der nach § 347 Satz 2 BGB her­aus­zu­ge­ben­den Nut­zun­gen ge­mäß § 287 ZPO zu schät­zen und ist als An­halts­punkt da­für der Kauf­preis zu­grun­de zu le­gen, ist vom Brut­to­preis (ein­schließ­lich Um­satz­steu­er) auch dann aus­zu­ge­hen, wenn der Käu­fer vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt ist.
  2. Im Fal­le der Rück­ab­wick­lung ei­nes voll er­füll­ten Kauf­ver­trags nach des­sen Wan­de­lung ist der Wert der her­aus­zu­ge­ben­den, durch Ge­brauch ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen (§§ 467, 347 Satz 2, § 987 BGB) nicht nach den Maß­stä­ben für ei­nen üb­li­chen oder fik­ti­ven Miet­zins zu er­mit­teln, son­dern durch Schät­zung der zeit­an­tei­li­gen li­nea­ren Wert­min­de­rung im Ver­gleich zwi­schen tat­säch­li­chem Ge­brauch und vor­aus­sicht­li­cher Ge­samt­nut­zungs­dau­er; da­bei kann als Wert der Kauf­sa­che de­ren ver­ein­bar­ter Kauf­preis zu­grun­de ge­legt wer­den (Ab­gren­zung zu BGH, Urt. v. 22.12.1955 – II ZR 237/54, BGHZ 19, 330). Wert­er­satz für ge­zo­ge­ne Nut­zun­gen ist nicht nach § 347 Satz 3 BGB zu ver­zin­sen.

BGH, Ur­teil vom 26.06.1991 – VI­II ZR 198/90

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin, in de­ren Ho­tel Asyl­be­wer­ber un­ter­ge­bracht sind, ver­langt von der Be­klag­ten die Wan­de­lung ei­nes Kauf­ver­trags über 163 Eta­gen­bet­ten.

Im No­vem­ber/De­zem­ber 1988 be­stell­te sie bei der Be­klag­ten ins­ge­samt 163 Eta­gen­bet­ten mit den zu­ge­hö­ri­gen Ma­trat­zen. Von dem nach als­bal­di­ger Lie­fe­rung be­zahl­ten Kauf­preis ent­fie­len auf die Ge­stel­le und Ros­te pro Bett 261,40 DM zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er, ins­ge­samt (un­ter Ab­zug von Skon­to) 47.116,15 DM.

Be­reits kur­ze Zeit nach Lie­fe­rung, noch im De­zem­ber 1988, rüg­te die Klä­ge­rin Män­gel der Bet­ten; die­se sei­en schlecht ver­ar­bei­tet, zu in­sta­bil und für die be­ab­sich­tig­te Ver­wen­dung un­ge­eig­net. Mit Schrei­ben vom 28.03.1989 ver­lang­te sie von der Be­klag­ten die Wan­de­lung des Kauf­ver­trags. In ei­nem dar­auf­hin von der Be­klag­ten ver­an­lass­ten Be­weis­si­che­rungs­ver­fah­ren wur­de am 26.06.1989 ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten er­stat­tet. Da die Be­klag­te die Rück­nah­me der Bet­ten ab­lehn­te, wur­den sie bei der Klä­ge­rin et­wa acht Mo­na­te lang be­nutzt.

Mit ih­rer Kla­ge hat die Klä­ge­rin die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 47.116,15 DM nebst Zin­sen ge­for­dert, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be der im Ein­zel­nen nä­her be­zeich­ne­ten 163 Bett­ge­stel­le und Ros­te. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat der Be­klag­ten ei­ne Ver­gü­tung für die Be­nut­zung der Bet­ten in Hö­he von 32.303,34 DM zu­ge­bil­ligt und den An­spruch der Klä­ge­rin des­halb auf 14.812,81 DM nebst Zin­sen und Zug um Zug zu er­fül­len­der Rück­ga­be der Bet­ten be­schränkt. Die Kos­ten des Rechts­streits hat es zu 1/3 der Klä­ge­rin und zu 2/3 der Be­klag­ten auf­er­legt.

Mit der Re­vi­si­on er­streb­te die Be­klag­te ei­ne um 4.299,94 DM hö­he­re Nut­zungs­ver­gü­tung – und da­mit die Her­ab­set­zung des Zah­lungs­an­spruchs auf 10.512,87 DM – so­wie die Än­de­rung der Kos­ten­ver­tei­lung für die bei­den Vor­in­stan­zen. Das Rechts­mit­tel hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Auf­grund der von ihm durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me hat das Be­ru­fungs­ge­richt die Man­gel­haf­tig­keit der ge­lie­fer­ten Bet­ten fest­ge­stellt, das Wan­de­lungs­recht der Klä­ge­rin (§§ 459 I, 462 BGB) an­er­kannt und ih­ren An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses sei­ner Ent­ste­hung nach be­jaht. Das ist aus Rechts­grün­den nicht zu be­an­stan­den und wird von der Re­vi­si­on hin­ge­nom­men.

II. 1. Nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts ver­min­dert sich der Zah­lungs­an­spruch der Klä­ge­rin ge­mäß §§ 467, 347 Satz 2 BGB um ei­ne der Be­klag­ten zu­ste­hen­de Nut­zungs­ver­gü­tung von 32.303,34 DM für die acht­mo­na­ti­ge Be­nut­zung der Bet­ten. Da­zu wird im an­ge­foch­te­nen Ur­teil aus­ge­führt: Die Hö­he der Ver­gü­tung rich­te sich nach dem Be­trag, der für ei­ne ver­trag­li­che Ge­brauchs­ge­stat­tung zu ent­rich­ten ge­we­sen wä­re. Da es ei­nen markt­üb­li­chen Miet­zins für die Ver­mie­tung der­ar­ti­ger Bet­ten nicht ge­be, sei die Ver­gü­tung an­hand der auch sonst für die Be­rech­nung ei­ner Mie­te we­sent­li­chen Merk­ma­le zu er­mit­teln. Maß­ge­bend da­für sei­en die vom BGH in ei­nem nach § 2 Ab­zG zu be­ur­tei­len­den Fall auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze für die Fest­set­zung ei­ner fik­ti­ven Mie­te (BGH, Urt. v. 22.12.1955 – II ZR 237/54, BGHZ 19, 330). Ent­schei­den­der Aus­gangs­punkt sei die Fra­ge, wel­che Le­bens­dau­er die Sa­che an­ge­sichts des Ge­brauchs des Mie­ters hät­te. Nach dem über­zeu­gen­den Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten hät­ten die ge­lie­fer­ten Bet­ten der Be­an­spru­chung im Be­trieb der Klä­ge­rin nicht län­ger als ein Jahr stand­ge­hal­ten. Die Ver­gü­tung für ei­ne ver­trag­li­che Ge­brauchs­über­las­sung müs­se des­halb so be­rech­net wer­den, dass der Ver­mie­ter die An­schaf­fungs­kos­ten nach ei­nem Jahr wie­der zu­rück­er­hal­ten hät­te. Auf die Ver­wen­dungs­mög­lich­keit für an­de­re Ge­brauchs­zwe­cke kom­me es nicht an. Denn die kur­ze Le­bens­dau­er be­ru­he nicht auf all­ge­mei­ner Un­ge­eig­net­heit der Bet­ten für Ho­tel­zwe­cke, son­dern auf der über­mä­ßi­gen und un­sach­ge­mä­ßen Be­nut­zung durch die Asy­lan­ten. Für die acht­mo­na­ti­ge Be­nut­zung ha­be die Klä­ge­rin da­her zu­nächst 2/3 des Kauf­prei­ses als Ge­brauchs­ver­gü­tung zu ent­rich­ten. Bei ei­nem Ein­zel­preis von 261,40 DM er­ge­be sich dar­aus ein Be­trag von 174,26 DM. Hin­zu­zu­rech­nen sei­en ei­ne acht­pro­zen­ti­ge Ver­zin­sung des An­la­ge­ka­pi­tals, pro Stück für acht Mo­na­te al­so 13,92 DM, so­wie schließ­lich ein ge­schätz­ter an­tei­li­ger Un­ter­neh­mer­ge­winn von 10 DM, ins­ge­samt 198,18 DM für je­des Bett. Dar­aus fol­ge für 163 Bet­ten ei­ne Nut­zungs­ver­gü­tung von 32.303,34 DM und nach de­ren Auf­rech­nung ge­gen die Kauf­preis­rück­for­de­rung ein rest­li­cher Zah­lungs­an­spruch der Klä­ge­rin von 14.812,81 DM.

Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der recht­li­chen Nach­prü­fung und den An­grif­fen der Re­vi­si­on nicht in al­len Punk­ten stand. Im Er­geb­nis kann die Re­vi­si­on den­noch kei­nen Er­folg ha­ben.

2. a) Ist – wie hier – ein Kauf­ver­trag nach voll­zo­ge­ner Wan­de­lung rück­ab­zu­wi­ckeln, hat der Käu­fer nach §§ 467, 347 Satz 2, §§ 987 ff. BGB die ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben bzw. de­ren Wert zu er­stat­ten. Ein we­sent­li­cher Teil die­ser Nut­zun­gen ist der zeit­wei­li­ge Ge­brauch der Kauf­sa­che, des­sen Wert nicht ex­akt be­re­chen­bar ist und der des­halb vom Ge­richt ana­log § 287 ZPO nach frei­em Er­mes­sen ge­schätzt wer­den muss.

b) Als ers­ten An­halts­punkt für sei­ne Schät­zung hat das Be­ru­fungs­ge­richt den von der Klä­ge­rin nach ih­rem Ver­trag mit der Be­klag­ten zu zah­len­den Kauf­preis zu­grun­de ge­legt, weil sich in ihm der Wert der Kauf­sa­che und in Ver­bin­dung mit der Le­bens­dau­er der Bet­ten zu­gleich die Ober­gren­ze der Ge­brauchs­mög­lich­keit ver­kör­pe­re. Die­se Aus­gangs­er­wä­gung ent­spricht dem noch zu er­ör­tern­den Sinn der Re­ge­lung in § 347 BGB (un­ten zu 3) und ist des­halb grund­sätz­lich mög­lich. Die Re­vi­si­on be­an­stan­det je­doch mit Recht, dass das Be­ru­fungs­ge­richt – oh­ne die­se Fra­ge zu er­ör­tern – als Kauf­preis den Net­to­preis oh­ne Mehr­wert­steu­er an­ge­setzt hat.

aa) Die ver­trag­li­che oder ge­setz­li­che Fest­le­gung ei­ner Ver­gü­tungs­leis­tung in ei­nem bür­ger­lich-recht­li­chen, ge­gen­sei­ti­gen Ver­trag (Werklohn, Dienst­leis­tungs­ver­gü­tung, Kauf­preis) um­fasst grund­sätz­lich die auf die Ge­gen­leis­tung zu ent­rich­ten­de Um­satz­steu­er, falls nicht aus­drück­lich et­was an­de­res ge­re­gelt ist (BGH, Urt. v. 15.02.1973 – VII ZR 212/71, BGHZ 60, 199, 203; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 27.02.1976 – 16 U 82/75, NJW 1976, 1268). Schon aus die­sem recht­li­chen Grund hät­te das Be­ru­fungs­ge­richt ei­ne aus­drück­li­che Be­grün­dung ge­ben müs­sen, wenn es für sei­ne Schät­zung von ei­nem an­de­ren Be­griff des „Kauf­prei­ses“ aus­ge­hen und nur den Net­to­preis zu­grun­de­le­gen woll­te. Im Üb­ri­gen lässt sich man­gels je­den Hin­wei­ses im an­ge­foch­te­nen Ur­teil nicht aus­schlie­ßen, dass es sich bei der Her­an­zie­hung nur des Net­to­prei­ses um ein Ver­se­hen ge­han­delt hat. Das Re­vi­si­ons­ge­richt ist un­ter die­sen Um­stän­den in­so­weit nicht an die tatrich­ter­li­che Schät­zung (§ 287 ZPO) ge­bun­den.

bb) Die Ein­be­zie­hung der Um­satz­steu­er in den für ei­ne Schät­zung nach § 347 Satz 2 BGB her­an­zu­zie­hen­den Kauf­preis auch bei der Be­tei­li­gung von vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten Käu­fern wird in der Ju­di­ka­tur der In­stanz­ge­rich­te, zu­meist bei dem Ver­kauf von Kraft­fahr­zeu­gen als dem häu­figs­ten An­wen­dungs­fall, nur ver­ein­zelt be­han­delt. Der mit­ge­teil­te In­halt der Ent­schei­dun­gen lässt häu­fig nicht er­ken­nen, ob es sich um den Ver­kauf an ei­nen Pri­vat­käu­fer oder ei­nen vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten Ab­neh­mer han­delt; auch wird in der Re­gel nur der Kauf­preis oh­ne aus­drück­li­chen Hin­weis auf die Mehr­wert­steu­er ge­nannt (OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 17.12.1980 – 17 U 105/80, DAR 1981, 219; OLG Köln, Urt. v. 02.07.1982 – 20 U 39/82, DAR 1982, 402 f.; OLG Mün­chen, Urt. v. 16.12.1986 – 13 U 4562/86, NJW 1987, 3012; Urt. v. 22.02.1989 – 15 U 5910/88, DAR 1989, 187; OLG Nürn­berg, Urt. v. 17.04.1980 – 8 U 84/79, DAR 1980, 345; Urt. v. 11.10.1984 – 8 U 3881/83, DAR 1985, 81). Das OLG Köln hat in ei­nem Fall die Nut­zungs­ent­schä­di­gung aus dem Net­to­kauf­preis be­rech­net, oh­ne aber die Vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­ti­gung des Käu­fers zu er­ör­tern (OLG Köln, Urt. v. 20.05.1987 – 2 U 170/86, NJW 1987, 2520). In neue­rer Zeit hat das OLG Saar­brü­cken in ei­nem Fall, in dem die Ab­zugs­be­rech­ti­gung des Käu­fers fest­stand, den Nut­zungs­wert nach dem Brut­to­kauf­preis be­stimmt (OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 20.09.1989 – 1 U 58/88, NJW-RR 1990, 493). Die glei­che Auf­fass­sung wird in der Li­te­ra­tur von Rein­king/Eg­gert ver­tre­ten (Der Au­to­kauf, 4. Aufl., Rn. 550). Auch der er­ken­nen­de Se­nat hat in ei­nem Fal­le, in dem es um die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­ne Au­to­wasch­an­la­ge durch ei­nen vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten Käu­fer ging, die dort vom Ober­lan­des­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Be­rech­nung nach dem Brut­to­kauf­preis nicht be­an­stan­det (BGH, Urt. v. 23.05.1984 – VI­II ZR 32/83, LM BGB § 467 Nr. 9 [un­ter III und II 2 a und c]) .

cc) Soll die Be­wer­tung des Ge­brauchs­nut­zens vom Kauf­preis und von der vor­aus­sicht­li­chen Ge­samt­nut­zungs­dau­er ab­hän­gig ge­macht wer­den, so ent­spricht die An­knüp­fung an den Brut­to­preis dem In­ter­es­se der Ver­trags­be­tei­lig­ten. Zu er­set­zen sind zwar die vom Käu­fer ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen, so­dass es in ers­ter Li­nie dar­auf an­kommt, wel­cher Wert ihm zu­ge­flos­sen ist. Das könn­te es na­he­le­gen, bei ei­nem Vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten nur den Net­to­preis zu be­rück­sich­ti­gen, weil er in­fol­ge der Gut­schrift der Vor­steu­er letzt­lich nur in Hö­he die­ses Kauf­preis­teils be­las­tet ist, wenn der Ver­trag durch­ge­führt wird. Auf die­se Sach­la­ge kommt es je­doch nicht al­lein an. Im Ver­hält­nis der Ver­trags­par­tei­en zu­ein­an­der hat­te der Käu­fer den Brut­to­kauf­preis zu ent­rich­ten. Er for­dert ihn bei der Wan­de­lung auch in vol­lem Um­fang zu­rück. Ob der Ver­käu­fer die im Kauf­preis ent­hal­te­ne Um­satz­steu­er ge­zahlt hat und sie in­fol­ge der Wan­de­lung vom Fi­nanz­amt zu­rück­er­hält, ist da­für un­er­heb­lich. Dann aber kann im Ver­hält­nis der Ver­trags­part­ner zu­ein­an­der auch der als Be­wer­tungs­maß­stab her­an­zu­zie­hen­de Kauf­preis nur der Brut­to­preis sein. An­dern­falls wür­de der Ver­käu­fer ei­ne ver­hält­nis­mä­ßig ge­rin­ge­re Nut­zungs­ver­gü­tung er­hal­ten, als sie dem Wert des von ihm zu­rück­zu­er­stat­ten­den Kauf­prei­ses ent­spricht. Das wird ins­be­son­de­re deut­lich, wenn der Ge­brauch durch den Käu­fer na­he­zu oder voll­stän­dig die mög­li­che Nut­zungs­zeit er­reicht. In die­sem Fal­le wür­de der Ver­käu­fer we­ni­ger als den Kauf­preis zu­rück­er­hal­ten, ob­wohl der Ge­brauchs­wert völ­lig auf­ge­zehrt ist und der ver­trags­mä­ßi­ge Brut­to­preis voll an den Käu­fer zu­rück­ge­zahlt wer­den muss.

Rein­king/Eg­gert (a. a. O.) ver­wei­sen wei­ter­hin zu­tref­fend dar­auf, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­wer­tung des Ge­brauchs­wer­tes nur da­nach, ob der Käu­fer vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt ist oder nicht, nicht ge­recht­fer­tigt wä­re. Die Rück­erstat­tung der vom Ver­käu­fer ge­zahl­ten Um­satz­steu­er im Fal­le der Wan­de­lung bie­tet für ei­nen sol­chen Un­ter­schied kei­ne Recht­fer­ti­gung. Sie tritt auch ein, wenn die Kauf­sa­che an ei­nen nicht­ab­zugs­be­rech­tig­ten Käu­fer ver­äu­ßert war. Dem Ver­käu­fer wür­de al­so ge­gen­über den Ver­käu­fen an Nicht­ab­zugs­be­rech­tig­te oh­ne er­sicht­li­chen Grund ein Nach­teil ent­ste­hen, wenn bei ei­nem ab­zugs­be­rech­tig­ten Käu­fer nur der Net­to­preis an­ge­setzt wür­de.

c) Für die Ge­brauchs­wert­be­rech­nung ist des­halb nicht der Ein­zel­preis je Bett von 261,40 DM zu­grun­de zu le­gen, son­dern der um 14 % hö­he­re Brut­to­preis von 298 DM. Bei 163 Bet­ten er­gä­be sich dar­aus ein Ge­samt­kauf­preis von 48.574 DM. Ge­zahlt hat die Klä­ge­rin un­strei­tig aber nur 47.116,15 DM, so­dass auch nur die­ser Be­trag der wei­te­ren Be­rech­nung zu­grun­de ge­legt wer­den kann. Geht man im Üb­ri­gen von dem An­satz des Be­ru­fungs­ge­richts aus, so hät­te die Klä­ge­rin bei An­nah­me ei­ner höchst­mög­li­chen Nut­zung von ei­nem Jahr für die acht­mo­na­ti­ge Be­nut­zung al­lein aus der an­tei­li­gen Ge­brauchs­wert­ab­nut­zung zwei Drit­tel der Kauf­sum­me zu zah­len, mit­hin 31.410,77 DM. Das be­deu­tet ge­gen­über dem An­satz des Be­ru­fungs­ge­richts nur hin­sicht­lich der an­tei­li­gen Kauf­preis­an­rech­nung (174,26 DM × 163 = 28.404,38 DM) ei­ne Dif­fe­renz zu­guns­ten der Be­klag­ten von (31.410,77 DM &mi­nus 28.404,38 DM =) 3.006,39 DM.

3. Die er­höh­te Be­wer­tung des Nut­zungs­werts in An­leh­nung an den Kauf­preis­an­teil führt in­des­sen im Er­geb­nis nicht zu ei­ner Än­de­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (§ 563 ZPO). Die Klä­ge­rin als Re­vi­si­ons­be­klag­te macht mit Recht gel­tend, dass die wei­te­ren vom Be­ru­fungs­ge­richt be­rück­sich­tig­ten Rech­nungs­fak­to­ren (an­tei­li­ge acht­pro­zen­ti­ge Ka­pi­tal­ver­zin­sung mit 13,92 DM und Un­ter­neh­mer­ge­winn von 10 DM pro Bett) in ei­nem nach § 347 Satz 2 BGB zu be­ur­tei­len­den Fall nicht in vol­ler Hö­he in An­satz ge­bracht wer­den durf­ten.

a) Nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts rich­tet sich die Wert­er­mitt­lung nach den Grund­sät­zen, die der BGH in sei­nem Ur­teil vom 22.12.1955 (II ZR 237/54, BGHZ 19, 330) für die Er­mitt­lung ei­ner fik­ti­ven Mie­te als Grund­la­ge für die Nut­zungs­ver­gü­tung nach § 2 Ab­zG auf­ge­stellt hat. Die­ser teil­wei­se auch in der Li­te­ra­tur ver­tre­te­nen Mei­nung (so für an­de­re Kauf­ge­gen­stän­de als Kraft­fahr­zeu­ge MünchKomm-BGB/Jan­ßen, 2. Aufl., § 347 Rn. 22) ist je­doch nicht zu fol­gen (un­ten zu b).

b) Zur Er­mitt­lung des Nut­zungs­wer­tes in ei­nem Fall nach den §§ 467, 347 Satz 2 BGB sind die Grund­sät­ze der Ent­schei­dung in BGHZ 19, 330 ent­ge­gen der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts nicht an­zu­wen­den, weil Sach­ver­halt und In­ter­es­sen­la­ge nach Wan­de­lung ei­nes zu­vor er­füll­ten Kauf­ver­trags mit de­nen nach Rück­tritt des Ver­käu­fers von ei­nem Ab­zah­lungs­ge­schäft nicht ge­nü­gend ver­gleich­bar sind.

aa) Wird ei­ne Sa­che auf Ab­zah­lung ver­kauft, rich­ten sich Ver­käu­fer und Käu­fer von An­fang an dar­auf ein, dass zu­nächst nur der Be­sitz an der Sa­che zum Zwe­cke des Ge­brauchs über­tra­gen, der Kauf­preis zu­züg­lich Fi­nan­zie­rungs­kos­ten aber in Ra­ten, be­gli­chen wird. Schon in der An­la­ge äh­nelt ein sol­cher Ver­trag in ge­wis­ser Wei­se ei­nem Miet­ver­trag. Wird er we­gen Zah­lungs­ver­zugs des Käu­fers durch Rück­tritt des Ver­käu­fers be­en­det, so drängt es sich auf, den Wert der nach § 2 I 2 Ab­zG zu leis­ten­den Ver­gü­tung für die Über­las­sung des Ge­brauchs oder der Be­nut­zung ähn­lich ei­nem Miet­zins fest­zu­le­gen. Da­her hat der BGH (Urt. v. 22.12.1955 – II ZR 237/54, BGHZ 19, 330, 333 f.) für die­sen Fall aus­ge­spro­chen, das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Ver­käu­fer und Käu­fer äh­ne­le nach Er­klä­rung des Rück­tritts ei­nem Miet­ver­hält­nis, so­dass es ge­recht­fer­tigt sei, die Hö­he der Ver­gü­tung nach der üb­li­chen oder not­falls ei­ner fik­ti­ven Mie­te zu be­stim­men. Dass in die Ver­gü­tung ei­ne Ka­pi­tal­ver­zin­sung und ein Un­ter­neh­mer­ge­winn ein­zu­be­zie­hen sind, wird da­mit ge­recht­fer­tigt, dass das Schei­tern des Ver­tra­ges in der Sphä­re des Käu­fers be­grün­det ist (BGH, Urt. v. 22.12.1955 – II ZR 237/54, BGHZ 19, 330, 333 f.).

bb) Ei­ne an­de­re Sach­la­ge be­steht nach der we­gen Man­gel­haf­tig­keit der Kauf­sa­che be­rech­tig­ten Wan­de­lung ei­nes be­reits voll er­füll­ten Kauf­ver­trags. Nach der An­la­ge ei­nes sol­chen Ver­trags war die Kauf­sa­che dem Käu­fer nicht vor­läu­fig zur Be­nut­zung über­las­sen, son­dern ge­gen Zah­lung des Kauf­prei­ses end­gül­tig über­eig­net. Ei­ne Ähn­lich­keit mit ei­nem Miet­ver­hält­nis liegt hier fern. Da au­ßer­dem die Ur­sa­che für das Schei­tern des Ver­trags in der Sphä­re des Ver­käu­fers liegt, be­steht kein An­lass, für das Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis nach §§ 467, 346 ff. BGB und die da­nach er­for­der­li­che Be­wer­tung der Ge­brauchs­nut­zung miet­recht­li­che Maß­sta­be her­an­zu­zie­hen. Ei­ne An­leh­nung an die Grund­sät­ze der Ge­brauchs­ver­gü­tung nach § 2 Ab­zG schei­det da­her aus. Statt­des­sen ist es sach­ge­recht, al­lein von dem Wert aus­zu­ge­hen, den die Be­nut­zung der Kauf­sa­che bei Er­fül­lung des Kauf­ver­trags für bei­de Ver­trags­part­ner ge­habt hät­te, in ers­ter Li­nie aber für den Käu­fer. Die­ser hät­te sich mit der Zah­lung des Kauf­prei­ses die Nutz­bar­keit bis zur Ge­brauchs­un­taug­lich­keit der Sa­che er­kauft. Dem Ver­käu­fer hät­te der vol­le Ge­gen­wert von An­be­ginn zur Ver­fü­gung ge­stan­den. Die­ser In­ter­es­sen­la­ge wird es am ehes­ten ge­recht, den Wert ei­ner zeit­an­tei­li­gen Be­nut­zung (§ 347 Satz 2, § 987 BGB) durch den dem Ver­hält­nis von tat­säch­li­cher zu mög­li­cher Be­nut­zungs­zeit ent­spre­chen­den Teil des Kauf­prei­ses zu be­stim­men. Denn der Käu­fer hat­te sich mit die­ser „Be­wer­tung“ der für ihn er­reich­ba­ren Ge­brauchs­mög­lich­keit ab­ge­fun­den. Auch der Ver­käu­fer hat­te über den Kauf­preis hin­aus kei­ne wei­te­ren Ver­mö­gens­vor­tei­le zu er­war­ten.

cc) In Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur hat sich die­se An­sicht je­den­falls für den häu­figs­ten An­wen­dungs­fall, die Wan­de­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ein Kraft­fahr­zeug, seit län­ge­rer Zeit durch­ge­setzt (vgl. z. B. die oben II 2 b zi­tier­ten Ur­tei­le meh­re­rer Ober­lan­des­ge­rich­te; aus­führ­lich, be­son­ders auch ge­gen Her­an­zie­hung miet­recht­li­cher Ge­sichts­punk­te, Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 539 ff.; So­er­gel/Hu­ber, BGB, 11. Aufl., § 467 Rn. 104; wohl auch MünchKomm-BGB/Jan­ßen, a. a. O., § 347 Rn. 21, 22; a. A. Stau­din­ger/Gurs­ky, BGB, 12. Aufl., § 987 Rn. 8). Ent­ge­gen der teil­wei­se ver­tre­te­nen An­sicht (MünchKomm-BGB/Jan­ßen, a. a. O., § 347 Rn. 22) be­steht je­doch kein An­lass, die Be­wer­tung des Ge­brauchs nach den An­schaf­fungs­kos­ten und de­ren an­tei­li­gem Ver­brauch auf Kauf­ver­trä­ge über Kraft­fahr­zeu­ge zu be­schrän­ken. Die In­ter­es­sen­la­ge beim Kauf von Ma­schi­nen, Mö­beln oder an­de­ren Ge­gen­stän­den ist kei­ne an­de­re als die beim Fahr­zeug­kauf (wie hier So­er­gel/Hu­ber, a. a. O., § 467 Rn. 103). Dass die­se Be­rech­nungs­wei­se zu sach­ge­rech­ten Er­geb­nis­sen füh­ren kann, hat der BGH in sei­nem den Kauf ei­ner Au­to­wasch­an­la­ge be­tref­fen­den Ur­teil vom 23.05.1984 (VI­II ZR 32/83, WM 1984, 1098) an­er­kannt. Für Mö­bel kann nichts an­de­res gel­ten.

c) Fol­ge des ver­än­der­ten Wert­an­sat­zes ist, dass dem Ver­käu­fer kein be­son­de­rer Un­ter­neh­mer­ge­winn­an­teil zu­steht. Da es nicht um die Fest­set­zung ei­ner ge­winn­brin­gen­den Mie­te geht, son­dern um die blo­ße Wert­ver­min­de­rung ei­ner ur­sprüng­lich ge­kauf­ten Sa­che durch zeit­wei­li­gen Ge­brauch, ist für ei­nen Ge­winn­an­teil ne­ben der Wert­min­de­rung kein Raum. Das ist zu­sätz­lich des­halb be­rech­tigt, weil in dem ver­ein­bar­ten Kauf­preis re­gel­mä­ßig ein Ge­winn­an­teil für den Ver­käu­fer ent­hal­ten ist, der da­mit an­tei­lig in die Ge­brauchs­ver­gü­tung ein­fließt. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat für den Ge­winn­an­teil 10 DM pro Bett ein­ge­setzt. Um den sich dar­aus er­ge­ben­den Be­trag von 1.630 DM ist die im an­ge­foch­te­nen Ur­teil an­ge­nom­me­ne Nut­zungs­ver­gü­tung zu hoch be­mes­sen. Im Er­geb­nis gilt das­sel­be für die vom Be­ru­fungs­ge­richt in An­satz ge­brach­te Ka­pi­tal­ver­zin­sung von 13,92 DM pro Bett, zu­sam­men al­so 2.268,96 DM. Da es nicht um den An­satz ei­ner fik­ti­ven Mie­te geht, muss auch die­ser Be­nut­zungs­pos­ten ent­fal­len. In der Li­te­ra­tur wird al­ler­dings die An­sicht ver­tre­ten, die Nut­zungs­ver­gü­tung nach §§ 467, 347 Satz 2 BGB müs­se eben­so ver­zinst wer­den wie der zu­rück­zu­zah­len­de Kauf­preis ge­mäß § 347 Satz 3 BGB (So­er­gel/Hu­ber, a. a. O., § 467 Rn. 104). Die­ser Mei­nung ist nicht zu fol­gen. Das Ge­setz will ei­ne Ver­zin­sung nach § 347 Satz 3 BGB aus­drück­lich nur für emp­fan­ge­ne Geld­leis­tun­gen an­ord­nen. Das gilt folg­lich nicht für die Her­aus­ga­be ge­zo­ge­ner Nut­zun­gen (auch in der Form des Wert­er­sat­zes), weil der Käu­fer in­so­weit kei­ne Geld­leis­tung emp­fan­gen hat­te.

4. Hat das Be­ru­fungs­ge­richt so­mit den Wert der ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen um 2.268,96 DM und 1.630 DM zu hoch an­ge­setzt, wirkt sich die un­ter­blie­be­ne Be­rück­sich­ti­gung der Mehr­wert­steu­er von 3.006,39 DM (oben 2) im Er­geb­nis nicht aus. Die Re­vi­si­on muss­te da­her in der Haupt­sa­che oh­ne Er­folg blei­ben.

III. Die Be­klag­te be­an­stan­det zu Un­recht auch die Kos­ten­ent­schei­dung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Gel­tend­ma­chung der Nut­zungs­ver­gü­tung ge­mäß der aus­drück­li­chen Er­klä­rung in der Be­ru­fungs­be­grün­dung der Be­klag­ten als Hilfs­auf­rech­nung an­ge­se­hen, den Streit­wert des­halb auf die dop­pel­te Sum­me der Klag­for­de­rung fest­ge­setzt (§ 19 III GKG) und da­nach die Kos­ten zu 1/3 der Klä­ge­rin und zu 2/3 der Be­klag­ten auf­er­legt. Das ist ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on nicht zu be­an­stan­den.

An­ders als im Fal­le der Gel­tend­ma­chung ei­ner Scha­dens­er­satz­for­de­rung nach der so­ge­nann­ten „Dif­fe­renz­theo­rie“ im Fal­le der §§ 325, 326 BGB (vgl. z. B. Er­man/Bat­tes, BGB, 8. Aufl., § 325 Rn. 6 und 7) oder der Gel­tend­ma­chung ei­ner Be­rei­che­rungs­for­de­rung nach Ver­rech­nung ge­zo­ge­ner Nut­zun­gen re­du­ziert sich das Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis aus der Wan­de­lung des Kauf­ver­trags nicht auf ei­ne blo­ße Über­schuss­for­de­rung des ei­nen Ver­trags­teils (a. A. zu Un­recht So­er­gel/Had­ding, BGB, 12. Aufl., § 348 Rn. 2; OLG Hamm, Urt. v. 14.09.1981 – 2 U 43/81, MDR 1982, 141). Viel­mehr ste­hen sich, wie die §§ 346 bis 348 BGB er­ken­nen las­sen, die ge­gen­sei­ti­gen For­de­run­gen selbst­stän­dig ge­gen­über. Der­ar­ti­ge For­de­run­gen kön­nen, wenn sie gleich­ar­tig sind, ge­gen den An­spruch der an­de­ren Par­tei nach §§ 387 ff. BGB auf­ge­rech­net wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat des­halb mit Recht ei­ne (Hilfs-)Auf­rech­nung der Be­klag­ten ge­gen­über der Kla­ge­for­de­rung an­ge­nom­men, § 19 III GKG zu­tref­fend an­ge­wandt und dem­entspre­chend die Kos­ten­ver­tei­lung vor­ge­nom­men.

Für die Re­vi­si­ons­in­stanz hat die Be­klag­te die Kos­ten ih­res er­folg­los ge­blie­be­nen Rechts­mit­tels ge­mäß § 97 ZPO zu tra­gen.

Hin­weis: § 19 III GKG lau­te­te sei­ner­zeit: „Macht der Be­klag­te hilfs­wei­se die Auf­rech­nung mit ei­ner be­strit­te­nen Ge­gen­for­de­rung gel­tend, er­höht sich der Streit­wert um den Wert der Ge­gen­for­de­rung, so­weit ei­ne der Rechts­kraft fä­hi­ge Ent­schei­dung über sie er­geht. …“. Die­se Re­ge­lung fin­det sich jetzt in § 45 III GKG.

PDF er­stel­len